Anmerkung:

Die nachstehende Veröffentlichung habe ich wortwörtlich aus der Zeitungsbeilage "Volktum und Landschaft" übernommen. Anmerkungen von mir sind in einer anderen Schriftfarbe und Schriftform zu erkennen. Zusätzlich habe ich das Seelenregister von 1703 beigefügt und soweit wie möglich verlinkt. Dabei habe ich die Hauptfamilien entsprechend zugeordnet und die nicht im nachstehenden Aufsatz vorkommenden Familien den im Seelenregister zuvor genannten Haupthöfen zugeordnet, soweit nicht bereits durch Zusatzangaben wie "inquilinus", "in Schuren" oder "im Backhuß"  eine eindeutige Zuordnung vorlag. Dadurch können sich Zuordnungsfehler ergeben haben. Falls jemand diese korrigieren kann, bitte ich um eine kurze Mitteilung per Mail. Stand: 12.01.2009 (Nachträgliche Veränderungen sind auf der letzten Seite vermerkt)


Ein Gang durch die Gemeinde Cappeln um 1750

von Hauptlehrer Franz Ostendorf  (Quelle: Volkstum und Landschaft 1950/1951)


In altdeutscher Zeit gab es nur Bauerschaften (Burskups), keine Kirchorte, Pfarreien oder Gemeinden; letztere kamen erst in christlicher Zeit.               

Der Name Cappeln kommt von Kapelle her und erinnert an die Kapelle, die etwa um 800 n. Chr. dort errichtet wurde, wo heute die Kirche steht. Die Missionare (Benediktiner) v. Visbek gründeten in Emstek eine Pfarre und wiesen ihr das ganze heutige Gebiet von Emstek und Cappeln zu. Der Pfarrer dieser großen Gemeinde sah wohl ein, dass er Außenstationen einrichten müsste, um allen, besonders den alten Leuten, die weiten Wege zu ersparen. Solche Außenstationen kamen nach und nach in Elsten, Sevelten, Cappeln, Bühren und Halen. Von Zeit zu Zeit kam der Pfarrer von Emstek zu diesen Außenstationen herüber und hielt in diesen Außenkapellen Gottesdienst.

1159 wurde die große Pfarrgemeinde Emstek in zwei Pfarren aufgeteilt, Cappeln wurde selbstständig und ihm die Bauerschaften Cappeln, Dingel, Sevelten, Elsten, Bokel mit Wißmühlen, Tenstedt, Schwichteler u. Nordenbrock zugewiesen. Die Mutterpfarre Emstek schob ihre Grenzen möglichst weit vor. So kommt es, dass von der Cappelner Kirche bis zur Emsteker Grenze (Diekhaus) nur 0,5 km, dagegen von der Cappelner Kirche bis zur Deindrupper Grenze 8 km Weges sind. Die Kirche im äußersten Nordwesten der Pfarre hatte eine unglückliche Lage, diese Pfarrgemeinde musste später auseinander fallen. So löste sich zuerst Elsten, dann Sevelten und in letzter Zeit auch Schwichteler aus dem gottesdienstlichen Verband aus. Das wäre sehr wahrscheinlich vermieden worden, wenn man die erste Kirche im Mittelpunkt der Pfarrgemeinde, etwa in Wissmühlen, errichtet hätte. Nordenbrock und Schwichteler lagen aber noch abseits. Cappeln außer Sevelten, gehörte bis 1856 zum Amte Vechta.
 

Cappeln – Dingel

Die fünf alten Ganzerbenstellen liegen alle im fruchtbaren Lößgebiet; nur der nördliche Teil dieser Bauerschaft (Dingel, Tepe im Moor) leitet zum Cloppenburger Geestsandgebiet über.

Der Name Cappeln kam erst, als die Kapelle dort errichtet wurde, der Name ist also jungen Datums. In der lateinisch abgefassten Urkunde des Jahres 1159 wird er Cappeln genannt; der Lateiner hat ja kein „K"; aber schon 1208 erscheint Kappelen, u. es dürfte allmählich an der Zeit sein, den Namen, „deutsch" zu schreiben, also Kappein, wie es andere Gemeinden gleichen Namens schon seit langem gemacht haben.

Die Bauerschaft Cappeln hat aber schon lange vor der christlichen Zeit bestanden und damals doch auch einen Namen gehabt. Aber welchen? Keine Spur eines älteren Namens findet man. Auch ist es auffällig, dass die Ganzerben so weit auseinander liegen, das ist bei den alten Erbstellen der anderen Bauerschaften nicht der Fall, die haben ausgesprochene Drubbellage.

Der Name Dingel ist alt, er bedeutet „Thing-loa", das ist Versammlungs- oder Gerichtsplatz. Dingel hat keine alten Erbstellen, war also in vorchristlicher Zeit nicht besiedelt. Der Desum, der ja auch ein ähnlicher Platz größeren Ausmaße war, war auch nicht besiedelt.

Im Nachfolgenden bringe ich nun die 20 Stellen, die 1750 Eigenbesitz hatten, also nicht die Heuerleute und auch nicht alle die, welche ihren Eigenbesitz erst nach 1750 erwarben. Eine spätere Arbeit möge diese Lücke ausfüllen. Natürlich kann es nicht im Rahmen dieser Arbeit liegen, die ganze wechselvolle Geschichte dieser Stellen zu bringen, nur einige „Rosinen" mögen herausgenommen werden.

Nach Pagenstert (Kammergüter) hatte Cappeln-Dingel 1750: fünf Ganzerbenstellen, vier Pferdekötter, einen Brinkkötter, sechs Hußler, drei Dienstinhaberstellen (Kaplanei, Küsterei und Schule). Diese Feststellung der Erbqualität machte der einflussreiche Vogt Georg Schade in Bokel. Geschichtlich war sie kaum begründet, wie die nachfolgenden Ausführungen zeigen werden.


Der Meyerhof  

Der Meyerhof ist ein Ganzerbe, 66 ha liegen in der Gemeinde Cappeln, 10 ha in der Gemeinde Emstek. Ursprünglich war er ein altdeutscher Edelingshof, wurde zu fränkischer Zeit zu einem Meyer- und Musterhof umgewandelt. Er war Eigentum der Grafen Ravensberg - Vechta, 1238 bekommt die einzige Tochter des Grafen, Jutta mit Namen, den „Meyerhof in Cappeln mit allem Zubehör und Dienstmannen in Cappeln" als Morgengabe für ihren Verlobten, den einzigen Sohn des Grafen Otto von Cloppenburg-Tecklenburg, Heinrich mit Namen; Letzterer stirbt schon bald, und die erst 17jährige Witwe bleibt im Besitz des Meyerhofes. 1252 kauft der Bischof von Münster die Grafschaft Vechta, also auch den Meyerhof. Da der Bischof selbst auch Geld benötigte, übereignete er den Meyerhof, an den Vechtaer Drosten Johann von Sütholte, der ihn noch 1320 in Besitz hat. 1536 ist Dietrich von Lutten auf Gut Schwede mit dem Meyerhof zu Cappeln belehnt und 1797 gehört er nach Gut Lage.

Drei Malter Roggen (ein Malter = 12 Scheffel zu je 36 Pfund Roggen) und vier Malter Hafer waren jährlich an den Gutsherrn zu liefern. Wegen der unbestimmten Gefälle (Gewinn, Auffahrt, Sterbefall usw.) führte Meyer mit Lage einen Prozess, der 1807 damit endete, dass Meyer eine Jahresrente von 17 Rth. 49 Groten zu zahlen annahm.

1460 ist Wessel Meyer „radman der kercken tho Caplen", 1545 hat sein Enkel 10 Pferde und besamt 11 „moltzaet landt" dessen Urenkel hat 1669 (also nach dem 30jährigen Kriege) nur 2 Pferde und besamt nur 3 Malter Saatland; er wohnt im Backhause, das Erbhaus war wüst.

1729 heiratet die einzige Tochter den Jan Schulte aus Dinklage, sonst läuft bis 1830 das Blut immer über die Mannesseite. Der Meyerhof war münstersches Lehen; in den Lehnsbüchern der münsterschen Bischöfe, die noch nicht, veröffentlicht sind, dürfen noch mache interessante Einzelheiten zu finden sein. 1835 wird Joh. Hinr. Meyer Kirchspielvogt, betreibt auch eine Gast- und Schenkwirtschaft.

Status animarum von 1703
Name Alter
Wessel Meyer pater fam. viduus 79
Lücke filia 30
 
Jasper Meyer pater fam. 34
Anna Margreta uxor 35
Hellena filia 14
Lücke Elisabeth filia 9
Anna Margreta filia 6
Triene Wolberg filia 4

Status animarum von 1703
Name Alter
inquilinus (Mitbewohner)
Wessell Backhuß 77
Hempe uxor 53
Wessell filius 23
Rolff Gerdt filius 18


Vorwerk

Das Ganzerbe Vorwerk, 62 ha groß war eigenhörig an die Kirche in Cappeln. Unter Krummstab ist gut wohnen, so sagte man früher, und in der Regel stimmt das schon. 2 Malter 8 Scheffel Roggen und l feist Schwein oder dafür 5 Rth. mussten jährlich als Pacht geliefert werden. Das Schwein musste 120 Pfund wiegen.

Der Wehrfester der Stelle hieß 1498 Wichmann ton Vorwercke. Im 30jährigen Kriege liegt der Hof am Boden.

1663 ist das Haus zerfallen, nur zwei Fack (von Ständer zu Ständer war ein Fack) waren bewohnbar. Ww. Anneke mit einem Sohn sind auf dem Hofe; der Sohn muss auch noch gestorben sein; 1665 bearbeiten Johan Rape (Sohn des Küsters Rape in Cappeln ) und Thalke Vorwerck den Hof, sie haben schon zwei Pferde wieder. Bis 1830 läuft das Blut immer über die Mannesseite.

Als 1897 der südoldenburgische Pferdezüchterverband ins Leben gerufen wurde, stand Georg Vorwerk mit in erster Reihe; in den nächsten Jahren entstand dann die überall bekannte Hengststation Vorwerk - Cappeln.

Status animarum von 1703
Name Alter
Johann Vorwerck pater fam. 67
Anna uxor 57
Johan Hendrich filius 28
Herme filius 20
Lucke filia 23
Gretike Jantzen famula 18
Wilhelma inquilina 30

Status animarum von 1703
Name Alter
Johan Oisterling pater fam. 33
Anna uxor 30
Anna Gesche filia 7
Johan filius 5

Status animarum von 1703
Name Alter
in eadem domo (in demselben Haus)
Christian pater fam. 28
Anna Gerdrut uxor 35
Lucke Maria filia 3
Johan Caspar filius 3/4

 Vorwerk,Cappeln


Hake
Der Ganzerbe Hake, 72 ha großwar ein freies Erbe, das heißt, es hatte keinen Gutsherrn. Das muss auffallen. War das immer so? Das ist kaum zu glauben. Aber es gab Fälle, wo hörige Bauern sich die Freiheit erwarben. Hatte ein fixer Bauernsohn seinen Gutsherrn in der Schlacht herausgehauen, hatte er ihn sonst einen wichtigen Dienst erwiesen, hatte er am Kreuzzug teilgenommen, dann winkte ihm die goldene Freiheit.

Als erster Wehrfester begegnet uns um 1500 Dirich Menckinck. Dessen Enkel zahlte 1545 weitaus die höchste Türkensteuer. Das war ja auch eine Sache, die zu Recht bestand. Für diese Steuer wurden die Stellen nach Größe und Viehbestand eingeschätzt, davon wurde dann 1/2 % als Steuer erhoben. Die gutshörigen Stellen hatten natürlich ihre jährlichen Abgaben an den Gutsherrn in Abrechnung gebracht. Debbe Mencking konnte das nicht, er war ja nicht gutshörig. So sind sein Haus, sein Land (5 Maltersaat) und 80 Kopf Vieh auf 463 Goldgulden geschätzt nach heutigem Friedenswert etwa 95.000 Mark.

Dessen Enkel, auch Dirich geheißen, war unverheiratet oder hatte keine Kinder; es erbte der Sohn seiner Schwester Hasseke oder Hake, der Haken Johann, so kam der Name Hake auf die Stelle; er ist geblieben. Rolf Hake, ein Haudegen, seine Frau Geißke, seine drei Söhne Johann, Rolf und Dirich, bringen die Stelle ziemlich gut durch den 30jährigen Krieg.

Obschon 10 Kinder vorhanden waren, erbt 1776 doch die Anna Gertrud Hake, die den Johann Gerhard Vorwerk sive Avergünne auf den Hof holt; der junge Bauer nimmt den Namen Hake an. Sonst erbt bis 1830 immer ein Sohn des Hofes. 1839 ist die Witwe Hake auch ein Bierbrauer, obergäriges Bier wurde gebraut. Das Brauhaus steht noch, oben ist noch das Wachtzimmer, von wo aus man auch die nahe gelegene Bleiche bewachte.

Das alte wuchtige Wohnhaus des Haken Hofes wird im Museumsdorf seine Auferstehung feiern, das ist gut. Aber das Ganzerbe Hake, das mehr als 3000 Jahre bestanden hat, muss als selbstständiges „Königreich" erhalten bleiben.

Status animarum von 1703
Name Alter
Johan Hake pater fam. 82
Elsche mater fam. 62
Rolff Hake junior 35
Triencke uxor 27
Wulfert filius 27
Johan filius 25
Dierich filius 17
Henrich filius 11
Jürgen filius 14
Frerich filius 9
Anna famula 27

Einhaus

Dieses Ganzerbe, ein schöner malerisch gelegener Einzelhof, 83 ha groß, war eigenhörig an Daren, aber bereits 1807 freigekauft. Die hörigen Bauern konnten sich früher nur dann freikaufen, wenn der Gutsherr zustimmte. Diese aber (mit wenigen Ausnahmen) dachten gar nicht daran; gute „Milchkühe" verkauft man doch nicht, Napoleon löste dann die einseitigen Fesseln; die Bauern konnten den Freikauf beantragen und erwirken. Allerdings waren die Bedingungen des Freikaufes sehr hart. Die meisten Bauern, die damals den Freikauf durchführten, büßten ihre Stelle ganz oder zum Teil ein. Einhaus leitete die Freikaufsverhandlungen bereits 1803 ein. Erst nach vier Jahren war das Ziel erreicht. Seine Mutter, eine Beylage aus Essen, sein Schwager, der einflussreiche Obervogt Schade in Cappeln, seine Frau, eine Verwandte des Cappelner Pastors Dyckhoff, sie alle werden Mitstreiter in diesem Kampfe gewesen sein; die Stelle hat diesen Aderlaß gut überstanden.

1726 traut Maria Elisabeth Enhuß den Friderikus Antonious Müntzebrock aus Ahausen bei Essen; auf diesen Hof war sechs Jahre vorher eine Maria Elisabeth Weßgerdes (Gers) aus Sevelten geheiratet. Sonst setzen in den 10 ersten Generationen die Männer das Blut fort.

Heute Renschen! Renschen, Renken ist der Genitiv der Koseform der altdeutschen Vornamen Reginhard, Reinhard (stark im Rat!), also ein schöner deutscher Name. Hier aber entscheidet nicht der Wehrfester, nein, der Hof gibt den Namen. Der erste nachweisbare Wehrfester (1498 Peter ton Ennhuß) ärgert sich noch heute im Grabe, dass sein schöner Hof, auf dem noch sein Blut fließt, amtlich nicht mehr seinen Namen trägt. Wann aber kommt der „Gustav zum Einhaus?"

In alten und ältesten Urkunden bezeichnet „hus" (domus) durchweg einen alten Edelingssitz, Söhne dieser „ritterbürtigen" Höfe konnten zum Ritter aufrücken, wenn sie die vorgeschriebenen 14 Jahre Probezeit bestanden hatten. Hier wird es so gewesen sein. Der Hof war ein „Ein - Hus ,„ abgesondert von den ändern. Dieser lebendige Name müsste erhalten bleiben.

Status animarum von 1703
Name Alter
Dierich Enhuß 80
Venneke uxor 41
Johan filius 42
Hempe filia 37
Anna filia 21
Behrendt Hake famulus 24

Status animarum von 1703
Name Alter
Lucke Suden mater fam. 57
Johan filius 24
Lucke filia 21

Status animarum von 1703
Name Alter
Herme Schnieder pater fam. 77
Talcke uxor 71
Talcke ex Drantum famula 21

Einhaus-Renschen

 
Pastorei

Die Pastorat, 61 ha groß, ist das 5. Ganzerbe. Der Ursprung liegt im Dunkeln. Es wird aber so gewesen sein; auf diesem Hof ist der Wehrfester um 1150 verstorben, ohne Kinder, ohne nähere Erben. Vor seinem Tode hat er die ganze Stelle der Kirche vermacht. Nun war es möglich, dass für Cappeln ein eigener Pfarrer angestellt werden konnte. Aus den Einkünften dieser Stelle erhielt der Pfarrer seinen Lebensunterhalt; ein anderer Weg war ja gar nicht möglich. Erst, wo für einen eigenen Pfarrer eine Lebensmöglichkeit gegeben war, erst da konnte Cappeln von Emstek getrennt und zu einer eigenen Pfarre erhoben werden. Das geschah im Jahre 1159.

Aus der ersten katholischen Zeit sind uns wenig Pfarrer namentlich bekannt, in der lutherischen Zeit (1550 - 1615) haben in Cappeln, drei luth. Prediger gewirkt; ab 1615 dann 19 kahtolische Pfarrer, von diesen waren sechs weniger als 10 Jahre, sieben länger als 20 Jahre Pfarrer in Cappeln, Grotendiek war 52 Jahre als Pfarrer in Cappeln tätig und starb 88 Jahre alt im Jahre 1797. Nur einer (Hermann Eilers) hat sich von Cappeln wieder weggemeldet.

J. H. Gottfried Dyckhoff (1802 - 1838) war der größte Pomologe des Münsterlandes seiner Zeit; er begründete den Obstanbau unserer Gegend. Dr. L. Niemann (1881 - 1895) ist der Verfasser der heimatlichen Werke: „Geschichte des Amtes Cloppenburg" und „Das Oldenburgische Münsterland".

Diese fünf Ganzerben sind alt, etwa 3 - 4000 Jahre werden sie zählen. Ihnen gehörten die Behausungen, die Esche und die ganze Mark. Auf jedem dieser Höfe wohnte aber in ältester Zeit nicht eine Familie, nein, eine Sippe , der Wehrfester, die Eltern in der Liftucht, der Bruder oder die Schwester in einem Beihaus, der Knecht mit seiner Familie in einem Teile der Scheune. Auch die Halberbstellen sind alten Datums, die gab es aber in der Bauerschaft Cappeln -Dingeln nicht.

Status animarum von 1703
Name Alter
Joannes Stodtbrock pastor 52
Anna Stodtbrock oeconoma 57
Joan Boman famulus 25
Helena Heuerman famula 34
Veronica Heuerman famula 18

Pastorrat Cappeln


Die Kötter

Das Wort „Kotten" (lateinisch casa) bedeutet ursprünglich ein von einem Hofe (Brink) oder aus der Mark geschnittenes Landstück. So spricht man von einem Markkötter und einem Brinkkötter. Der Pferdekötter kann beides sein.

Besitzer der Mark waren die fünf Ganzerben in Cappeln, die natürlich ängstlich darauf bedacht waren, ihren Besitzstand nicht zu verkleinern. Nun wollten die Wehrfester der Ganzerben zu gern einen Schmied in ihrer Nähe haben oder auch einen Tepen (Viehhüter), der das viele frei herumlaufende Vieh etwas beaufsichtigte, oder einen Hakenschließer, der dafür sorgte, dass die Haken, die um den umwallten Esch führten, immer geschlossen waren, oder sie wünschten eine „Kraug" (Wirt), bei dem sie sich versammeln und mit Getränken bewirtet werden konnten, oder einen Fronen (Gemeindediener, Burvaoget), und nun erlauben sie, die Markeninteressenten, einen abgehenden Bauernsohn aus Cappeln, in der Mark oder auf den Dorfbrink ein Häuschen zu errichten, sie mussten dann aber in den Dienst der Bauernschaft treten. Das ist der Anfang der Kötter, die sich zunächst schon freuten, wenn sie nur ein Häuschen hatten, die aber nach und nach weiter strebten, etwas Land sich zu erwerben, Hühner, Schafe, ja eine Kuh halten zu dürfen; schließlich wurden sie in der Mark mitberechtigt. So entstanden die Kötter, meist in den Jahren 1400 - 1600. Wenn sie 1562 als Kötter, 1660 aber als Brinksitzer auftauchten, so liegt der Grund darin: Die Steuer soll gedrückt werden. Der Kötter zahlte bei jeder Stellensteuer die doppelte Quote der Brinksitzer. Später, als die Steuer nicht mehr nach der Erbqualität gehoben wurde, sind sie wieder Kötter; als Kötter hatten sie eher und mehr Markenberechtigung.


Thobe

Thobe ist ein Pferde- oder Markkötter auf dem Dingel. 1562 wird er freier Kötter genannt, der Knechtsgeld gibt, also war der damals noch frei. Später war er eigenhörig nach Daren.

Tabell, Tabe, Tebbe, Tobe upn Dingel, so wechselt der Name; manchmal macht man den Unterschied zwischen Dingel und Cappeln nicht, so heißt es auch wohl „Tabell to Caplen."

In der großen Bauernverschwörung 1534 war „Tabell upn Dingel" Sprecher der Cappelner Bauern. Wie der Blitz sausen 100 münstersche Polizisten ins Niederstift und holen vier Bauern auf, auch den Tabell upn Dingel. Am 17. und 18. Juli werden die vier verhört und am 20. Juli im Lager vor Münster hingerichtet. So schrieben Nieberding und Niemann, Pagenstert bezweifelt es, ob Tabell auch exekutiert ist.

Wenn man das lange Verhör durchliest, fällt einem gleich auf, das Tabell sehr wenig Belastendes für sich aussagt. Die anderen drei (Quade to Elsten, Huntemann to Oythe und Westendorf zu Bieste) fahren bedeutend schweres Geschütz auf. Tabell upn Dingel „hat bekannt und gesagt, dass die sämtlichen Männer von Cappeln einstimmig beschlossen hätten, Arbeits- und Pfandverweigerung zu leisten, einig zu sein und im Leben und Tode zusammenzustehen; das haben alle gelobt und gesagt und ihm zu sagen befohlen."

Wegen dieser seiner Tätigkeit konnte man ihn doch kaum hinrichten. Ein Jahr später, im Januar 1535, heißt es in der Steuerliste: „Tabell tho Elsten int Dörg" (wohnt also in Cappeln), im Oktober 1535 heißt es: „Tabell tho Caplen"; beide Male zahlt er Köttertaxe, 1538 plündern und rauben die Landesknechte dem Tabell upn Dingel ein Pferd , 3 Wers (Widder), einen groten Ketel, einen Pott, Roggen, Kleder, Laken , Linnen usw., all das weist auf einen Kötter hin. 1549 steht im Schattregister: „Tabell upn Dingel, Toebe Frau, Hebbel Mutter, Talcke Schwester", er hat auch noch einen Jungen unter 12 Jahren.

Wenn man alles dieses zusammenfasst, wird der Verlauf ungefähr folgender gewesen sein: Tabel nimmt als junger neuer Kötter an der Revolutionsversammlung teil. Die Haupträdelsführer (Niemann - Tenstedt und Konsorten), die das Unheilvolle ihrer Handlungen einsehen, schicken ihn den jungen, ahnungslosen Kötter zum Drosten nach Vechta. Tabell wird später als einer der ersten verhört, er sagt ziemlich Belangloses aus, soweit er selbst in Frage kommt, er wird aber, um ihn zu schrecken, mit abgeführt aber nicht hingerichtet.

1660 nennt Thobe sich Brinksitzer, auch 1680 noch, hat aber zwei Pferde. 1701 und 1730 läuft das Blut über die weibliche Seite, die aufheiratenden Männer (Otten und Rhode/Meyer) nehmen den Namen der Stelle an. Der 1761 geborene Joan Herm. Heinrich Thoben wurde Kapuzinerpater, später ist er Guardian im Kloster zu Koesfeld, geht Thobe als Vikar nach Cappeln, wo er 1825 gestorben ist. Ein Oesting heiratete auf die Stelle; dann hat v. Frydag die Stelle eingezogen und an Gerwin verkauft. Der Käufer nahm dann in seinem Bereich eine Verkuppelung vor und trennte die Pachtstelle Boll ab; ab 40 Meter von dem Bollschen Neubau liegt Thobens alte Hausstelle, einige Ostbäume und Fundamente (Findlinge) zeigen sie noch heute an.

Status animarum von 1703
Name Alter
Frerich Toben pater fam. 37
Vencke uxor 27
Wubke senicula 63
Angella filia 15

 Gerwin

Rolfes (vor 1700)

Rolfes (nach 1700)

Einen eigentlichen Familiennamen hatte dieser Kötter anfangs nicht, sein Vorname genügte dem Volke: Wilcke to Cappeln, Hinrick to Cappeln, Tale to Cappeln, Alfert to Cappeln, Rolf to Cappeln. Der letzte Name blieb, und seit 1660 heißt sein Sohn dann Rolfs Herman. Nur einmal vererbt die Tochter das Blut auf der Stelle.

Schon 1562 wird er ein freier Kötter genannt, 1594 zählt er unter die „Hußlude mit ein perth", ab 1660 nennt er sich Brinksitzer, und 1750 ist er ein freier Pferdekötter.

1538 meldet er in Cappeln den größten Schaden an, der ihm durch die plündernden Landsknechte zugefügt worden ist: 3 Pferde, 2 Kühe, 6 Seiten Speck, einen neuen Wagen, 5 Tonnen Bier (also war er schon damals Bierbrauer und Wirt), 10 Malter Getreide und vieles anderes, im Ganzen einen Schaden von 68 Dalern, etwa 5500 Mark heute. 1591 entrichtete er als Bierbrauer Bierakzise.

1830 ist Dierk Henrich Rolfes Schuljurat und Armenvater, er betreibt Landwirtschaft und eine flotte Wirtschaft, wo die Cappelner „Faszloabend" recht ausgiebig feierten. Später wurde das ganze Anwesen an Josef Varelmann verkauft, der es wieder zerstückelte. Käufer waren: B Sütkamp, (Haus und Garten, dort also lag früher das Rolfesche Wohnhaus), Stallmann, B. Grote, Schuster Rüwe, Riemann, Hannöver, Westerkamp, Kroger (Jos. Grote) und der Bahnhof.

Status animarum von 1703
Name Alter
Johan Hindirch Rolffeß pater fam. 38
Gesche uxor 34
Herme filius 7
Johan Otto filius 5
Triene Gesche filia 3

Status animarum von 1703
Name Alter
Arendt Gerdt Koopmann pater fam. 39
Triene Wolberch uxor 36
Rolff  Herme filius 4

Gaschemann

Auch auf diesen Kotten hatte der Wehrfester anfangs nur einen Vornamen, 1578 heißt er dann „Johan by Gaszeke" zum Unterschied von anderen Johanns in der Gemeinde. Gaszeke, Gaschke, Gosse ist das kleine fließende Gewässer, das neben der Stelle her fließt. 1594 rangiert Johan Goßekeman zu den Husluden mit Pferden; 1608 hat er vier Pferde und 12 Kopf Rindvieh, ab 1660 nennt er sich Brinksitzer mit Pferden. Der 30jährige Krieg hat auch diesen Kotten hart mitgenommen, aber er erholt sich ziemlich rasch wieder; um so mehr, wo er neben der Landwirtschaft auch eine Ölmühle bediente, und das in ziemlichem Ausmaße, 1839 nennt man ihn Ölfabrikant. 1803 begründet Rolf Gaschemann die 11. nachweisbare Generation.

Status animarum von 1703
Name Alter
Behrendt Gaschemann pater fam. 57
Venneke uxor 53
Johan Hendrich filius 19
Wessel filius 15

Status animarum von 1703
Name Alter
inquilina (Mitbewohner)
Gesche Haken mater fam. 37
Johan filius 9
Maria Elisabeth filia 3

Status animarum von 1703
Name Alter
Talcke Kremers mater fam. 63
Triencke filia 33
Hellena filia 27
Chatarina filia 6
Gertrud filia 3

Gaschemann


Gerwin


Auch die Wehrfester dieses Kottens tragen zunächst nur Vornamen: Hebbel upn Dingel, Dirick upn Dingel, Lubbe upn Dingel, Alfert upn Dingel, Dirick upn Dingel, erst 1594 erscheint auf diesem Kotten erstmalig der Name Gerwins.1562 ein Kotten, 1594 Hußlude, 1608 hat er drei Pferde und 11 Kopf Rindvieh, 1662 Brinksitzer mit Pferden, 1750 freier Pferdekötter. Bis 1789 sind es 11 nachweisbare Generationen.Gerwin ist schöner altdeutscher Vorname und bedeutet „Ger-Freund".

Status animarum von 1703
Name Alter
Johan Otto Gerdewien pater fam. 32
Triene Walburch 31
Herme senior pater fam. 82
Lucke uxor 80
Triene Elisabeth filia 5
Johan Dierich filius 3
Petra Nella mater fam. 32
Herme filius 3
Ludolff filius 26


Schwepe  

Schwepe ist nach Angabe des Cappelner Vogtes Schade ein Brinkkötter, angesiedelt auf dem Brink eines Ganzerben, und das kann hier ja nur das Vorwerksche Ganzerbe gewesen sein. Er war eigenhörig nach Lohe.

1538 Hinrick in Holte, 1562 ein „egen kotter" (höriger Kötter), 1660 ein Brinksitzer mit Pferden, 1666 „ Jasper Schwepe in Holte". Bis 1830 erbt immer die Mannseite. Erst in neuerer Zeit vererbte der Kotten auf die Geschwister Brinkmann, deren eine (Jenne) Gerhard Hake traute. Auf diesem schönen Erbe sollte der alte Name Imholte wiederholt werden, er liegt noch heute „im Holte".

Status animarum von 1703
Name Alter
Jasper Schweppe pater fam. 82
Wobbeke uxor 79
Hendrich filius 36
Jasper filius 28
Anna Margrete filia 26


Tepe

1549 erscheint ein „Tepe yn der bramesmathe", seine Frau heißt Lücke, 1594 zahlt Brinksitter „Tepe in dem Moor" l Orthgulden Ambtsstür, 1608 hat er 2 Pferde und 3 Milchkühe, 1660 ist die Witwe Brinksitter ohne Pferde, 1669 Brinksitter mit Pferden.

Offenbar ist er um 1540 als Tepe (Viehhüter) von den Markberechtigten angestellt. Das Tepenmoor trägt noch heute seinen Namen Mönning, heute Lamping, der früher Pächter auf Ostendorfs Hofe war; darum auch zum Unterschied von den vielen Lampings „Lamping- Ostendorf' genannt wird.

Status animarum von 1703
Name Alter
Johan Tepen pater fam. 34
Maria uxor 27

Status animarum von 1703
Name Alter
Thole senior pater fam. 81
Wubke uxor 77
Gretike Landtwehr inquilina 29
Mathias filius 5



Die Akte von 1750 bringt noch sechs „Hußler": diese hatten ein Haus und Garten, aber keinen nennenswerten Landsitz. Ob die Klassifizierung von 1750 zu Recht besteht, das ist mehr als zweifelhaft. Alle sechs Hußler waren freie Leute.


Weldam

1651 Weldamb, 1660 Brinksitzer mit Pferden und Untervogt, er hat ein Haus „ad 2 Fack", in welchem er, seine Frau und noch fünf andere Personen wohnen. Also auch er ist Brinksitzer, wie die fünf Kötter, warum er sich 1750 Hußler nennt, ist nicht zu ersehen; als Untervogt (Frone) zahlte er keine Steuern.

1745 beziehen Otto Bullermann zubenannt Weldam und seine Frau Maria Aleid Kleine die Stelle. Die Blutsfolge scheint von Kleinen Seite vorgelegen zu haben. Um 1830 zählt Otto Weldam neben Götting, Vorwerk, Jost, Ording und Haarmann zu den Ausschussmännern der Gemeinde.

Status animarum von 1703
Name Alter
Dierich Weldam pater fam. 47
Anna uxor 56
Behrendt filius 21
Vencke filia 30
Anna filia 12
Gerdrut Backhuß inquilina 28
Weßell filia (filius?) 5

Weldamm


Kaiser


Erst 1660 begegnet man erstmalig den Namen Kayßer, er ist ein Brinksitzer mit Pferden. Der Name kommt vorher in Cappeln nicht vor, wohl gab es in Lohne einen alten Kotten Kaiser (Büscherhoff), vielleicht stammt der erste Dirick Kayßer (+1664) von Lohne. Sein Urenkel Jörgen Kayser traut 1742 die Phenenna Hüllmann (Hülm) von Sevelten; deren Sohn Georg Borchard, geb. 1743, heiratet auf Averdams Stelle in Schledehausen, nimmt den Namen Averdam an und ist der Stammvater der vielen Averdams von heute.

Status animarum von 1703
Name Alter
Werncke Keisser pater fam. 38
Talcke mater fam. 47
Dierich filius 24
Johan Hendrich filius 18
Gesche filia 14
Anna filia 9

Status animarum von 1703
Name Alter
David Hulßhoff pater fam. 36
Anna Margaretha mater fam. 26
Otto filius 6
Chatarina Maria 3
Triencke famula 19


Lampe

1651 „de Hollampesche" mit ihrem Sohne Herman, ein Brinksitter mit Pferden. Derselbe lag und liegt nordwestlich des Pastorats. Henrich Joseph Lampen erheiratete mit der Maria Christina Stallmann, verwitwete Bullermann, den Bullermanns Kotten (1820) in Bokel, den er verkaufte, um seinen Kotten zu arrondieren. Diese Stelle wurde später von Hannover erworben. Zu dieser Stelle gehörte auch das Anwesen, das heute Schneidermeister Blömer bewohnt. Vor etwa 70 Jahren wohnte darin ein origineller Einsiedler. Kühling, beim Volke unter dem Namen „Biksken Rohe" bekannt. In seinen jungen Jahren war derselbe Hilfsförster auf einem Schleswig - holsteinschen Gute gewesen. Hier in Cappeln führte er die Aufsicht über das Cappelner Bruch und war von den Wild- und Strauchdieben sehr gefürchtet. Ihm verdankt der Ort die Reihen Kastanien bei Pastor, Meyer und Varelmann, auf die Buche am Eingang zum Kirchhof; sie sind ja unter Naturschutz gestellt. Auf Meyers Grund hielt Kühling auch eine kleine Forstschule.

Status animarum von 1703
Name Alter
Rolff Lampen 63
Lücke uxor 51
Herme filius 26
Rolff filius 23
Johan Frerich 17
Joanna famula 20


Landwehr

1651 „de Landtwehrsche" zu Cappeln, 1660 ein Brinksitzer ohne Pferde, 1669 hat er ein Pferd. 1725 heiratet Herman Schloermann auf die Stelle, nimmt aber den Namen Landwehr an. Bekannt noch unter den Namen Landwehrs Kuper (Küfer, Böttger) nachher Koopmann, der auch im Nebenberufe Tischler war, dann Nietfeld, heute Gramann.

Status animarum von 1703
Name Alter
Hendrich Landwehr 34
Lucke uxor 29
Rolff filius 5
Elisabeth filia 2
Lücke senicula 77


Kuper  

1651 Kuper mit Tochter, 1665 als Kirchhöfer bezeichnet. Dort, vor dem Kirchturm lagen vier Häuschen, das Zweite war die Wirtschaft und Handlung von Kuper, auch als Tabakfabrikant betätigte er sich. 1789 wird er „lintearius" genannt, das ist Leinwand-Krämer. Heute B. Frieling.

Status animarum von 1703
Name Alter
Herme Kuper pater fam. 36
Anna uxor 32
Herme Hendrich filius 5

oder (Zuordnung ist noch unklar)

Status animarum von 1703
Name Alter
Herm Kuper pater fam. 67
Werneke Kuper junior pater fam. 32
Getrud Jonas uxor 36


Jaspers

Ein Rudolph Lampen heiratet 1706 eine Catharina Meyers sive Jaspers, sie wohnten auf dem Kirchhofe. Deren Sohn Otto traut 1744 Christina Gertrud Buddendiek sive Mertens aus Emstek, die Kinder nennen sich Jaspers. Die landwirtschaftlichen Gebäude standen an der Nordseite des Kirchhofes, seine Wirtschaft und Handlung war separat an die Straße gesetzt. Jaspers war auch Branntweinbrenner. An der anderen Seite der Straße, aber noch auf der Straße, stand früher ein kleines Häuschen, Jaspers „Takel" genannt., darin bewahrte Jaspers allerhand Kleinkram auf. Früher sollen darin die letzten lutherischen Prediger gewohnt haben. Weil das Gebäude den Verkehr auf der Straße sehr behinderte, hat man es später nach Westen zurückgezogen.

1875 veräußerte er seine Liegenschaften bei der Kirche an G. Vaske; die Wirtschaft und Handlung hatte er schon vorher an Rump verpachtet gehabt. Er erbaute nordwestlich von Lampe-Hannöver neue Gebäude, wo sie heute noch stehen, wo mehr und besser Platz war.

Also auch mehrere der „Hußler" vom Jahr 1750 sind heute zu ansehnlichen Hof- und Erbstellen angewachsen.

Status animarum von 1703
Name Alter
Jasper Meier viduus pater fam. 72
Joan Henrich filius 29
Jürgen filius 17
Catharina filia 26


Hokamp

Politisch nach Lankum (Crapendorf), aber kirchlich nach Cappeln zählt der Binkkötter Hohkamp. 1562 Johan Hogerkamp, ein freier Kötter. 1676, 1716, 1741 du 1766 läuft das Blut immer wieder über die Frauenseite. Später Knagge, Abeln.

Status animarum von 1703
Name Alter
Johan Hokampf pater fam. 43
Gesche uxor 47
Johan filius 16
Anna Margarita filia 9
Gesche filia 6
Vencke filia 4



Man kann auch die Dienstinhaberstellen hierher rechnen, zu ihnen zählten:

Caplanei

Seit 1722 hatte der Pastor von Cappeln eine Aushilfe an Sonn- und Feiertagen; er musste ja auch hin und wieder die beiden Außenstationen Elsten und Sevelten bedienen. Zuerst kam ein Pater aus Vechta am Sonntag herüber, später stellte der Pastor einen eigenen Caplan an. 1734 wurde eine Caplanei erigiert und fundiert; der Caplan wohnte die erste Zeit in dem Pastorat; da damals das Pastorat ziemlich beengt war, war ihm, dem Caplan, im jetzigen Stall nördlich des Pastorats eine Studierstube eingerichtet. Später errichtete man auf dem Kirchhof neben der Wirtschaft Kuper ein kleines Häuschen, das bezog der Caplan, seine Studierstube behielt er aber bei. 1885 ist dann die jetzige Caplanei erbaut, heute von der Gemeinde gepachtet.


Küsterei

1655 hatte der Küster Anton Bifang, ein guter Sänger, Haus und einen Garten von einer Scheffelsaat. 1582/85 läuft ein Prozess gegen die Gebrüder v. Elsten wegen eines dem Küster Evert gehörigen Kampes, die Kalkrade genannt, dieser Prozess wird zugunsten des Küsters entschieden. Dieser Kamp scheint Privateigentum des damaligen Küsters gewesen zu sein. 1613 meldet der Küster Evert, dass „keine Ländereien to de Kosterei" gehören. 1669 ist der Küster Hermann Rape auch zugleich Lehrer, noch Wirt und Bier- und Branntweinfabrikant und hat so viel Land, dass er mehr mit diesem als mit dem Lehrer- und Küsterdienst sich beschäftigt. Bereits 1698 werden Schul- und Küsterdienst wieder getrennt. Otto Rape, zwei Oesterlings und sechs Backhaus haben dann bis 1892 die Küsterei innegehabt. Die „Upkammer" der noch stehenden Küsterei war früher das Klassenzimmer der Schule.

Status animarum von 1703
Name Alter
Otto Rape custos 33
Margrita uxor 32
Johan Eilert filius 3
Herme Hendirch filius 1/2

Status animarum von 1703
Name Alter
inquilinus (Mitbewohner)
Dierich Johans pater fam. 34
Anna uxor 30
Maria Gerdrut filia 7


Schule

1811 lag die Schule im Winkel der beiden Straßen nach Bokel und Tenstedt, heute Backhaus/Jasper. Der Lehrer Joseph Kösters gibt als zur Schule gehörig an: Schule und Lehrerwohnung unter einem Dache, ein Garten beim Schulhause, 3 Scheffelsaat; ein Zuschlag von 7 1/2 Scheffelsaat in der Cappelner Mark, das Recht zur Weide, zum Heide- u. Plaggenstich in der Cappelner u. Bokeler Mark und in jeder der beiden Marken 1/9 Erbberechtigung.

Auf dem Kirchhof, südlich des Turmes, lag noch ein Haus, das der Schneider, Wirt und Händler Neekamp bewohnte; an der Straße zwischen Küsterei und Varelmann lagen noch zwei weitere Heuerhäuser (Meyers) und Varelmann gegenüber wohnte „Hinnerk sein Marenken" in einem kl. niedl. Häuschen, wohl das kleinste der ganzen Gemeinde.

Pfarrer Dr. Niemann ließ die alte Caplanei und das anstoßende Pfarrhaus abbrechen, kaufte noch das alte Gaschemannsche Haus dazu und errichtete aus diesen drei alten Gebäuden das jetzige doppelte Pfarrheuerhaus, bewohnt von Koopmeiners und Ovelgönne.

Die Caplanei war eine Stiftung von Pastor Schade, vor 70 Jahren wurde an den vier „Hochtiedsdaogen" dieses Stifters gedacht und für ihn gebetet.

Die Größenangaben nach Niekammers Güter-Adreßbücher Bd. XI1914

Status animarum von 1703
Name Alter
Theodorus Koster pater fam. 40
Anna uxor 32
Joan Caspar filius 3
Wilhelmus filius 2
Anna Catharina Dincklagensis famula 17


Status animarum von 1703
Name Alter
Joan Everd von Anthen pater fam. 40
Gertrud uxor 32
Maria Gertrud filia 10
Otto Bernd filius 12
Lucia Maria filia 7
Venneke Marg. filia 5
Theodorus filius 2


 
Bokel

Bokel 1200 Boclo, 1250 Boklon genannt bedeutet Buchenwald. Dieser Name weist unzweideutig auf den früheren Waldbestand hin. Da der Boden von Bokel, im Süden etwa bis zur Straße Wißmühlen - Bokeler Mühle, fruchtbarer Lößboden ist, konnte dort die Buche gut gedeihen, so daß der Name Buchenwald gar nicht auffällig erscheint

1837 hatte Bokel-Wißmühlen 235 Einwohner, in der gleichen Zeit hatte Cappeln-Dingel 230 Bewohner.

1750 meldet der ziemlich selbstständige Vogt Schade für Bokel an: 6 Ganzerben, 3 Pferdekötter, 2 Brinkkötter, l Hußler.

Auch hier gilt, was ich schon bei Cappeln andeutete, bei den Ganzerben stimmt diese Klassifizierung, bei den andern wechselt sie im Laufe der Zeit.


Heuermann

Dieses Ganzerbe, heute noch 37 ha groß, hat eine bewegte Geschichte hinter sich. 1498 wohnte auf der Liftucht die Geßke Hoigernick und auf der Stelle Wernecke Hoigerinck. In dieser Form deutet der Name auf den altdeutschen Vornamen Hagihar (Herr des mit Dornen eingehegten Gehöftes) hin, davon entstanden die Koseformen, Hoier, Heuer, auch Hoiger u. Heiger; Hoigerdinck bedeutet also die „Sippe des Hoiger". 1535 heißt der Wehrfester schon Johan Hoigermann, 1545 Hoyelman, 1549 Hoyermann, der Name bleibt durch die nächsten 100 Jahre, um sich dann in Heuermann zu verwandeln.

Der Hof war eigenhörig an das Gut Schulenburg, von dem er sich 1850 freikaufte.

1545 besamt der Wehrfester der Stelle 12 Maltersaat Landes und hat 8 Pferde u. 27 Kopf Rindvieh und Schweine. Der 30-jährige Krieg brachte den Hof an den Rand des Verfalls, das Wohnhaus ist fort, im Backhause wohnte die Witwe mit einem Jungen, einem Knecht und einer Magd. Der Hof erholt sich aber bald wieder und geht einer neuen Blüte entgegen.

Bis 1830 erbt immer ein Sohn des Hofes. Auf der Stelle stand das größte Haus und Wirtschaftsgebäude der ganzen Gemeinde, ein ungemein wuchtiger Bau, in dem selbst der bekannte Quatmannshof Platz gefunden hätte. Leider fiel er dem Brande zum Opfer.

Ende des vorigen Jahrhunderts wurde er verkauft, die Namen wechselten, Langemeyer, Ellmann, Nordmann. Der alte schöne Name könnte wieder geholt werden. Vielleicht ist auch das Blut noch da.

Status animarum von 1703
Name Alter
Johan Heuerman pater fam. 58
Maria uxor 47
Dierich filius 32
Gesche Anna filia 19
Anna Maria filia 7
Chatarina Margreta  11
Jürgen filius 9
Otto Behrendt filius 8
Herme opilio 16
Johan Hindrich famulus 32
Chatarina Wolberg famula 32

Status animarum von 1703
Name Alter
Wessell Heuermann pater fam. 59
Gesche uxor 48
Johan Hendrich filius 16
Dierich filius 14
Wessel filius 8
Gesche Maria filia 19

Status animarum von 1703
Name Alter
in eadem domo (in demselben Haus)
Peter Meyer pater fam. 31
Petra Nella uxor 25
Anna Maria  filia 3/4


Meyer zu Bokel

Dieses Ganzerbe, 61 ha groß, wird später zu einem frankischen Meyerhof umgewandelt sein, es war hörig an das Kapital in Wildeshausen. Unterm Krummstab ist gut wohnen, das traf auch hier zu, nur 50 Gr. Waren an das Kapitel und 30 Gr. an die Dechanei zu entrichten. Das Amtshaus Vechta forderte jährlich 21/2  Taler Maischatt und 3 Taler 401/2 Gr. Herbstschatt, 4 Taler Dienstgeld, 6 Scheffel Hafer, dann musste der Hof die herrschaftliche Jagd nach Bedarf aufnehmen.

1460 ist „Bernd Meyger to Bocolo" Ratsherr der Kirche zu Cappeln, 1665 wird das Erbe betreut von der „ Meyerschen to Bokel" ihrer Tochter, (diese heiratet später einen Siemermann) und einen Knecht.

1732 heiratet die Catharina Walburg Meyer den Henricus Debring, der den Namen Meyer annimmt; der älteste Sohn Otto Heinrich heiratet die Maria Elisabeth Oesting, er stirbt 1769, da traut die Witwe 1780 den Wernerus Schürmann, ein Jahr später stirbt auch sie, und der Witwer geht eine zweite Ehe ein mit Maria Josepha Meyer aus Mintewede. Ein Sohn der letzten Ehe erbt später den Hof, also ist hier das Blut erloschen. Der Wehrfester nennt sich Schürmann genannt Meyer, später nur Schürmann. Im Güteradressbuch Bd. XI von Niekammer 1914 erscheint der Hof unter Schürmann, heute aber ist der Name Meyer wieder auf der Stelle, und das ist recht, Schürmann gibt es viele, aber nur einen „Meyer zu Bokel", das ist der alte schöne Name, welcher der Stelle anhaftet. Er möge bleiben. Vielleicht ist auch schon das alte Meyersche Blut wieder geflossen.

Status animarum von 1703
Name Alter
Johan Meyer pater fam. 55
Anna Gerdrut uxor 54
Otto Behrendt filius 35
Herme filius 30
Johan Hendrich filius 24
Wessel filius 18
Frerich filius 16
Anna Gerdrut filia 12
Gesche famula 19


Status animarum von 1703
Name Alter
Werncke Gehrman pater fam. 56
Gebbike uxor 52
Werncke filius 29
Kerstien filius 25
Anna filia 21

 Meyer-Bokel


Siemermann


Ein Ganzerbe, 93 ha groß, hörig auch an das Kapitel in Wildeshausen. Dieses Erbe entrichtete jährlich an den Gutsherrn 21/2 Malter Hafer, an den Vikar der 10 000 Märtyrer 18 Schillinge, ans Amtshaus 21/2 Taler Herbstschatt, an den Hausvogten 2 Taler Dienstgeld, dazu kam dann noch im Jahr eine Münsterfuhr.

Wernecke Symerdinck eröffnet 1498 den Reigen der nachweisbaren Wehrfester. Symerdinck ist eine „Sippe der Siemer", Siemer ist das altdeutsche Sigimar (siegberühmt). Bereits 1501 ist der schöne Name in Siemermann verhunzt, er liefert eine „Co" an das Amt.

Die plündernden Landsknechte rauben ihm 1538 unter anderen „enen nien degen", 2 Malter Korn und eine „exen". Im 30jährigen Kriege verlor er sein Haus, auch scheinen alle Bewohner drauf gegangen zu sein, um 1660 ist „grote Wessel" als Heuermann mit Pferden auf dem Hofe, er wohnt in der Leibzucht, die nur 2 Fack hat. In den etwas zurecht gestutzten Räumen des verfallenen Hofgebäudes haust der Trommelschläger Henrich Koddebreher, im Bauhause liegen zwei alte Weiber, Toppes geheißen, im Spieker fristet Dierks Trine ein kümmerliches Dasein. Aber der „grote Wessel" bringt den Hof wieder in die Höhe, das Blut läuft bis 1830 immer über die Mannesseite. Am 21 Juni 1836 errichten Georg Joh. Siemermann und Anna Margareta Nieske das neue wuchtige Hofgebäude. Heute Witwe Nieske und Kinder.

Der schöne Name Siemermann sollte auch hier wieder Ehren auferstehen.

Status animarum von 1703
Name Alter
Herme Siemerman pater fam. 48
Gesche uxor 36
Chatarina  filia 10
Anna Margarita filia 8
inquilina Anna pauper 44
Johan Hindrich famulus 26

Status animarum von 1703
Name Alter
Johan Rode pater fam. 64
Gesche uxor 50
Herme Behrendt filius 22
Johan Behrendt filus 18
Jürgen filius 14
Hempe filia (...sche) 24

Siemermann


Götting

Götting ist Sippe des Gotteke, Gotteke ist Koseform des schönen altdeutschen Vornamen Godeschalk oder Gottschalk (Gottesknecht). 1217 verleiht Bischof Adolf den Cappelern das Recht, sich den Pfarrer selbst wählen zu dürfen; unter den Zeugen erscheint auch ein Godescalus de Bocolo; von den andern Zeugen ist je einer aus Osterhausen, aus Tenstedt und Elsten.

1545 besamt Vasteke Gottinck 111/2  Maltesersaat Land, hat 10 Pferde, 27 Kopf Kühe und 30 Schweine, 18 Schafe und drei Immen. 1704 holt die Anna Götting als Stäbrut den Johannes Willenborg auf den Hof, deren Tochter Anna wird wieder Stäbrut, sie heiratet 1738 den Georg Siemermann, der 1746 mit dem Tode abgeht, als zweiter Mann kommt Wessel Schlotmann auf den Hof. Aus beiden Ehen stammen sieben Mädchen, die zweitjüngste, die Anna Maria wird Erbin und freit den Joseph Stüve von Endel. Alle diese aufheiratenden Ehemänner nehmen den Namen Götting an. Von jetzt an läuft das Blut immer über die Mannsseite.

Der Hof war eigenhörig an das Gut Dinklage, seit 1613 an das Gut Bakum. Die gutsherrlichen Gefälle bestanden in l Malter 8 Scheffel Roggen, ebenso viel Hafer, 4 Scheffel Schweinskorn, einem fetten Schwein, 3 Pfund Butter, 2 Hühnern. 60 Eiern, 8 Taler Dienstgeld und zwei Fuhren. 1850 kaufte der Hof sich frei.

Auf dem 91 ha großen Hofe befinden sich der schönen in Eichenholz geschnitzte Ahnensessel, hergestellt von Pancratz-Friesoythe, und der Hofbaum des Göttingschen Hofes, auf dem alle Personen, die auf Göttings Hofe nachweisbar gelebt haben, vermerkt sind.

Status animarum von 1703
Name Alter
Frerich Götting pater fam. 68
Wubbeke uxor 57
Anna filia 33
Talcke filia 26
Wubbeke filia 24
Maria filia 18
Gesche filia 30

Status animarum von 1703
Name Alter
Johan Hütteman pater fam. 80
Gesche uxor 73
Johan Frerich filius 28
Adolff Schütte junior pater fam. 30
Gesche uxor 26

 Götting


Henken, später Schade zu Bokel

Dieses Ganzerbe, heute 86 ha groß, hat sehr bewegte Zeiten hinter sich. 1465 am 12. April verkaufen die Gebrüder v. Dorgeloh das „Hencken erue unde Hus to Bocolo", das „Hencke unde sin wif' bebauen, an Evert Kobrinck für 62 Rhinsche Gulden mit dem Rechte des Rückkaufes. 1482 hat v. Dorgeloh es wieder im Besitz. 1498 ist Hencke Tebeken der Wehrfester, 1522 wird es" Hencken Diderickes hus" genannt. 1564 heiratet ein Rolfmeyers Sohn von Mintewede auf den Hof. Seine Schwiegermutter stirbt 1579. Die Leute des Hofes waren eigenhörig, also mußte das Mortuarium entrichtet werden. Hier verlangt die Gräfin v. Dorgeloh die Sachen in Natura, also liefern die jungen Eheleute an die Freifrau v. Dorgeloh ab das „Bett, die Kiste, den Schrein, die Kleider und die Hoyken" der verstorbenen Mutter.

1608 hat Hermann to Bokel noch fünf Pferde, 4 Milchkühe, 6 Rinder, 7 Schweine und 6 Schafe, also noch einen verhältnismäßig guten Bestand. An den Gutsherrn musste die Stelle liefern l 1/2 Malter Roggen, 3 Malter Hafer, l fettes Schwein, ein Achtel Butter (8 Pfund), 2 Hühner, 4 Enten, Hand- und Spanndienste nach Bedarf.

Der 30jährige Krieg brachte dieses Erbe herunter, die hohen Gefälle werden nicht entrichtet, sein, mit der Stelle ging es den Krebsgang. 1639 schickte der Landesherr in jede Gemeinde einen ihm geneigten Vogt, meistens einem münsterschen Militär, der in den Kriegswirren seien Strang zu ziehen hatte. Nach Cappeln aber kam ein Einheimischer, ein Adliger vom Hause Ihorst, Otto Schade, ein Sohn des Johann Henrich Schade und seiner nicht ebenbürtigen Frau Anna Kurwinkel. Letztere, seine Mutter ist am 9.2.1658 in Schlotmanns Hause in Tenstedt in luth. Religion gestorben, ihr Mann war schon am 11.4.1635 gestorben und in Damme in der Kirche beigesetzt.

Für Cappeln war es ein Glück, daß es den nicht ungewandten Otto Schade als Vogt erhielt, erstlich war er von Adel und hatte dort genügenden Einfluß, dann war er lutherischer Religion und als Glaubensgenosse bei den lutherischen Feinden immerhin erfolgreicher als jeder andere. Jedenfalls hat er sich wacker für seine Gemeinde eingesetzt, das hat sie auch anerkannt. Am 28.7.1652 schenkt sie ihm, seiner Frau und seinen Erben „wegen seiner dem Kirchspiel wie auch den Kirchdörfern bei Tag und Nacht unverdrossen bezeigten getreuen Diensten" einen Bauplatz, Garten, samt dazu nötigen Schullenmatt und Viehdrift für ewige Zeiten. In der Urkunde wird besonders vermerkt, dass er in den schlimmen Kriegsjahren bei allen Beschwerden das Seinige mit eingesetzt, Einquartierungen übernommen, in Geldnot und bei Kriegskontributionen durch seinen Kredit Gelder herbeigeschafft und so militärische Exekutionen vermieden habe.

1623 erließ der Gutsherr Johann v. Dorgelo seinen Eigenhörigen „Hermann to Bokel, Gerd to Sevelten und Suden to Tenstät" alle Abgaben „dewyle se leider nichts hebben beholden".

Im Mai 1647 kam der schwedische General Königsmark und belagerte Vechta; da brach eine schwere Zeit über das Land, Truppen rückten in Menge ein, Lieferungen über Lieferungen erfolgten, so viele und große, daß der Vogt Otto Schade sie nicht zusammenbringen konnte. Den Vögten drohten aber schwerste Strafen. Da blieb ihm nichts anderes übrig: Am 5. Mai 1647 abends packte er seine Frau und seine Kinder auf den Wagen und floh, am nächsten Morgen kamen sie in Friesoythe an, da gebar seine Frau ihm ein Söhnchen, das dort getauft wurde. Dann ging die Flucht weiter ins Ammerland, das damals neutral war. Am 27. Mai fiel Vechta nach heftiger Bestürmung in die Hand der Schweden. 1648 kam dann der Westfälische Friede zustande.

Die oben erwähnte „Eignerei" lag am Wege nach Tenstedt, sie erbte am 17.6.1836 Joh. Theod. Georg Schade, der aber unverheiratet blieb, so fiel diese Besitzung wieder an den Hof in Bokel.

Auf der alten Henken Stelle lebte 1651 nur noch „Dirichs Trine" mit ihrem Hausgesinde; das Haus selbst war in Flammen aufgegangen; ein kleiner Schuppen bot ihnen Unterkunft. Der Gutsherr wird schwerlich irgendwelche Gefälle hereinbekommen haben.

Da hat der Gutsherr die bisherigen Besitzer abgemeiert und die ganze Stelle mit allen Gerechtigkeiten an den Vogt Otto Schade am 4.8.1655 für 400 Taler (jeder Taler zu 2 Lot reinen Silbers!) verkauft; gleichzeitig wurde die Stelle auch, von allen Lasten dem Gutsherrn gegenüber freigekauft. Ein Jahr vorher hatte Otto Schade bereits auf der Stelle ein Wohnhaus wiedererbaut, heute das Viehhaus; im Torbogen steht: Fidenten nescit deruisse deus (Den Zuversichtlichen nicht geholfen zu haben, das kennt Gott nicht). Anno 1654 18 Novembrie Otto Schade Catharina Hoynges f.f. (feri fecerunt = haben es gebaut).

Die abgemeierte „Dirichs Trine" wandte sich an den Landesherrn, den Bischof von Münster, Christoph Bernhard v. Galen; dieser schrieb an den Gutsherrn Johann v. Dorgeloh; sie erhielt aber nichts von der Stelle wieder und wohnte nachher in Siemermanns Spieker.

Die Schaden stellten von 1639 - 1835 in fünf Generationen den Vögten für Cappeln, stellten Geistliche, Vögte, Förster und andere prominente Persönlichkeiten.

Die 86 ha große Stelle hat keinen festen Namen gehabt: Henken, Dirichs, Hermanns, Schaden, Werner Kokenge, das sind Namen, welchen die Stelle gehört hat. Die Stelle hat fast 300 Jahre lang eine ruhige wirtschaftliche Entwicklung gezeigt; möge sie auch im Namen Ruhe finden; da sollte ein Name (ob Henking oder Schade?) ein für alle Mal festgelegt werden.

Status animarum von 1703
Name Alter
Jürgen Schade Vogt pater fam. 49
Anna Müntzebrok uxor 39
Otto filius 19
Chatarina Wolberg filia 16
Herme filius 14
Johan Hendrich filius 15
Gerdrut filia 12
Maria Chatarina filia 10
Jürgen filius 7
Frantz Wilhelm filius 5
Rudolff filius 3
Hendirich famulus 28
Dierich Straetman famulus 24
Gretike famula 23


Ostendorf

Das 91 ha große Ganzerbe trägt seinen Namen von der Lage im Osten der Bauerschaft Bokel. 1460 ist Diderick to Ostendorpe Ratmann der Kirche zu Cappeln. 1538 rauben ihm die rohen Landsknechte „enen siden Speckes, noch en wagen, Bodderen , ahn kleder unde vel anderes for 28 1/2 Daler", etwas später andere Soldateska „negen schaepe, speck und anderes for 6 Daler", noch später ein dritter Trupp 20 Malter Hafer, Schafe usw. für 21 Taler.

Zweimal läuft das Blut über die Frauenseite, das letzte Mal heiratet Maria Helena Gertrud Ostendorf den Georg Quatmann; heute im Besitze von Quatmann-Darenkamp. Pächter waren Lamping von Dingel, der später Tepen Stelle erwarb, dann Josef Spille und jetzt Hannover, 1842 wurde die Stelle vom Gutsherrn (Gut Dinklage) frei verkauft.

Status animarum von 1703
Name Alter
Hindrich Ostendorf viduus pater fam. 62
Otto filius 28
Wilcke filius 26
Talcke filia 22
Wilcke filius 16
Jürgen Rolff filius 14
Werncke filius 11
Johan Hendrich filius 9
Herme filius 5

Status animarum von 1703
Name Alter
Herme Ostendorf pater fam. 59
Anna uxor 46
Wilke filius 20
Anna Margrete filia 11
Talcke filia 16
Elisabet filia 8

Status animarum von 1703
Name Alter
Hendrich Heßlenfelt pater fam. 48
Gesche uxor 30
Anna Margreta filia 10
Gesche filia 5


Alle sechs Ganzerbenstellen haben sich gehalten, sie liegen alle im fruchtbaren Lößgebiet. Nur bei zweien hatte auch der Name Bestand; der kann aber ja wiederkommen, besonders dann, wenn auch das Blut erhalten ist. Bei der Durcheinander-Heirat in den letzten 300 Jahren besteht hierfür nicht nur die Möglichkeit, nein die Wahrscheinlichkeit, die Aufstellung einer Ahnentafel wird es ja ans Licht bringen.


Weßjohann

Weßjohann wird 1750 als Pferdekötter bezeichnet; er liegt zwischen den Ganzerben Meyer und Götting und wird auf dem Brink eines dieser beiden Erben angelegt sein. Ein abgehender Sohn von Meyers Stelle wird diese Kötterei begründet haben.

1535 im Oktober erscheint im Wiedertäuferregister ein Gerdt to Bokel mit einer verhältnismäßig hohen Steuersumme; 1545 im Türkenregister hat er (Wessel to Bokel) 41/2  Maltersaat Land unter dem Pflug und 3 Pferde, 15 Kopf Rindvieh und 10 Schweine. Das ist ein sehr guter Anfang. Wenn man nun in Erwägung zieht, daß Götting 1545 an Land 111/2 Maltersaat, Meyer dagegen nur 8 Maltersaat Land bearbeitet, so liegt es nahe anzunehmen, daß dieser neue Kotten ein Abspliß vom Meyerhof ist. Auch war Weßjohann eigenhörig an das Kirchspiel in Wildeshausen, wie der Meyerhof auch. Er entrichtete aber im Jahre nur 2 Taler Dienstgeld an seinen Gutsherrn.

1594 heißt der Wehrfester Weßels Johan, und dieser Name bleibt und wird zu Weßjohann. Wessel ist entstanden aus Wezilo, einem deutschen Vornamen, der hier schon um 1000 vorkommt. Wezilo ist die Koseform von Widukind (Waldkind); Johann ist hebräisch und bedeutet Gnadenkind; Weßjohann ist also Wald und Gnadenkind.

1562 wird er eigener Kötter genannt, 1660 Brinksitter mit Pferden, 1664 Brinksitter ohne Pferde, 1665 Pferdekötter, 1669-1677 wieder Brinksitter mit Pferden und 1680 gemeiner Kötter.

Blut und Name haben sich auf der Stelle gehalten, und Caspar Anton Weßjohan begründet 1799 mit Anna Maria Averdam die 9. nachweisbare Generation.

Status animarum von 1703
Name Alter
Johan West pater fam. 89
Gebbike uxor 73
Johan West junior pater fam. 38
Anna Margrete uxor 33
Gesche filia 25
Werncke filia 22
Anna Margrete filia 6
Gesche filia 4


Holtemöller


In ganz Wißmühlen war weder ein Voll- noch ein Halberbe, also war es bis etwa 1400 vollends unbesiedelt; es war Markengrund; die ganze Lage spricht auch dafür.

Das Mahlen von Getreide war mit vielen Umständen verbunden, entweder mussten die Leute nach uralter Weise mit ihrer „Quern", einer Art Handmühle arbeiten, und das war mühsam, und es ging langsam, oder aber sie mussten zur nächstgelegenen Windmühle in Lohe oder Cloppenburg sich wenden. Eine eigene Mühle zu haben, bedeutete für alle einen Vorteil. So erlaubten die Markeninteressenten einem abgehenden Bauernsohn, hinter dem Bokeler Esch an der Bake im Holte eine Wassermühle anzulegen. Der Betrieb lohnte sich, von weit und breit kamen die Leute.

In der Hovetschattinge vom Jahre 1498 erscheinen ein Dyrick Holtemann und ein Tobe Holteman, wahrscheinlich wohnt der Erste schon auf der Leibzucht, der Zweite auf der Mühle. Letzterer nennt sich schon 1501 Tobe tor Wißmöllen, 1504 Tobe Holtemöller.

Hier kommt auch der Name Wißmöllen vor, er wird nichts anderes als Weißmühle bedeuten im Gegensatz zum Oelgemöller, die es ja auch mehrere gab. Später schrieb man häufiger Wischmühlen; da könnte man an Wiesenmühle (Mühle in den Wiesen) denken, aber der Name Holtemöller redet doch von Holzbestand. Die erste Deutung hat viel für sich, es gab eben ja einen Wißmöller, einen Görtmöller und einen Oelgemöller.

1562 ist Tobe tor Holtemollen ein freier Kötter, also nicht hörig an irgendeinen Gutsherrn. Aber das Amtshaus in Vechta forderte von ihm allerhand; den Leibdienst, 2 Taler Herbstschatt, jährlich zweimal bei Gras und bei Stroh (also in der Heu- und Garbenernte) einen ganzen Tag mit einem Spann Pferden dienen, dann die Gerichtshocken nach Vechta bringen. Das alles weist auf einen ziemlich umfangreichen Betrieb hin.

1660 Kötter, 1662 Brinksitter, dann immer Kötter oder Pferdekötter. Um 1590(?) heiratet ein Sohn von Ottenweß Stelle in Sevelten auf den Hof, 1735 ein Theodor Hake, 1790 ein Johann Friedrich Oesterling auf Holtemöller Stelle, alle, nehmen den Namen der Stelle an. Franz Joseph Holtemöller begründet 1828 die 13. Generation.

1910 wurde die ganze Stelle für 68000 Mark an Lamping und Blömer verkauft, heute Lamping.

Status animarum von 1703
Name Alter
Johan Holte Moller pater fam. 56
Gesche uxor 50
Johan filius 20
Triene Gesche filia 14
Talcke filia 12
Anna filia 8
Vencke filia 8

Status animarum von 1703
Name Alter
in Backhuß
Dierich Rode pater fam. 41
Anna uxor 35
Anna Gesche filia 16
inquilina Anna Margreta 20
Anna clauda 38

Status animarum von 1703
Name Alter
Leibzucht
Triencke vidua mater fam. 40
Anna Chatrine filia 15
Johan Frerich filius 13
Johan Hendrich filius 8
Herme filius 6


Wübke

Wübke war ein freier Pferdekötter. Der Anfang dieses Kottens liegt etwas im Dunkeln. Wahrscheinlich war der namhaft gemachte Wehrfester ein Wessel tor Wissmollen vom Jahre 1535, 1562 ist Henrich tor Wissmollen ein freier Brinksitter, 1608 heißt er Berendt tor Wissmollen, er hat 2 Pferde und drei Milchkühe. 1651 erscheint dann Geesche mit zwei Kindern Berndt und Gesina, Geßken Berndt, heiratet eine Wibbeke, er stirbt schon bald, seine Frau leitet den Betrieb, ein Kind der Gesina Wibbeke erbt später die Stelle.

Wibbeke, Wubbeke und Wübbeke isl die Koseform des schönen altdeutschen weiblichen Vornamens Walburgis oder Walburga (Beschützerin der Gefallenen); von dieser resoluten Frau wird die Stelle ihren Namen erhalten haben.

Das Blut scheint auf der Stelle erloschen zu sein, der Name blieb bis in die Neuzeit. 1803 heiratet eine Maria Catharina Holtemöller auf die Stelle. Eine Tochter dieser Eheleute erbte und traute den Johann Henrich Korfhage aus Sevelten, der seinen Namen nicht wechselte; auch dieser Name blieb nicht lange, er wurde Rolfmeyer und dann durch Meyer abgelöst; heute ist Borchers-Elsten Eigentümer der Stelle.

An das Amtshaus in Vechta war die Stelle verpflichtet, sie musste den Leibdienst leisten, 2 Taler 31 Gr. Herbstschatt und 2 Taler für den Torfdienst jährlich zahlen und mit Hermes die Gerichtshocken nach Vechta fahren.

An das Kapitel in Wildeshausen waren 14 Grote zu entrichten. Eine eigentümliche Abgabe. Vielleicht war der erste Gründer dieser Stelle ein vom Meyerhof abgehender Sohn, der Meyerhof war ja eigenhörig an da Kapitel in Wildeshausen.


Hermes

Hermes ist 1790 ein freier Brinkkötter; die Bezeichnung Brinkkötter dürfte nicht ganz zustimmen. Auf wessen Brink hat der erste Wehrfester denn gesiedelt? Als Brink bezeichnete man doch den um ein Voll- oder Halberbe liegenden Grasgrund; in Wißmühlen aber gab es keine alten Erbstellen. 1498 Hempe tor Wissmollen, 1535 Herman tor Wissmollen, der Name Hermann (Hermes) ist geblieben. 1562 ist er ein freier Kötter, 1594 ein gemeiner Kötter, 1660 ein Brinksitter mit Pferden, 1680 ein Pferdekötter.

An das Amtshaus in Vechta musste er den Leibdienst verrichten, 24 Gr. Herbstschatt und 2 Taler für den Torfdienst zahlen und mit Wübke zusammen die Gerichtshocken nach Vechta bringen.

1725 stirbt Hermanus Hermes, seine Witwe Lucia geb. Heukamp von Sevelten traut den Wessel Oesterling aus Tenstedt; dieser nimmt den Namen Hermes an, deren Tochter traut den Johann Henrich Haarmann, der sich ebenfalls später Hermes nennt. In letzter Zeit heiratet wieder ein Haarmann auf die Stelle, heute Upmoor.

Status animarum von 1703
Name Alter
Hilcke Hermeß vidua mater fam. 80
Herme filius 22
Johan filius 19
Talcke Veldam famula 20

Status animarum von 1703
Name Alter
inquilina Johan pater fam. 39
Joanna Elseben uxor 38
Maria filia 5


Bullermann

Auch Bullermann wird 1750 ein freier Brinkkötter genannt. Wenn diese Bezeichnung stimmt, wird er auf Meyerschen Brink sich zuerst angesiedelt haben und später ausgebaut sein. Bullermann war Frone (Burvaoget) von Bokel, er besorgte die laufenden Angelegenheiten der Bauerschaft. Hier sehen wir auch die Ursache der Gründung dieser neuen Stelle, die Bauerschaft wollte einen „Bauerschaftsbeamten" haben, der ihre Belange mitwahren half. Die sechs Markinteressenten (die sechs Ganzerben) werden einem abgehenden Bauernsohn erlaubt haben, in der Mark eine neue Feuerstelle anzulegen und als Gegenleistung gefordert haben, den Posten eines Bauerschaftsfronen zu übernehmen. Als Frone war er schattfrei, kommt also in den Schattregistern namentlich nicht vor. So kommt es, daß man dem Namen Bullermann erst 1580 begegnet, 1580 zahlt ein Henrich Bullermann l Schilling Knechte- oder Hodegeld. 1607 - 1609 heiße es „de Frone ist füg". Ab 1660 entrichtet auch er Steuern, aber nur die Quote eines Heuermanns, wird aber 1662 und 1669 Brinksitzer mit Pferden, 1680 gemeiner Kötter genannt.

Nach dem 30jährigen Kriege betreut Johann Bullermann die Stelle, sein Sohn heiratet Maria Gertrud Hake und seine Tochter Geseke freit auf Darenkamps Stelle, sein Enkel Otto Bernardus Bullermann übernimmt die Weldams Kötterei in Cappeln.

Otto Jörgen Joseph Bullermann traut im Februar 1819 die Maria Christina Stallmann von Drantum; ihr Mann stirbt schon nach 9 Monaten; die junge Witwe heiratet dann 1820 den Witwer Colonus Joseph Lampe und zieht zu ihm nach Cappeln. Der Bullermannsche Körten wird an Johann Heinrich Stenkamp aus Lage für 4110 Taler verkauft.

Später kam die Stelle an Ferdinand Quatmann - Elsten; Witwe Quatmann überließ dann die Stelle an Leo Reinke, dessen Großmutter eine Quatmann gewesen war.

Status animarum von 1703
Name Alter
Herme Bullermann pater fam. 71
Anna uxor 67
Johan Hendrich junior pater fam. 25
Maria uxor 26
Johan filius 1/2
Chatarina Maria filia 14

Status animarum von 1703
Name Alter
Werncke Meyer pater fam. 32
Maria uxor 28
Talcke seniora 58
Gerdrut filia 6
Peter filius 3


Menke

Menke, auch Mömken genannt, wird 1750 als Hußler bezeichnet, er war Untervogt für Wißmühlen und Bokel. An das Amtshaus in Vechta zahlt er 54 Gr. Herbstschatt.

1498 erscheint bereits eine Grete Mencke als Steuerzahler, 1608 hat Johann Memcken 3 Pferde, 6 Kühe und 2 Schweine. Herbord tor Wißmühlen traut um 1650 die Anna Memcke, und der Name Memcke und Mömke verbreitet sich über Bokel. Tenstedt und Schwede; ein Weldam heiratet auf die Stelle und nimmt den Stellennamen an; später erlischt der Name mehr und mehr, auch auf der Stelle, die heute im Lampingschen Besitz ist.

Wann der Holtemöller seinen Mahlbetrieb eingestellt hat, ergibt sich aus den vorliegenden Akten nicht. 1734 erhalten die Bokeler vom Landesherrn die Erlaubnis, in Bokel eine Windmühle zu erbauen. Träger dieser Idee war Zeller Meyer zu Bokel, er bekam die Mühle auch in Erbpacht. Meyer geriet in Geldschwierigkeiten und verkaufte Mühle und Erbpacht an den Rentmeister Driver in Vechta. Dieser gab sie einem Dumstorf in Erbpacht im Jahre 1777; nun wollte der Müller doch auch gern bei der Mühle wohnen. So erlaubten die Markinteressenten „Vogt Schade wegen Diederichs Erbe, Zeller Siemermann, Zeller Ostendorf, Zeller Meyer, Zeller Götting, Zeller Weßjohann, Zeller Bullermann, Zeller Wübken, Zeller Hermes, Untervogt Mömken und Zeller Hoyermann" (also alle sind Zeller, Holtemöller fehlt!) 1779 dem Dumstorf, auf Markengrund ein Haus zu erbauen, geben ihm dazu einen Markenplacken von 2 Scheffelsaat. Nach Drivers Tode erwarben die Mühle Rud. Werner in Emstek und Georg Götting in Bokel; auch das Erbpachtrecht und Wohnung mit Garten erstanden sie und Fr. H. Giese in Emstek und Jos. Vorwerk in Cappeln. Nachdem die andern nach und nach zurücktraten, blieb Götting Alleinbesitzer, er verkaufte sie 1894 an Hakmann.

Meyer, Schade, Siemermann, Weßjohann und Wübke mußten vor 100 und mehr Jahren an Gastwirt Meyer zu Cloppenburg einen Zehnten entrichten, abwechselnd den Roggen- und Haferzehnten. „Woher dieser Zehnte kommt, ist nicht bekannt", schreibt Pagenstert. Vier dieser Stellen waren abgabepflichtig an dem Kapital in Wildeshausen, so liegt es nahe, daß dieser einstmals eine Kapitelzehnte war, den dieses veräußert hat.

Status animarum von 1703
Name Alter
Kerstien Memicken pater fam. 50
Vencke uxor 38
Johan Behrendt filius 16
Anna Gesche filia 13
Behrendt senior 90

Status animarum von 1703
Name Alter
in Backhuß
Herbert Memiken pater fam. 54
Triencke uxor 50
Gesche filia 22
Gretike filia 18


Die Größenangaben nach Niekammers Güter - Adreßbücher Bd. XI1914



Tenstedt

1217, 1320 und später „Tenstede" genannt, erst in jüngerer Zeit hat sich das Wort „Tenstedt" gebildet: Die Deutung des Namens ist nicht leicht, das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Tenstede als Zehnstätte zu deuten, verbietet nicht die Wortbildung, wohl aber die Tatsache, daß alle Bauerschaften „Zehntstätten" waren, das Wort also gar kein Unterscheidungsmerkmal an sich hatte.

In den Ortsnamen Tenberge, Tenbrink, Tenbrock, Tenbusch, Tenkate, Tendahl, Tendyk, Tenelsen, Tenhagen und ähnlichen hat das „ten" die Bedeutung von „zu dem, zu den, zu der". Tenstede würde also „zu der Stätte" bedeuten. Auch diese Deutung scheint mir abwegig zu sein; sie passt schon zu einem Hof, zu einer Stätte, kaum aber zu einer großen Ortschaft.

Nimmt man die Bedeutung Tenstedt = zehn Stätten, so stößt man auf zwei Schwierigkeiten. Tenstedt hatte 4 Ganz- und 5 Halberben, das sind neun und nicht zehn Stätten. Möglich wäre es, daß die beiden Kötterstellen haben und Stratman, die mitten im Dorfe Hegen, früher eine Halberbenstelle gewesen wären, dann wären es zehn Stätten. Aus den Akten geht eine solche Teilung nicht hervor. Dann aber müsste es nicht Tenstede, sondern Tensteden heißen.

1919 war es, da schrieb die Gemeinde Tennstedt in der Provinz Sachsen (sie hatte etwa 3000 Einwohner) an den „Pfarrer von Tenstedt in Oldenburg" und bat, ihr mitzuteilen, was der Name Tenstedt bedeute; sie fände für den Namen keine Deutung.

Die Bauerschaft Tenstedt liegt fast ganz im fruchtbaren Lößgebiet, ist mithin auch für Obst- und Gemüseanbau sehr geeignet. Stellenweise, besonders nach Nordosten hin, ist der Grund stark anlehmig.

1837 wohnen von den 1314 Einwohnern der Gemeinde 400 in Tenstedt, Osterhusen, Darenkamp und Schwede ausgeschlossen.

Eine Kapelle wie Sevelten und Elsten hat Tenstedt wohl nie gehabt, lagen doch die Bauernhöfe nur 2-3 Kilometer von der Cappelner Kirche entfernt. Aber ein Oratorium (Bethaus) wird 1613 genannt; wo hat es gelegen? Ist die Fronleichnamsklause, Grote gegenüber, die Nachfolgerin dieses Bethauses? Alte und gebrechliche Leute konnten ihre Osterbeichte in diesem Oratorium ablegen.

Bereits 1669 war in Tenstedt eine so genannte Winkelschule; die Bauern suchten sich eine geeignete Person, die zu lesen, und zu schreiben verstand und stellte diese für den Winter als Lehrer an. Später schaltete sich der Pfarrer ein und sorgte dafür, daß gute Lehrkräfte Anstellung fanden. 1721 ist noch kein Schulhaus da, dagegen unterrichtete 1772 der Lehrer Johan Suden (von Sudings Stelle) die Kinder in dem Schulgebäude, das der Bauerschaft gehört; er bekommt pro Kind 22 Grote, zu Weihnachten eine Gänsebrust und zu Fatsnacht 12 Eier von jedem Kinde. Der Lehrer Suden konnte auch etwas rechnen. 12 Jahre später besucht Overberg die Schule, er schreibt: „Im brauchbaren Schulgebäude unterrichtet der Heuermann Johann Suden im Winter die Kinder, meist sind es 27. Fleiß und Aufführung des Lehrers größer als mittelmäßig, sein Fleiß und seine Aufführung werden gerühmt. In Religion waren die Kinder sehr gut unterrichtet." 1834 hat der Lehrer Johann Joseph Suden keine Dienstwohnung, seinen Markplacken von zwei Malter 4 1/2 Scheffelsaat, einen Moorplacken von 9 Scheffelsaat 8 2/3 Kannen und eine ebenso große Wiese. Von jedem Schulneuling erhielt er 4 Grote Eingangsgeld, dann 18 Grote Schulgeld, zu Neujahr eine Mettwurst oder 6 Grote und zu Ostern 12 Eier oder 4 Grote. Bei 66 Kindern und 19 3/4 Taler sonstiger Einnahmen machte das im Jahre 50 Taler 54 Grote. Das war für die Schularbeit von Michaelis bis Ostern, also nur für die Winterzeit berechnet. Im Sommer war der Lehrer als Landwirt, Hollandgänger, Handwerker oder sonst beschäftigt. Diese 50 Taler, in Sachwerte umgerechnet, boten eine annehmbare Beihilfe.

Schulzwang bestand nicht; so versteht man es auch, daß 1784 nur 27 Kinder die Schule besuchen; in den Jahren 1770/78 waren in Tenstedt rund 100 Kinder geboren (genau 99), das 1772 war ein Epidemiejahr, es starben in dem Jahre mehr Kinder unter 14 Jahren, als das Jahr Geburten aufzuweisen hatte; von den 99 Kindern sind 29 vor 14 Jahren gestorben, so bleiben 70 schulpflichtige Kinder, von diesen besuchen nur 27 die Schule. Das sind rund 38 % ; das war noch ein guter Satz; anderswo zählte man weniger, viel weniger. Nun standen die Schulen in der Gemeinde Cappeln im guten Rufe, das Prädikat „Sehr gut" hat Overberg nur wenigen Schulen gegeben, irre ich nicht, nur viermal.

Wechselvoll ist die Geschichte des Tenstedter Fruchtzehntens. Dieser Zehnte einer großen Bauerschaft mit fruchtbarem Eschboden bildete eine gute Einnahme. Ursprünglich war dieser Zehnte für die Cappelner Kirche bestimmt. Schon früher ist er leider an die Adligen verkauft worden. 1442 besitzen ihn die Adligen Borries von Südholte und die v. Lutten ein jeder zur Hälfte. Borries schenkte seine Hälfte seiner Tochter, sie war Nonne im Kloster zu Blankenburg bei Oldenburg. Der Adlige stiftete damit eine Memorie (Jahresgedächtismesse) für sich, seine Frau und seine Eltern. Die Nonne behielt die Hälfte für sich, die andere Hälfte schenkte sie ihren Mitschwestern, die dafür die Memorie mittätigen halfen. Also nicht das Kloster, nein, die Nonne Lucke war Besitzerin dieses Zehntens, sie bestimmte auch im Falle ihres Ablebens die Nachfolgerin. Bestimmt war auch, daß im Falle eines Verkaufes dieses Zehntens die beiden Adeligen Vorkaufsrecht hatten. Die Pflicht der Memorie aber blieb auch dann bestehen. Sollte das Kloster aufgehoben werden, fällt der Zehnte an die Adeligen zurück.

Fast hundert Jahre hatte die Sache gut gelaufen, dann entstanden Reibereien. 1530 werden sie dahin geschlichtet: Zwei Jahre erhebt Lutten den ganzen Zehnten, dann zwei Jahre das Kloster Blankenburg. So sehen beide Partner, was der Zehnte einbringt. Dann pachten die von Lutten den ganzen Zehnten und führen das halbe Geld an das Kloster Blankenburg ab.

Auch das gefiel nicht, und 1536 wird die Sache gedeichselt: Die v. Lutten fuhren an den Klostermeier vom Kloster Blankenburg, Klostermann in Döllen, abwechselnd das eine Jahr 16 Malter Roggen, das andere Jahr 24 Malter Hafer ab; diese Quote wurde 1557 in 12 und 20 Malter abgeändert.

War dieser Zehnte ein Grund mit, daß der Oldenburger Graf Anton I. das Kloster Blankenburg nicht säkularisierte? In diesem Falle wäre ja der Zehnte an die v. Lutten ohne Entschädigung zurückgefallen. Später haben die v. Lutten den Zehnten ganz erworben, sie hatten ja Vorkaufsrecht. 1794 haben dann die Tenstedter ihren Zehnten für 14000 Taler aufgekauft, sie konnten die hohe Summe aber nicht zusammenbringen und machten den Kauf rückgängig. Der Lether Adelige v. der Decken, der das Gut Schwede kaufte, erwarb nun auch diesen Zehnten für 15000 Taler. Als dann v. Frydag das Gut Schwede erstand, verzichtete er auf den Zehnten, wahrscheinlich war ihm der Preis zu hoch. Postmeister Meier von Bohmte erstand den Zehnten für 23420 Taler. Bei der Zehntziehung aber kam es Jahr für Jahr zu allerhand Reibereien, der Geist des Jahres 1848 ging um. 1851 konnten die Tenstedter ihren Zehnten für 9000 Taler freikaufen. Der erste oldenburgische Landtag 1848 bestimmte, daß solche Zehnten mit dem 16fachen Betrag des Wertes des Durchschnittsertrages der letzten 30 Jahre abgelöst werden könne. Die Verhandlungen verliefen langsam, der Postmeister hoffte natürlich, seine gezahlten 23420 Taler wieder dabei herauszubekommen. Es wurden nur 9000 Taler. Und der Satz war noch hoch.

Pagenstert zählt für 1750 in Tenstedt auf: 4 Ganzerbstellen, 5 Halberbstellen, 4 Pferdekötter, l Hußler.


Backhaus

Das Ganzerbe Backhaus, heute 60 ha groß, war eigenhörig an die Probstei in Wildeshausen; die jährlichen Gefälle betrugen 35 Scheffel Roggen, das sind 1330 Pfund.

Auch in Schwichteler gab es eine Sippe Backhaus. Der Name wird in früherer Zeit geschrieben Bachus, (Bac - hus), Bakhus, Backhuß und ähnlich. Jeder Bauernhof hatte früher ein „Backhus", in dem das Brot für den Hof gebacken wurde. Danach kann die Familie ihren Namen nicht bekommen haben, so ein „Backhus" hatte ja jede Stelle. Dem Familiennamen Backhus liegt eher der altdeutsche Vorname „Backe" zugrunde; Backe ist die Koseform all der Namen, die mit „Bald .... „ und „Bad..." gebildet sind: Badwin, Badobert, Baldmann, Balder, Baldomer und andere. Dann würde Backhus bedeuten „Haus des Backe", wie ja auch „Bakhem" (Bakum) als „Heim des Backe", gedeutet werden muß. Die Weiterleitung zu „Backs", wie man im Volke allgemein sagt, ist dann folgerichtig; wo man das Brot=Backhus doch als Backes (Bak = kes ) bezeichnet.

In der Urkunde vom 15. Dezember 1217, in der Bischof Adolf von Osnabrück den Cappelnern das Recht, den Pfarrer frei zu wählen und zu präsentieren, bestätigt, erscheint als Zeuge „Werenbertus de Tenstede", er dürfte von dieser Stelle stammen.

1498 heißt der Wehrfester der Stelle Wernecke ton Bachus, 1545 hat Jütte ton Bachuß 5 „moltzaeth" Land unter dem Pfluge, hat 6 Pferde, 22 Stück Rindvieh, 20 Schweine, 60 Schafe und 2 Immen. Durch den unheilvollen Krieg kommt die Stelle ziemlich gut hindurch.

Das Blut läuft immer über die Mannsseite, und 1806 begründet Wilhelm Joseph Peter Backhueß mit seiner ihm angetrauten Maria Anna Einhaus die 13. nachweisbare Generation.

Status animarum von 1703
Name Alter
Herme Backhuß 51
Anna uxor 42
Herme filius 12
Dierich filius 9
Frerich filius 7
Berendt filius 6
Gerhardt opilio 16

Status animarum von 1703
Name Alter
Casparus von Vestrup pater fam. 33
Margreta uxor 36

Status animarum von 1703
Name Alter
Rolff Backhuß pater fam. 69
Triencke uxor 80
Dierich junior 40
Gesche uxor 32

Backhaus
   
Oesterling

Das 68 ha große Ganzerbe Oesterling war eigenhörig nach Schwede, ist aber schon von dem letzten v. Milckau, etwa 1790, zum Freikaufe zugelassen; der junge Adlige brauchte Geld.

Der Name Oestling ist eine Missbildung,. 1498 zahlt Geseke tor Osterende für 5 Personen die Hovetschattinge (Kopfsteuer). Also der Hof lag auf dem Osterende, im östlichen Teile der Bauerschaft. Und das stimmt ja auch. An Namensformen kommen dann noch vor Ostenende, Oisterende, Osterenne, ab 1660 dann Osterding, Oisterdinck, Oisterrink, später Oesterling. Die patronymische Endung ... ing und ...ink bedeutet Sippe, diese Endung wird sinngemäß nur an altdeutsche Vornamen angehängt; hier ist sie an eine Örtlichkeit geklebt von einem unkundigen Geiste. Einen vernünftigen Sinn gibt das ja auch nicht.

1534 war Johan Osterende mit Niemann und Schlotmann einer der Anführer bei den Bauernunruhen, von „offiziellen" Handlungen aber wahrte er sich, so kam er mit dem Leben davon.

1538 meldet Johan Osterende an, daß Jürgen van Holle ihm 3 Fuder Garben, 6 Scheffel Wittkora, einen neuen Rock, eine Beddebüren, eine Plaggensegede, einen Schnat geraubt hätten, wofür er 5 1/2 Daler Schadenersatz anmeldet. Der Kaiserliche Oberst Moritz von Fresenborg nahm ihm noch 9 Scheffel Hafer für l Taler.

1535 hat sich von der Stelle ein Abspliß gebildet, den ein Gerdt tor Osterende bewohnt, er hat 1545 10 Scheffelsaat Land und auch 13 Stück Großvieh. Ob das die Leibzucht und später wieder eingezogen ist, ob die Neugründung eine der späteren Kötterstellen ist, das ergibt sich nicht.

Auch diese Stelle kommt durch den 30jährigen Krieg gut hindurch, sie hat sogar zwei Heuerstellen, von denen die eine allerdings keine Steuer entrichtete.

Das vorletzte Haus hatte einen „Körnbäönen", (Kornspeicher) im Achterhaus, und dieser hatte an der Giebelwand zwei kleine Bleifenster. Darin waren gebrannte Buntscheiben, zwei von ihnen sind noch vorhanden, die eine zeigt einen, geharnischten Reiter mit Mantelüberwurf als Inschrift:"Johan Friederich Osterling bin ich Genandt mein Glück stehet In Gottes Handt. Frisch Frohlich undt Fromm ist mein beste Reichtum, 1707" Die zweite Scheibe ist leider zerbrochen, ist aber ähnlich gestaltet, statt des Braunen ein Schimmel und an Text: „Wessel Osterling Bin ich genandt mein glück (ist? stehet?) In Gottes Handt eine Frische ?? und ein Reine Handt die mach ?? Wandern mit Ehren Durch alle Landt. 1707". Johan Friederich Osterling, geboren 1683, heiratete 1710 die Johan Elisabeth Maria Thoelen aus Sevelten und setzte den Stamm auf dem Hofe seines Vaters fort. Sein Bruder Wessel, 1685 geboren, heiratete die Lucia Hermes, wohl aus Bartmannsholte, die Familie zieht aus Tenstedt fort.

Das Blut ist auf der Stelle erhalten, läuft aber zweimal über die Frauenseite. 1865 traut Josephine Caroline Meyer sive Oesterding, Tochter der Eheleute Otto Joseph Meyer/Carolina Oesteling den Georg Henrich Götting von Göttings Stelle in Bokel. Damit kommt der Name Götting auf die Stelle, er ist beblieben, wenigsten amtlich. Hier die Falschbildung „Oesterling" wiederholen, ist nicht ratsam. Will man den alten Namen der Stelle wiedergeben, dann vielleicht „Oster" oder „Osterhof'. Der erste Name wäre der bessere, Oster ist der Mann, der im Osten wohnt.

Status animarum von 1703
Name Alter
Borchert Oisterling pater fam. 70
Anna uxor 50
Johan Frerich filius 24
Borchert filius 18
Wessell filius 15
Behrendt filius 13
Dierich Hendrich filius 12
Gerhardus filius 10
Christina filia 7
Chatarina filia 5
Elsche ancilla 21

Status animarum von 1703
Name Alter
Dierich Oisterling 60
Lucke uxor 46
Dierich filius 19
Chatarina filia 16
Lücke filia 14

Oesterling


Niemann

Das Ganzerbe Niemann, 66 ha groß, war eigenhörig nach Schwede und später nach Lethe, ist aber wohl schon bald nachher freigekauft.

Der Name weist darauf hin, daß das alte Geschlecht ausgestorben oder abgemeiert ist, auf die Stelle kam der „nie Man", der Niemann. Wann das geschehen ist, das geht aus den Akten nicht hervor.

1498 wohnt Wobbeke Nigermanß auf der Leibzucht, auf der Stelle der Wehrfester Johan Nigeman, der für 5 Köpfe Steuer entrichtet. Henrich Nigeman, wohl der Bruder von Johan, scheint eine neue Feuerstelle begründet zu haben, die 1545 schon 3 Maltersaat Land besamt und 36 Kopf Großvieh besitzt. 1562 wird die Stelle ein „freier Kotten" benannt. Später hört man von der Stelle nichts mehr.

Dieser Johan Nigeman war in den Bauernunruhen des Münsterlandes der leitende Geist, er war durch und durch Politiker und stand auf dem Standpunkte: „Außerhalb des Amtes brauchen unsere Bauern keinen Schanzarbeiten zu machen!" In Friedenszeiten war das so, aber der Landesherr und Bischof Franz von Waldeck lag schwer im Kampfe mit den Wiedertäufern, er belagerte Münster, und da mussten schwere Schanzgräben geworfen werden. Zudem befürchtete der Bischof, daß die Bauernkriege, die in Mitteldeutschland 1525 gedämpft waren, hier wieder aufflammen könnten. Wo nun die Bauern eventuell Gewalt gegen Gewalt anwenden wollten, wo sie dem Landesherrn den Gehorsam verweigerten, da artete die Sache in Landesfriedensbruch aus. Das wusste Niemann auch ganz gut, darum hielt er sich, so gut er konnte, im Hintergrund. Als nun die münstersche Hahnenfedern über Elsten und Cappeln hereinschwirrten, konnte Niemann, so erzählt man, im letzten Moment noch im Schilf des großen Schlotes sich verstecken. Als es dann gegen Abend stiller wurde, entkam er zu Ammerlande, also zum neutralen Auslande. Die drei Verhörten und später Hingerichteten erklärten aber mit vollem Unwillen: „Dat Johan Nieman de Hovetsake unde de erste raidt unde angever däß uprors zy unde sich darvan gedreigget."

Mit der Stelle aber ging es den Kebsgang, besonders nach dem 30jährigen Kriege; von 1669 bis 1677 heißt es immer wieder „ppr, ob ten., ob ppt." (arm, wegen Armseligkeit, wegen Armut), Steuern werden nur teilweise oder nicht bezahlt.

Dann erholte sich die Stelle. 1789 heiratet die Stäbrut Anna Maria Niemann den Otto Henrich Haglage, sie sind die Erbauer des jetzigen alten Bauernhausees; deren Tochter freit 1825 den Johann Heinrich Simermann aus Bokel; also Niemann Blut rollt noch auf der Stelle, die ab 1800 einer Blütezeit entgegenging. Möge auch der alte Name wiederkommen.

Status animarum von 1703
Name Alter
Wernke Niemann pater fam. 47
Anna uxor 37
Wessell filius 37
Werncke filius 9
Stiencke filia 20
Anna Christina filia 6
Dierich famulus 20
Margreta famula 19
inquilinus Werncke 46
Anna soror 56

Status animarum von 1703
Name Alter
Johan Oisterling pater fam. 59
Maria uxor 40
Frerich filius 18
Philip filius 14
Johan Hendrich filius 7

Niemann

   
Bohmann

Das Ganzerbe Bohmann, heute 63 ha groß, war eigenhörig an Gut Lage. An Namensformen kommen vor: to Bornen (1498), thon bouwen (1562), Bouwmann, (1568), Bomann (1594) und Bohmann (1669). Bei "to bomen" an „zu den Bäumen" zu denken, liegt nahe. Bäume heißt altsächsisch „bomen". Aber, wo doch bei jedem Hof Bäume in Menge standen, bilden sie doch kein Unterscheidungsmerkmal. Ob das „Bouwen" auf „baowen" (oben) hinweist? Wir hätten dann in Tenstedt ein „osterende" (Oesterling), ein „sudende" (Suding) und ein „bowenede" (Bohmann). Der Lage nach könnte es stimmen.

1498 ist Werneke to bomen der Wehrfester der Stelle; durch den 30jährigen Krieg kam die Stelle nur schlecht hindurch, viele Kinder, der Mann starb, die Witwe lebte als „conductrix" (Heuermann) auf. Der Stelle, sie hatte also die Stelle nicht gewonnen, weil sie eben den hohen Gewinn nicht zahlen konnte. Das Jahr 1674 bringt in der Steuerliste ein „vacat", also die Stelle ist gar nicht besetzt, das Haus verbrannt. Nur ganz allmählich geht es mit der Stelle aufwärts, vollends erholt hat sie sich nicht. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts werden Johann Dirk Bohmann natus Janssen/Anna Maria Haben als Wehrfester der Stelle angesprochen. Die sechs Kinder führen alle den Namen Bohmann, zunächst, weil sie auf Bohmanns Stelle geboren waren, dann aber auch, weil die Mutter des Johann Dirk Janssen eine Maria Bohmann war.

Ob die Familie nicht gut wirtschaftete, so daß die Gefälle beim Gutsherrn nicht hereinkamen, ob sonst ein Grund vorlag, die Familie wurde vom Gutsherrn abgemeiert, sie zog ins Heuerhaus.

1828 wird Herm. Henrich Jost, Sohn der Eheleute Zellers Herman Henrich Jost/Christina Meyer von der Weihe bei Bakum „possessor praedii Bohmann (Besitzer des Hofes Bohmann) genannt; er heiratet die Maria Haglage condicta Niemann aus Tenstedt. Von nun an geht die Stelle einer neuen Blüte entgegen.

Auf den ersten Blick scheint es, daß das Blut auf der Stelle erloschen ist. Wenn man aber die Ahnentafeln der Wehrfester ab 1828 aufstellt, ich glaube sicher, man stößt auf Bohmannsches Blut. Auf alle Fälle müsste der alte schöne Name wiederkommen.

Die Zuordnung der nachstehenden Familien ist unklar,
da es in Tenstedt zwei Höfe mit dem Namen "Bohmann" gab.

Status animarum von 1703
Name Alter
Werncke Bohman pater fam. 54
Elsche uxor 42
Vencke filia 18

Status animarum von 1703
Name Alter
Gerdt Bohmann viduus pater fam. 70
Rolff filius 37
Hendrich filius 34
Lucke famula 50
Talcke famula 21
Anna Rodthuß seniora 71

Status animarum von 1703
Name Alter
Johan Hindrich Boman pater fam. 35
Anna uxor 35
Johan filius 6
Lucke famula 17
Wubke filia 4
Anna filia 3


Schlotmann

Das Schlotmannsche Halberbe, heute etwa 60 ha groß, war Münstersches Lehen; als solches kommt es schon 1467 als „hus on Slode"vor. Der Name weist auf den großen „Schlot" (Schlatt, sumpfiger Teich, Paul) hin, der neben dem Hause lag, in den sich der Niemann vor seinen Häschern versteckte.

Die Stelle war eigenhörig an Hilmar von Lutten auf Daren, später an Füchtel. Am 1. Oktober 1686 sind vermerkt: „l Molt 8 Scheffel Roggen, ebensoviel Hafer, ein fettes Schwein oder 4 Taler., Flachsdienst oder 24 Grote, 60 Eier und 2 Hühner müssen als Gefälle geliefert werden. Das Haus Schlotmann von geringer Importanz (Bedeutung) wie ein Augenschein aufweisen konnte." Ungefähr 100 Jahre später werden dieselben Gefälle verzeichnet, dann kommen noch hinzu: „Drittelhalb" Reichstaler Dienstgeld, ein Eggendienst mit Pferden oder auch mit der Hand, so oft er bestellt wird, sofort zu leisten, oder dafür Dienstgeld zahlen, was jedoch in des Gutsherrn Belieben steht, alles nach dem Heuerkontrakt, auch Zehnten fahren und andere weite Fuhren, auch muß er die Jagd halten."

1498 ist Wichmann ton Slote auf der Stelle. 1545 hat Mencke thon Slote 3 1/2  Maltersaat Land unter dem Pfluge und 19 Stück Großvieh. 1660 ist vidua Schlotmann als Heuermann auf der Stelle, die am Boden liegt. Ein „ten cond." (tenuis conditionis - Armseligkeit) drückt immer wieder die Steuer, 1669 ist sie „vnuermogend" (unvermögend) und zahlt keine Steuer. Dann wird der Sohn miles, eques (Kavallerist) in Cloppenburg, das war meistens der letzte Anker, wenn alles andere nicht mehr ging.

Nach 1700 hebt sich die Stelle wieder, abgehende Söhne freien auf andere Bauernstellen oder begründen neue Feuerstellen, auch die Schlotmanns in Bakum und Langförden kommen ursprünglich von der Stelle in Tenstedt. Die Kriege um 1800, besonders aber die Flaute nach diesen Kriegen, brachten die Stelle herunter. Heute Mähmann.

Status animarum von 1703
Name Alter
Lübbe Schlootman pater fam. 62
Talcke uxor 50
Johan Hendrich junior pater fam. 31
Gretike uxor 30
Dierich filius 24
Otto filius 20
Rolff Lübbe filius 18
Christina filia 26
Wessell filius 16

Schlotmann


Lübbe

Das Halberbe Lübbe, heute 57 ha groß, war eigenhörig an das Gut Dinklage, 1850 hat es sich freigekauft.

1498 erscheint ein Gerd van Vesebüren im Schattregister, er zahlt für 2 Mann eine Kopfsteuer, hat also in Tenstedt eine eigene Besitzung. Ob er der Wehrfester dieser Stelle ist, lässt sich mit Sicherheit nicht feststellen. Der Gerd van Vesebüren ist aber sonst nicht unterzubringen. Lübbe Wilcknick entrichtet, 1535 die Wiedertäufersteuer, er sitzt auf dieser Stelle. Seinem Sohne, dem Arendt Wilcknick, rauben die Oldenburger 1538 einen neuen Rock, 4 Taler bar Geld, der kaiserliche Oberst setzt dann diese Räubereien fort und lässt 2 Molt Wittkorn und 2 Taler bar Geld mitgehen, Jürgen van Holle nimmt noch 5 Molt Wittkorn, Wanth und für l Taler „Reskup". 1537 hatte der Wehrfester 7 Pferde, l Füllen, 4 Ochsen, 7 Kühe, 7 Schweine über und 5 Schweine unter einem Jahre, 42 Schafe und 2 Immen. Das alles lässt auf einen guten Betrieb schließen; er wird auch Bauer gewesen sein, die vielen Malter Wittkorn (Gerste) weisen daraufhin.

Der große Krieg brachte die Stelle an ihren Ruin, die Witwe des Henrich Lübbe zwar noch im Backhaus, das Wohnhaus ist vor vielen Jahren abgebrannt und konnte noch nicht wieder errichtet werden. 1676 und 1677 steht hinter ihrem Namen" ppr", Steuer wird nicht bezahlt.

1705 heiratet Johann Henrich Lübbe die Catharina Gesina Holtemöller, mit der Stelle geht es merklich aufwärts. Deren Sohn hat sieben Kinder, Gerd Henrich erbt die Stelle, hat aber nur zwei Kinder, die jung sterben. Sein Bruder Johan Henrich freite auf Backhaus Stelle in Schwichteler, seine Tochter Anna Maria Elisabeth, 1791 geboren, erbt nun die Lübben-Stelle und heiratet Franz Josef Drue von Drüen Stelle in Deindrup, er nennt sich Drühe condictus Lübbe. Also ist das Blut erloschen, möge auch der Name Lübbe wiederkommen.
Heute Drühe.

Lübbe ist die Koseform von den altdeutschen Vornamen Ludbertus, und bedeutet, „berühmtes Volk".

Status animarum von 1703
Name Alter
Herme Lubben pater fam. 60
Vencke uxor 58
Hendrich filius 37
Talcke filia 25
Maria Lubben filia 16
Antonius von Vestrupf opilio 20

Ob die beiden nachfolgenden Familien zum Hof Lübbe gehören
scheint fraglich (Zuordnung fehlt).
Status animarum von 1703
Name Alter
Herme Haakman pater fam. 57
Hilcke uxor 52
Herme filius 14
Anna Chatrina 12

Status animarum von 1703
Name Alter
Ernest Bencken Dorff pater fam. 57
Gertrudt uxor (lutherana) 43
Christoffer filius 16
Gertrudt filia 14
Hellena filia 12
Margarita filia 9


Weßling

Dies Halberbe war 1578 eigenhörig an Johan van Südholte, ist aber 1763 schon frei.

1498 ist Hinnerk Wesselinck auf der Stelle, sein Sohn, auch Hinnerk geheißen, hat 1537 19 Kopf Großvieh, besamt 1545 4 Malter Eschland. Auch diese Stelle kam schlecht durch den 30jährigen Krieg, hat aber 1669 schon wieder 3 Pferde und 4 Kühe; dann aber geht sie wieder zurück, „pet,prpt.D" (petit propter Deum = bittet um Gottes willen) um Steuerlass, so heißt es 1674.

1698 heiratet Arend Dwerdelkate aus Dinklage die Stäbrud auf der Stelle, von den Kindern scheint Johannes jung gestorben zu sein, die Margaretha freit auf Schürmanns Stelle in Sevelten, in Tenstedt erben Hermann Henrich Götting Condictus Weßling/Bernardina Haglage. Deren Enkel Bernd Henrich Weßling traut 1813 die Regina Wilhelmina Rolfes, er stirbt 1818 mit Hinterlassung von 2 Kindern; die Witwe geht eine zweite Ehe ein mit Otto Bernd Haglage, der sich Haglage condictus Weßling nennt. Heute Jost-Weßling.

Weßling bedeutet die „Sippe des Widukind", der Name muß bleiben, wenn auch das Blut erloschen zu sein scheint.

Status animarum von 1703
Name Alter
Arendt Wesslingh pater fam. 50
Gesche uxor 44
Johan Jürgen filius 10
Margreta filia 12

Status animarum von 1703
Name Alter
Hendrich Wessling pater fam. 40
Talcke uxor 37
inquilina Anna Wessling 31

Ob die beiden nachfolgenden Familien zum Hof Wessling gehören
scheint fraglich (Zuordnung fehlt).

Status animarum von 1703
Name Alter
Johan Niemann pater fam. 40
Anna uoxr 33
Anna Christina filia 5

Status animarum von 1703
Name Alter
Claudi Grevellier pater fam. 62
Anna uxor 50
Johan Jürgen filius 18
Maria Elisabeth filia 14
Anna Gerdrut filia 12
Anna Dorothia filia 10

Jost-Weßling


Gerdhabing

Dieses Halberbe war eigenhörig an das Gut Altenoythe und kam mit diesem Gute später an Daren.

1498 Lampe Habeckinck, 1535 Gerdt Habekinch, er hat 1737 31 Kopf Großvieh und bestellt 1545 4 1/2  Malter Eschland.

1669 heißt es „Halbing vacat, 2 Hewerleuthe, seindt ruetter." Also die Stelle liegt wüst, ist ohne Wohnhaus, das Feld wird nicht bestellt oder ist versetzt, die beiden Gebrüder Gerdhabing sind Cavalleristen in Cloppenburg.

1672 heiratet Roleff Nordenbrock (Jans) die Catharina Habinges, deren Enkelin holt sich den Bernardus Gachemann auf die Stelle, deren Tochter freit den Johannes Henrich Slaerman (Jaspers/Osterhausen) beide nennen sich condictus Gerdhabing. Von nun an läuft das Blut über die Mannesseite. Aber in der Napoleonischen Zeit geht es mit der Stelle den Krebsgang, im 19. Jahrhundert freit ein abgehende Sohn von Klinkers Stelle in Sevelten auf die Stelle, aber auch er konnte der vielen Schulden nicht Herr werden. Im Volke spricht man ja noch heute von Klinkers-Habing Die Stelle wurde verkauft und vollends zerstückt. Sie lag westlich von Jost/Weßling nach der Straße hin.

Habe ist altdeutscher Vorname, Habing ist die Sippe des Habe. Da es in Tenstedt noch eine Stelle Habe gab, nannte man diese Stelle nach dem Wehrfester in den Jahren 1535/45 Gerdt Habekinch, Gerd-habing.

Status animarum von 1703
Name Alter
Talcke Gerdthabing vidua mater fam. 48
Jasper filius 21
Hempe Elsbeth filia 28
Talcke filia 11
Anna Chatarina filia 10

Status animarum von 1703
Name Alter
Backhuß
Hempe Schloormanß vidua mater fam. 57
Dierich filius 16
Margreta Elisabeth filia 18

Suding

Sudings Halberbe, heute 55 ha groß, war eigenhörig an Gut Bretberg. Es ist bereits 1727 freigekauft worden.

1498 bewohnt die Stelle Hinrick tor Sudende (Sud-ende), 1538 Borchardt thor Sudenn und 1568 heißt er Borchardt Sudinck. Der Name weist auf die südliche Lage im Dorfe hin, er befindet sich ja am Süd-ende der Bauerschaft. Die Wortbildung Suding ist, wie bei Oesterling, eine falsche, Suding wäre die Sippe des Sude; einen Vornamen Sude gab es aber nicht, bei der Wortbildung hat man noch an die südliche Lage des Hofes gedacht.

Am Sonntag vor Margarethen 1568 freit Wernecke Berding von Berdings Stelle in Märschendorf auf Sudings Stelle in Tenstedt; er verspricht dem Gutsherrn, alle Gefälle in Vechtaer Maß anstatt wie bisher in Cloppenburger Maß zu liefern. Der Scheffel war kleiner als der Vechtaer.

Bis 1830 läuft das Blut noch einmal über die weibliche Seite, und 1788 begründen Joan Dirk Henrich Suden/Maria Angela Haglage die 12. nachweisbare Generation.

Nur in den Jahren 1568 - 1580 taucht der Name Suding auf, von da ab bis 1830 finde ich nur die Namensform Suden, sie ist die richtigere. Offenbar hatten die Leute damals die falsche Bildung des Namens gemerkt und merzten den Fehler wieder aus. Im 19. Jahrhundert erschien er wieder. Möge das 20. Jahrhundert ihn wieder verbessern.

Die Lehrerfamilien Suden in Tenstedt und Sevelten stammen von der Stelle ab.

Diese vier Ganzerben und die fünf Halberben waren die ursprünglichen Besitzer von den ganzen Bauerschaft; die Stellen selbst werden 3 - 4000 Jahre bestanden haben, ihnen gehörte die ganze Bauerschaft. Eine Vermehrung der Feuerstellen lag nicht in ihrem Interesse, und sie werden sich dagegen gewehrt haben. Aber schließlich zwangen die Verhältnisse sie, hier eine Ausnahme eintreten zu lassen. Sie mussten einen „Loopjungen" der die laufenden Bauerschaftssachen besorgte, einen Fronen (Burgvaogt) haben, da gestatteten sie einen ihrer abgehenden Söhne, eine Eignerei zu gründen, später Stratmann; noch mussten sie einen Schmied in ihrer Mitte haben, wahrscheinlich war es Habe, noch war ein „Tepe" (Viehhirte) nötig, der das freiumherlaufende Vieh etwas im Auge behielt, der wohnte natürlich am besten weit hinten in der Mark, Strohmann wird es gewesen sein. So entstanden die Kötterstellen; wann, das lässt sich kaum sagen, zwischen 1400 und 1600 werden sie gegründet sein. Klein fingen sie an, konnten aber nach und nach Besitz und Ansehen vergrößern, wurden später in der Mark als ein Viertelerbe mitberücksichtigt und haben sich heute zu schönen Höfen entwickelt, so weit sie noch vorhanden sind.

Status animarum von 1703
Name Alter
Werncke Suden pater fam. 37
Dorothia uxor 32
Gerdt filius 16
Aleit filia 14
Anna Elisabeth filia 12
Elsche filia 10
Anna Maria filia 8
Tobias filius 4
Gerdt Suden senior 80

Status animarum von 1703
Name Alter
in Backhuß
Johan Meyer pater fam. 59
Gerdrut uxor 38
Johan filius 18
Gerdrut filia 14

Status animarum von 1703
Name Alter
Margarita vidua mater fam. 64
Johan filius 22
Talcke filia 28
Margarita filia 24


Strohmann


Strohmann, 1750 ein Pferdekötter, eigenhörig an Quernheim, später an das Gut Dinklage.

Der Anfang liegt im Dunkeln. Das Personenschattregister des Jahres 1549 bringt: Grethe by den stro, Pauwell filius, Grethe filia, Mencke de herde, Gert by den stro, kentliche arme.

Stro, Strohe, Straut ist ein sumpfiges Bruchgelände, mit Erlenholz bestanden, heute das Tenstedter Bruch. Hier also, weitab vom Dorfe, haben diese Leute sich eine Behausung geschaffen, auf einem etwas höher gelegenen Stück Land, dort wohnt 1549 die Witwe Grethe mit ihrem Sohne Pauwell, ihrer Tochter Grethe und dem „herde" (Hütejungen) Mencke; in einem Zimmer oder Beihäuschen fristete dann noch der Großvater oder Onkel der Kinder sein leben, als kenntlicher Armer und zahlte keine Steuern.

Warum brauchte diese kleine Familie, wahrscheinlich ohne Vieh, einen „herden", einen Hirten? Nun, der Familie war es gestattet worden, hier in der Mark ein Häuschen zu errichten, wahrscheinlich hat man ihr auch erlaubt, 3-4 Scheffelsaat aus der Mark zu kultivieren, dafür musste sie dann das Vieh in der weiten Mark beaufsichtigen, und, wo ein Tier in Not war, ihm helfen. Auch führten sie in etwa die Aufsicht über die Mark, später nannte man diese Familien „Feldhüter",

Später hörte man wenig von der Stelle; der 30jährige Krieg brachte auch diese Stelle bis an den Ruin. Dirich im Strohe nennt sich 1669 Brinksitter ohne Pferde und ist Dragoner. Im Hause wohnt auch ein Thobe uffn Dingel, der eine Schwester des Dragoners zur Frau hatte. Aber auch diese erben nicht; ein Reinerus Meyer von Vestrup heiratet 1676 die Helene Strohe, sie setzen den Stamm fort, mit der stelle geht es aufwärts, eine Tochter von Niemanns, Siemermanns und Elster-Landwehrs Stelle traut auf den Hof. In der Mitte des 19. Jahrhunderts kommt ein Stratmann auf die Stelle.

Die Gefälle an den Gutsherrn waren naturgemäß nicht hoch. Jährlich l Taler und beim Antritt der Stelle 5 Taler oder 5 Riddergulden.

Status animarum von 1703
Name Alter
Reinert von Strohe viduus pater fam. 70
Hellena filia 14

Status animarum von 1703
Name Alter
inquilinus
Johan Buschenhenken pater fam. 56
Lucke uxor 51
Johan Hendrich filius 16
Anna filia 10
Lucke filia 9


Bohmann

1669 hören wir von den Frerich Bohmann, seine Frau war eine Geiske Hewerman (Heuermann), sie sind „kleine Leute", haben ein Pferd und zwei Milchkühe. Da wird der Anfang dieser Stelle liegen. Die Nachkommen dies kleinen Wehrfesters müssen um 1760 ausgestorben sein. 1769 heiratet ein von der Hofstelle abgehender Sohn, Johann Gerhard, die Maria Elisabeth Havighorst, sie beziehen diese Stelle. Die Havighorst stammen aus Badbergen, sie waren Bauschulte auf Gut Schwede und gut in Beschlag.

1750 wird der Stelleninhaber „Hußler", genannt, er liefert an das Amtshaus in Vechta das übliche Rauchhuhn, das jeder zu liefern hatte, der ein neues Haus erbaute, „wo Rauch ausgehet".

Die Stelle hat Namen und Blut erhalten und konnte den Betrieb stark erweitern.

Die Zuordnung der nachstehenden Familien ist unklar,
da es in Tenstedt zwei Höfe mit dem Namen "Bohmann" gab.
Status animarum von 1703
Name Alter
Wessell Bohman pater fam. 67
Gerdrut uxor 67
Frerich junior pater fam. 39
Maria uxor 26
Wessell filius (Sohn deß Alten) 37
Johan servus 24
Frerich filius 2

Status animarum von 1703
Name Alter
Hendrich von Effter(...)(anm.Egterholz) pater fam. 36
Gesche uxor 31
Johan Frerich filius 7
Anna Gesche filia 5


Habe

Habe war ein freier Pferdekötter, hatte also keinen Gutsherrn, an den er Jahr für Jahr seine Gefälle zu entrichten hatte. Dafür zog aber das Amtshaus in Vechta ihn heran, dort musste er jährlich 54 Grote Herbstschatt und dem Vögten 2 Taler Dienstgeld zahlen; ferner Jahr für Jahr bei Grase und bei Stroh (also in der Heu- und der Getreideernte) je einen Tag mit dem Spann dienen.

1498 finde ich ihn nicht, er muß aber schon damals vorhanden gewesen sein, 1535 wohnt Johan Habe auf der Stelle, hat 1537 20 Kopf Großvieh und besamt 1545 18 Scheffelsaat Land. Wahrscheinlich war er der Schmied des Dorfes, der aber auch zur Not Verrichtungen anderer Handwerkzweige ausführte. Wo er schon so viel Vieh hatte, das natürlich in der Mark Nahrung fand, muß die Stelle schon älteren Datums sein, gewinnt an Wahrscheinlichkeit; beide Stellen waren frei; wenn nun die ursprüngliche Stelle auch ein freies Erbe war, dann lag einer Teilung kein unüberwindbares Hindernis entgegen.

1660 nennt er sich Brinksitter mit Pferden, 1669 ist er unvermögend und zahlt keine Steuer, sein Bruder Heinrich ist im Hause, er ist Dragoner. 1691 heiratet ein Herman Vestman auf die Stelle, es geht mit der Stelle den Berg hinan. 1785 begründen Franz Johann Joseph Habe/Regina Hohkamp die nachweisbare IX. Generation. Im nächsten Jahrhundert ist die Stelle zerstückt, ein schönes altes Erbe ist damit ausgelöscht. Es lag nördlich von Siemermann-Niemanns Stelle.

Status animarum von 1703
Name Alter
Herme Haben 49
Stiencke uxor 37
Anna Christina Haben filia 24
Helena filia 9
Gesche filia 6
Margarita filia 4

Status animarum von 1703
Name Alter
Jürgen Niekampf pater fam. 38
Anna uxor 36
Anna Chatrina filia 3


Stratmann

Stratmann war freier Pferdekötter, mit der Stelle war aber verbunden das Amt eines Untervogtes. Als solcher mußte er die Bauernschaft Tenstedt bestellen um die Amtsbriefe von Tenstedt du Mintewede nach Bokel und Cappeln bringen. Ans Amtshaus zahlte er jährlich 54 Grote Herbstschatt.

Das Ganzerbe Strotmann war in Mintewede, die Kötterstelle Stratmann in Tenstedt, dann die Strohmanns Stelle in Tenstedt, alle diese Wehrfester gehen meistens unter den Namen Strotman, Strattman, Stratman usw., so ist es manchmal nicht, leicht sie auseinander zuhalten.

1609 zahlt ein Arendt Strothman Knechtegeld, das kann nur der Untervogt sein; der war ja nicht eigenhörig. Ab 1660 nennt er sich Brinksitter ohne Pferde, er ist 1669 „viehlos" und fast immer ppr., so hat er unter der Geißel des 30jährigen Krieges gelitten.

Wessel Stratman heiratet 1727 die Catharina Margaretha Gaschemen, das Copulationsregister bringt den Vermerk "dimissoriis", also der Bräutigam kommt aus einer anderen Gemeinde, aus welcher, meldet das Register nicht. Sein Sohn, auch Wessel geheißen, wird von 1752 - 1781 als „Subpräfekt" (Untervogt) bezeichnet. Wernerus, sein Sohn, traut die Anna Maria Elisabeth Schade aus der Familie des Vogtes von Cappeln. 18 Jahre früher heiratet Maria Elisabeth Schade den Joan Bernd Stratmann, die Eheleute ziehen nach Löningen, sie waren dort faber ferrarius (Schmied), Trauzeugen bei diesem Ehepaar waren Vogt Schade von Cappeln und Vogt Steverding von Steinfeld.

Der Stratmannsche Hof wurde, als die Stratmanns den Strohmannschen Hof erhielten, zerstückt; so ist auch diese Stelle verschwunden.

Der Hof lag nordwestlich von Siemermann/Niemann, südöstlich von Bohmann/Jost.

Mir will es scheinen, daß diese Stratmanns von Strotmanns Stelle von Mintewede stammen, daß also die Namen Strotmann und Stratmann denselben Ursprung haben; sie deuten auf den Stro, Strohe, Straut, das mit Erlengebüsch bestandene Sumpfgelände, hin. Heintze-Cascorbi denkt bei "Stratmann", an den „Mann an der Straße", eine Deutung, die bei Stratmann in Tenstedt nicht oder nur kaum zutreffen kann.

Status animarum von 1703
Name Alter
Dierich Straatman pater fam. 69
Gesche uxor 49
Johan Hendrich filius 32
Wessell filius 25
Gesche filia 17

Strathmann
 

Haglage

Haglage, 1562 ein Brinksitter, 1680 ein gemeiner Kotten, 1750 Pferdekötter, war frei. Ans Amtshaus Vechta musste jährlich ein Huhn geliefert werden, dann forderte der Vogt einen Spanndienst bei Gras und Stroh.

1498 bringt eine Taleke ton Swehe, 1549 heißt es „Hinrich ton Swehe, Metha uxor, Johan filius, Wichmann servus, Anna vndt Metha filiae", also hat die Stelle einen erwachsenen Sohn und auch noch einen Knecht, kann also so klein nicht gewesen sein. 1562 Wichman thon Hachlae, 1564 Henrich Hachlage, 1680 Hagelage, Hachlae, Hachlage ist ein mit vielen Dornen eingehegter Wohnplatz. 1608 hat Johan Hachlage 4 Pferde, 12 Kühe, l Schwein und 14 Schafe. Selbst über die schlimmste Zeit des großen Krieges bringt die Witwe Hachlage die Stelle, trotzdem sie auch noch ihre unglückliche Schwester (sie war dauernd krank und hilflos) bei Tage und Nacht betreuen musste. Zweimal bis 1830 läuft das Blut über die Frauenseite, ein Niemann und ein Quadmann heiraten auf die Stelle, nehmen aber den Namen Haglage an.

Ein Johann Bernhard Haglage wanderte 1882 nach Bosnien aus und begründete dort eine sehr schöne Bauernstelle, seine Frau war eine Catharina Wortmann aus Vinnen. Leider wurden auch sie von ihrer Stelle vertrieben und wohnen jetzt als „Flüchtlinge" in Niederösterreich.

Der Staatskalender des Jahres 1837 rechnet Sevelten noch zu Crapendorf, er teilt das übrige Cappeln in sieben Bezirke; er vermerkt unter d) Tenstedt 400 (Einwohner); - Tenstedt, Osterhausen, Darenkamp, Gut Schwede. Mithin sieht er die letzten drei als Annexe der Bauerschaft Tenstedt an.

Status animarum von 1703
Name Alter
Johan Haglage pater fam. 61
Anna Margreta uxor 26
Vencke famula 20
Johan Frerich opilio 17


Osterhausen

Der Name Osterhausen kommt schon 1217 vor und bedeutet die „Häuser im Osten" der Bauerschaft. Wenn man die ganze Bauerschaft, also Osterhauen, Darenkamp, Schullenmoor, Tenstedter Bruch, Tenstedter Esch und das engere Dorf zusammenfasst, dann liegen Thölke und Jaspers tatsächlich im Osten der Bauerschaft. Nur aus dieser Blickrichtung heraus ist der Name zu erklären.


Jaspers

Die 72 ha fassende Jaspers Stelle, ein Halberbe, war eigenhörig an das Gut Harne und kam später an Dinklage, ist 1850 freigekauft.

Der in der Urkunde vom 15. Dezember l217 auftretende Zeuge Thidericus de Osterhusen dürfte von dieser Stelle, stammen.

1498 ist Hinrick van Oßerhusen der Wehrfester dieser Stelle, sein Sohn Johan to Oisterhußen wird von der räubernden Soldateska von seinem Wagen, den er wahrscheinlich retten will, „zu dhote" geschlagen. Seine Frau Phenneke Osterhusen besamt 1545 3 1/2 Malter Land, hat 42 Kopf Großvieh, 60 Schafe und 4 Immen. Ab 1562 betreut ihr Sohn Dirick Oisterhußen die Stelle und ab 1594 Jasper Osterhusen. Dieser Vorname Jasper wird jetzt zum Familiennamen, sein Sohn nennt sich Wille Jaspers.

Der 30jährige Krieg nimmt die Stelle hart mit, dreimal wird der Hof niedergebrannt, um 1665 haust die Witwe mit ihren Kindern im Backhaus, sie kann die Steuer nicht bezahlen. Ab 1692 wirtschaften auf dem Hofe Gerd Gotteke (Götting) nunc (jetzt) Jaspers/Geseke Dirsche (Diekhaus). Ihr Urenkel Johann Rolf Jaspers begründet mit Anna Maria Knagge 1799 die 10. Generation.

Jasper oder Kaspar ist persischer Vorname und bedeutet „Schatzmeister".

Auf der Stelle ist heute Pächter Suding.

Status animarum von 1703
Name Alter
Gerdt Jaspers pater fam. 52
Gesche uxor 41
Rolff filius 16
Herme filius 14
Gerdt filius 11
Johan famulus 22
Gesche famula 19

Status animarum von 1703
Name Alter
Leibzucht
Jasper Japerß senior pater fam. 79
Anna uxor 67

Thölke

Auch diese Halberbe, 68 ha groß, war eigenhörig an das Gut Harme, kam später an Dinklage und ist 1850 freigekauft.

1498 ist Tebbe van Osterhußen der Wehrfester, sein Sohn Bemdt mit Wendel seiner Frau haben 1545 41/2 Maltersaat land unter dem Pflug, 34 Stück Großvieh und 11 Schafe und 6 Immen. 1660 heißt der Besitzer Toleke zu Osterhußen. Aus dem Vornamen Toleke ist der Familienname Thölke geworden.

tritt 1814 das Erbe an und hat mit seiner Frau Anna Maria Gertrud Woltken fünf Kinder, die 10. Generation.

Im Weltkriege 1914/18 gaben drei Söhne dieser Stelle ihr Leben für das Vaterland hin.

Zur Deutung des Namens: Das sächsische „diota" oder „diet" bedeutet „Volk" und findet sich in vielen Vornamen: Dietbold, Dietbert, Dietfried, Diethard, Diethelm, Dettlef, Dietmar, Dietrich usw. Der Volksmund kürzte diese Namen in Dieto ab, daraus entstand die Koseform Dietolo, Dietlo, Thilo, daraus wurde durch Vokal um Stellung ein Töle oder Thöle; daran kam die Verkleinerungssilbe ... ke wie in Bernd ö Berndken, Job - Jöpken, und ein tholeke, Thoelke, Thölke war fertig. Die Grundbedeutung des Namens ist mithin „Volk".

Status animarum von 1703
Name Alter
Johan Tölcken pater fam. 60
Elsche uxor 44
Gerdt filius 17
Gesche filia 15
Margreta filia 13
Rolff servus 26

Status animarum von 1703
Name Alter
Hendrich von Anten pater fam. 46
Gesche uxor 39
Johan Hendrich filius 18
Gerharduß 16
Dierich filius 13
Vencke filia 19

Thoelke
 

Darenkamp

Das 102 ha große Ganzerbe Darenkamp war eigenhörig an das Gut Daren; 1813, also in napolionischer Zeit, hat der Hof sich mit 3500 Talern freigekauft. Die Summe war viel zu hoch.

An Namensformen kommen unter anderen vor: Danekamp, Darnekamp, Darncham, Darnenkamp, Dernekamp, Darrenkamp, seit 1700 fast regelmäßig Derenkamp und später Darenkamp.

Bei Darenkamp denkt man schon leicht an das adliger Gut Daren, wohin der Hof eigenhörig war. Das Gut aber ist um 1400 gegründet, die Stelle und ihr Name aber sind viel älter.

Plattdeutsch gehen die Namen auch auseinander: „Uppe Dorn", und „Darnkamp." Wo es eine Dornbraak, Dornhack, einen Dornbruch, Dornbusch, Dornoff, ein Dorndorf gab und gibt, könnte man an Dornkamp (einen von Dornen eingehegten Kamp) denken; aber Wortbildung und Aussprache reden dagegen.

Der erste nachweisbare Wehrfester der Stelle (1498) hieß Dirick Danekamp. Der Familienname Danekamp, Dänekamp findet sich noch heute, auf der Flurkarte von 1937 kommt in Deindrup eine Dänewand vor, das mittelniederdeutsche Wort „dane, dene, diene" bedeutet Niederung, dann wäre „Danekamp" ein Kamp in der Niederung; es könnte stimmen.

Oder darf man analog vorgehen? Die Reihenfolge „Evenkamp - Evinghem = Heim des Eving" ist gegeben; wäre es da nicht auch eine Folge „Darenkamp = Dancham oder Danchem = Heim des Danko" zu denken? Das Letzte Wort kann hier noch nicht gesprochen werden. Des Dirick Danekamp Sohn entrichtet l Hornsgulden, 61/2 Schillinge, l Bremer, er hat 1537 56 Stück Großvieh, besamt 1535 an Wiedertäufersteuer l1/2 Goldgulden, 1545 9 Maltersaat Land, und Henrich Dernekamp und sein Sohn, auch Henrich geheißen, bringen die Stelle gut durch den großen Krieg.

Anna Maria Elisabeth Darrenkamp erbt die Stelle und heiratet 1838 den Franz Johann Heinrich Wilhelm Brakel aus Bieste, damit kommt der Name Brakel auf die Stelle. Ihr ältester Sohn Conrad Heinrich Brakel erbt von der Großmutter den Moltkastenhof in Bieste, Maria Catharina Elisabeth Brakel erbt die väterliche Stelle und traut den Karl Quatmann, die Eheleute konnten 1924 das seltene Fest der diamantenen Hochzeit feiern. Karl Quatmann war viele Jahre hindurch Landtagsabgeordneter. Der schöne alte Name Darenkamp (nicht Darrenkamp) sollte wiederkommen.

Status animarum von 1703
Name Alter
Johan Hendrich Derrenkamp pater fam. 34
Gesche Bullermanß uxor 27
Gesche filia 26
Anna filia 20
Talcke famula 19
Johan Otto famulus 33

Status animarum von 1703
Name Alter
Hendrich Kuiper pater fam. 56
Margreta uxor 41
Hendrich filius 27
Johan Otto filius 21
Dierich filius 16
Margreta filia 16
Chatrina filia 9
Anna filia 6

Status animarum von 1703
Name Alter
Johan Otto pater fam. 41
Anna uxor 37
Hendrich filius 6
Lucke filia 9

Darenkamp-Quatmann


Das Gut Schwede

Ín dem Namen Schwede (s. Wede) dürfte das altdeutsche Wort „witu" oder das mitteldeutsche „wede" - Holz, Wald stecken. Das adlige Gut Schwede ist in der Mitte des 15. Jahrhundert von dem Cloppenburger Drosten Rolf van Lutten zur Lage gegründet worden. Ursprünglich lagen dort zwei Höfe, hart an einem 12 ha großen Eichenwald. Mitten zwischen diesen Höfen auf einer künstlich hergestellten Insel, umgeben von einer 9-16 Meter breiten Gräfte, errichtete dieser Adlige die Burg Schwede. 1697 heiratete Helena Catharina van Lutten, die Erbin, den Vechtaer Hauptmann Christoph Adam von Milckau. Sein Urenkel, Adam Friedrich von Milckau, 1791 großjährig geworden trat das Gut an, ließ sich vom König von Preußen in den Adelsstand erheben und nannte sich Domherr zu Colberg und Walbeck, Königlich Preußischer Kammerherr- und Ordensmarschall, nahm durch seinen Anwalt, den Fiskal Bahlmann in Dinklage 12.000 Taler Schuld auf, kaufte das Gut Stedingsmühlen für 38.000 Taler, musste den sinnlosen Kauf mit 6000 Taler Reuegeld rückgängig machen, heiratete die minderjährige Henriette Tugendreich von Mitzlaf zu Ahnsee, wohnte in einem Wirthause zu Dresden, wo er 1794 starb.

Im Konkurse kaufte der Adlige Adolf von der Decken auf Lethe das Gut Schwede für 28500 Taler, auch dieser Käufer geriet 1815 in Konkurs, für 23.663 Taler 42 Grote kam es in den Besitz von v. Fredag auf Daren, in dessen Besitz es noch heute ist.

Von dem etwa 150 ha großen Gute sind in letzter Zeit etwas mehr als ein Drittel veräußert an Suding, Swienhorst u.Thölke.

Status animarum von 1703
Name Alter
Wilhelm von Milcau zum adelichen Hauß Schwede 56
Chatarina Hellena uxor 31
midt 4 Kindern und 2 Freuleinß luttersch
Wessell famulus 64
Behrendt famulus 20
Johan opilio 26
Anna famula 24
Maria famula 21

Status animarum von 1703
Name Alter
Gerd von der Brüggen pater fam. 56
Chatrina Margreta 38
Gerdt filius 7
Chatarina Maria filia 9
Hellena filia 8

Gut Schwede
 

   
Elsten

1217 Elseten, 1360 Elsteden, 1535 Elstede, diesen Namen einwandfrei zu deuten, wird schwer halten. Scheinbar liegt das Wort „Else" - Erle zugrunde, wie Heintze-Cascorbi vermutet. Erle hieß althochdeutsch erila, mittelhochdeutsch erle, plattdeutsch eller. Aber Aliso, der Fluß Else und Ilse sollen ihren Namen auch der Erle zu verdanken haben. Dann wäre Elseten = „die an den Erlen Wohnenden" und Elsteden = „die Stätten an den Erlen". An der Elster Bäke haben wir Erlen in Menge.

Elsten liegt südlich des Lößgebietes, im so genannten Bakumer Geestsandgebiet, zwar nicht so fruchtbar wie das Flottsandgebiet, aber mit Hilfe des Düngers, besonders des Kunstdüngers guter Ackerboden.

Die Elster Landwehr bestand aus zwei hohen Erdwällen mit tiefen Gräben, im Südteile waren sogar drei Wälle und Gräben angelegt. Die Verteidigungsfront ist nach Westen gerichtet; das muß auffallen, denn die andern acht großen Landwehre im Amte Cloppenburg haben die Front nach Osten und Nordosten gerichtet. Die Elster Landwehr beginnt im Norden in der Hessheide, dem Schullenmoor und dem Tenstedter Bruch, also auf Gründen, die von Menschenfuß früher nicht betreten werden konnte. Etwa 2 km nach Süden geht sie über in das Bruch zu beiden Seiten des Carumer Baches. Südlich dieses Baches riegelt ein einfacher Wall mit der gleichen Frontrichtung das kleine Feld bis zur Lager Hase ab. Nur Reste dieser Landwehr sind heute noch zu sehen.

Die Quatmannsburg, eine Ringburg von etwa 80 Meter Durchmesser, ist sehr geschickt angelegt, von Südwesten, Westen und Norden durch Sumpfgelände gedeckt. Ein etwa 12 Meter breiter und mehrere Meter hoher Wall umgibt sie; es folgt dann ein breiter und tiefer Graben, daran schließen sich ein zweiter Wall und Graben eng an, die beide im Nordosten und Südwesten vom Ringwall abzweigen und sich an das Bruchgelände anlehnen. Etwa 40 Meter im Abstande vom Ganzen riegelt ein dritter Wall und Graben von Bruch zu Bruch diese Burganlage noch einmal ab. So war sie eine sehr feste Anlage, die nur im Südosten angegriffen werden konnte, aber auch hier auf den härtesten Widerstand stieß.

Und was sollte das Ganze? Steht alles im Zusammenhange? Buchholz findet da nicht durch. Wenn man aber sieht, daß das ganze Gebiet vom Garreler Moor bis zur Lager Hase durch Bruchgründe und starke Landwehre zwischen diesen gesichert ist, nur nicht die Strecke vom Dingeier um Tenstedter Bruch, wenn man ferner beachtet, daß nördlich Dingel die Front der Landwehre nach Osten, südlich Tendstedt nach Westen gerichtet ist, dann ist das doch nicht Zufall. Das hat doch eine Bedeutung gehabt.

Völker, die sich den Durchzug von Norden nach Süden erbaten, ja, erzwangen, hat es immer gegeben, es waren nicht allein die Cimbern und Teutonen. Alte Strategie aber war, diesen wandernden und räubernden Völkern den Weg vorzuschreiben. So war es bei der Arkeburg, so auch hier. Man hatte dem Feinde einen Weg offen gelassen: Emstek - Cappeln - Elsten - Lager Hase, worüber westlich Lage in dem starken nach Nordosten ausgebuchteten Knie ein Übergang erkämpft werden konnte. In Elsten war dieser passierbare Weg am schmalsten, nur etwa 750 Meter breit; Elsten lag also mitten im Zuge. Sobald nun ein wanderndes Volk gemeldet wurde, suchten die Elster in der Quatmannsburg ihre Zuflucht, westlich der Ringburg konnte auch das Vieh gesichert werden. So lösen sich alle Rätsel.

In Elsten war schon früh eine kirchliche Außenstation, ähnlich wie in Sevelten auch Vor der lutherischen Zeit (1543) soll in Elsten vollständiger Gottesdienst gewesen sein. Die alte Kapelle, ein Fachwerkbau, stand auf der höchsten Stelle der Bauerschaft, vor Meiers Haus auf dem Esche; 14-16 Scheffelsaat Land (Fredeweß Heidland) und eine Wiese am Bache von 4-5 Fuder Heuertrag gehörten zur Kirche. Diese Kapelle war 1615 noch da, 1630 aber zerstört und ist nicht wieder aufgebaut worden. Im Jahre 1868 trug Wamstedt sich mit dem Gedanken, ein Kirchlein zu erbauen. Der Plan scheiterte an den Kosten. 1889 wurde dann die Kapellengemeinde Elsten-Warnstedt gegründet, und im Herbst desselben Jahres auf Quatmannschen Gründen eine Kirche erbaut. Sie erwies sich aber schon bald als zu klein, so wurde 1907 die jetzige Kirche errichtet, den Turm der ersten Kirche ließ man stehen. Nun passt der viel zu kleine Turm nicht zum Neubau; es bleibt kein Weg übrig, dieses Missverhältnis muß einmal beseitigt werden. Ganz in der Nähe der alten Kirche, etwa 200 Schritte von ihr entfernt, wird noch heute der Kirchhof gezeigt, drei Scheffelsaat groß., Hier stand auch die alte Schule. 1834 berichtet der Elster Lehrer Johann Otto Meier, daß er kein Wohnhaus habe, daß zu Schule ein Markplacken gehöre, der etwa 6 Scheffelsaat groß sei aber nichts einbringe.

Nach dem Staatskalender des Jahres 1837 wohnten von den 1361 Einwohnern der ganzen Gemeinde 195 in „Elszen".

Nach Pagenstert befanden sich 1750 in Elsten 3 Ganzerben, 4 Halberben, 2 (3) Pferdekötter, 3 Brinksitter und 4 Hußler.

Elsten
 

Quatmann

Das Ganzerbe Quatmann, 126 ha groß, war eigenhörig an das Gut Bakum. An Gefallen waren zu entrichten 4 Malter Roggen, 4 Malter Hafer, l fettes Schwein (125 Pfund schwer), 2 Hühner, 60 Eier, 4 Pfund Butter, 8 Taler für den Spanndienst, noch 2 lange Fuhren oder dafür 5 Taler, die Jagd halten und die Jagdhunde füttern. Diese Gefälle wurden 1852 abgelöst. Als Bischof Adolf von Osnabrück 1217 den Cappelnern das Recht, ihren Pfarrer frei zu wählen und zu präsentieren, bestätigte, wird als Zeuge genannt „Bernardus de Elseten", er war sehr wahrscheinlich Wehrfester der Quatmanns Stelle.

1294 verkaufen der Ritter Keselinc und seine Söhne den kleinen Zehnten von ihren Gütern in Warnstedt und Quade dem Kloster Malgarten. Dr. Oncken verlegt dieses Quade nach Elsten; zwar finden wir Malgartensche Güter später im Besitze des Hauses Bakum. Und doch will mir scheinen, daß dieses Quade auf gr. Quade in Uptloh hindeutet, der Hof war eigenhörig nach Malgarten.

1498 wohnte Bernd ton Quade auf der Stelle und Johann ton Quade, wahrscheinlich sein Vater, auf der Leibzucht. 1534 sollten alle Bauern des Amtes nach Münster um dort für längere Zeit Schanzarbeiten auszuführen. Insgesamt weigerten die Bauern sich, boten sich aber an, evtl. Geld zu entrichten, damit der Bischof dafür Arbeiter aus der Nähe Münsters sich besorgen könne. Falls dieses Angebot nicht angenommen und Gewalt angewendet werden würde, würden sie Gewalt mit Gewalt erwidern. Angeführt wurden die Bauern von Niemann - Tenstedt; in Elsten führte Wessel ton Quade.

Das war Landesfriedensbruch. Das ahnten die Anführer auch. Ganz insgeheim wurden Versammlungen abgehalten, auf dem Desum, in Nienkroge, bei der Aumühle, in Cappeln usw. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel erschienen da von Münster 100 berittene Polizisten (Hahnenfedern) und holten 4 der Anführer nach Vechta, auch Wessel ton Quade. Dort wurden sie am 17. und 18. Juli verhört. Wessel ton Quade bekannte:

17. Juli: Johann Niemann (heute Siemann, Tenstedt) Johann Drudingk (Siemer-Hagstedt) u. Johann ton Oistenende (Götting-Tenstedt) haben den Rat gegeben, nicht nach Münster zu ziehen. So haben auch die Mannen von Cappeln, Emstek, Visbek und Langförden entschieden. Hermann ton Oistendorp (Quatmann-Bokel), der Junge, habe ihm selbst gesagt, daß er auf der Versammlung auf dem Desum gewesen und daß dortselbst so beschlossen sei. Johann Drudingk sei auf der Zusammenkunft an der Quwmöllen gewesen, die Bauern dort aufzuklären und dort mitzubeschließen und mit zuraten.

Am 18. Juli, an einem Samstage, bekannte Wessel noch:

Es sei beschlossen, falls die Bauern wegen ihrer Arbeitsverweigerung gepfändet würden, dann wollten sie das nicht leiden. Sie wollten die Glocken ziehen, der eine dem andern mit Leben und Gut helfen und Beistand leisten, weil er ja auch mitbewilligt und das Ganze mit verursacht habe. Sollte es geschehen, daß sie weiter müssten, wollten sie ins Stedingerland ziehen und sich dort mit den Stedingern verteidigen. Und daß dieses mit Gewalt sollte erreicht werden, das ist der Beschluss gewesen der Gemeinden Emstek, Cappeln, Langförden, Visbek, Goldenstedt, Twistringen, Lutten, Oythe und Bakum. Dieses soll auf der Versammlung bei Nienkroge beschlossen sein.

Darenkamp, Slotmann, Oistenende und Niemann (der Hauptanführer) haben den Rat gegeben und die anderen alle haben es bewilligt, daß sie Rolewess van Lutten Haus (Schwege). Berndt Vosses Haus (Voß Diek in Langwege) und den Schwede, wenn die Adligen nicht anwesend wären, besetzen wollten, und wenn sie die Güter nicht länger halten könnten, wollten sie zum Stedingerland fliehen. Auch die Wildeshäuser, die Stadt ausgenommen, haben sich angeschlossen und übereinstimmend dasselbe beschlossen. Die Visbeker haben Boten nach Delmenhorst geschickt, um diese Leute zu gewinnen. Ich weiß aber nicht, wen und ob Erfolg erreicht ist."

1535 ist Hermann ton Quade auf der Stelle, 1594 kommt erstmalig der Name Quadmann vor. Durch den 30jährigen Krieg kommt die Stelle gut hindurch; nach demselben ist Heinrich Quadmann auf der Stelle, er hatte drei Frauen, eine Venneke Dordelmann, eine Elsbet Verdehalffen (aus Varrelbusch) und dann eine Talcke Haerman. Am 5.7.1785 heiratete Jörgen Borchert Quatmann die Catharina Elisabeth Benediek, die Erbauer des bekannten Quatmanns-Hofes. Seine Frau kam von dem alten Pickerhofe; diese Picker kamen die Welt durch, wahrscheinlich ist auch die Catharina Elisabeth mit ihrem Vater, der das Geschäft auch betrieb, die Welt herumgekommen, hat die stattlichen Bauernhöfe in Westfalen, dem Ammerlande und Budjadingen gesehen. Der Quatmanns Hof, so will mir scheinen, ist mehr ihr Werk als das ihres Mannes. Das bezeugen auch so manchen Däunkes, die noch heute im Volke herumgehen. daß der schöne Quatmanns Hofe im Museumsdorf in Flamen aufgehen musste, daß bedauert heute wohl ein jeder.

Quade bedeutet nach Heintze -Casorbi „schlimm, der Böse, der Teufel". Diese Bedeutung kann aber obigen Namen kaum zugrunde liegen; heißt es doch „Bernd ton Quade", das „ton" weist auf Örtlichkeiten hin. Es gab auch einen Volksstamm „die Quaden"; dies Wort führt J. Grimm auf „quedjan, quadjan" gleich „Grüßen, segnen" zurück; wenn der Ort, wo der heidnische Priester die Götter grüßte und das Vieh segnete, „Quade", geheißen hat, wenn dieser Opferplatz in der Nähe der Quatmannsburg gelegen hat, dann ist die Bedeutung des Namens klar.

Status animarum von 1703
Name Alter
Herme Quatman pater fam. 42
Triencke uxor 31
Busch seniculus 82
Johan Quaatman filius 26
Wessell filia 22
Talcke filia 17
Vencke filia 16
Goswien filius 14
Vencke filia 9

Status animarum von 1703
Name Alter
Leibzucht
Hendrich Meyer pater fam. 72
Talcke uxor 53
Werncke filius 12
Anna Chatarina filia 7

Quatmann,Elsten


Meyer

Der erste nachweisbare Wehrfester dieser Stellen, heute 83 ha groß, heißt 1498 Hinerk Amburen. 1548 räubern dort die plündernden Soldaten des kaiserlichen Feldherrn, Moritz von Fresenborch, es heißt in der Akte: „ .... ich huße ale reitskup to schlagen unde sine kost upgefreten for fiew Daler, noch tein schepel haveren for 1/4 Daler".

Dieser Henrich Amburen nennt sich einmal auch Hinrich Meyer; 1578 heißt der Werfester Henrich Ammermann 1608 wieder Meyer, ab 1651 immer Meyer.

Am 14.11. 1690 heiratet ein Lukas Grothe die Elisabeth Meyer und nimmt den Namen Meyer an. Später erbt ein Johann Henrich Meyer und heiratet eine Maria Elisabeth Hagmöller, die Blutsfolge ist aus den Kirchenbüchern allein nicht zu ersehen.

Die Stelle war 1576/80 hörig an von Dorgeloh, sie ist aber 1750 schon frei. Heute Meyer-Emstek. Pächter Borchers-Elsten.

Status animarum von 1703
Name Alter
Lucas Meyer pater fam. 47
Elisabeth uxor 36
Hendrich filius 11
Johan filius 9
Meinert filius 7
Borchert filius 5
Anna filia 7
Herme filius 2

Status animarum von 1703
Name Alter
inquilinus
Behrendt Kuper pater fam. 37
Stiencke uxor 33

Meyer-Elsten


Thole

Das Ganzerbe Thole, 72 ha groß, war eigenhörig an das Gut Dinklage und ist 1842 freigekauft.

1498 Thole Drudinck. Das sind eigentlich zwei altdeutsche Vornamen. Thole oder Töle ist die Verkleinerungsform all der vielen mit „Teutoo" oder „Diet" (Volk) zusammengesetzten altdeutschen Vornamen. Drudo ist die Koseform all der Namen, die mit „drude" anfangen, und es sind viele. Druding bedeutet die „Sippe des Drudo" aus dem ersten Namen, so nannte das Volk ihn durch den Tag, ist dann der spätere Name Thole entstanden.

Auf der Stelle kommt der Name Druding 1609 das letzte Mal vor: aber ein von Tholenhof abgehender Sohn, ein „thole van Elsten", heiratet in Cloppenburg eine Margaretha Borggrewes, das war nach 1660. Dessen Sohn erinnert sich später, daß seine Vorfahren früher Druding geheißen, er nimmt den alten Namen Druding wieder an, später Drüding-Cloppenburg.

1545 hat Thole Drudingk 4 Pferde, 17 Kopf Rindvieh, 12 Schweine und 20 Schafe, er besamt 12 Maltersaat Landes. Zu gleicher Zeit hat ein Werneke Drudingk 4 Pferde , 14 Kopf Rindvieh, 11 Schweine und 14 Schafe, er hat aber nur 2 Scheffelsaat unter dem Pflug. Hier hat sich eine neue Feuerstelle gebildet, sein Sohn Borchert bezahlt Knechtgeld, ist also frei. Ob das der Anfang eine Kötterstelle ist, ob diese Stelle später wieder an den alten Hof gefallen ist, das bleibt einstweilen noch eine Frage.

Das Blut auf der Stelle blieb bis 1830 erhalten, am 23.01.1819 begründete Caspar Thole die 12. nachweisbare Generation. Heute Thöben.

Status animarum von 1703
Name Alter
Johan Thole pater fam. 40
Vencke uxor 36
Anna filia 20
Gesche filia 16
Johan filius 14
Hendrich filius 10
Vencke filia 9
Chatarina filia 7
Werncke famulus 25
Borchert opilio 20

 Thole-Thöben,Elsten


Averesch

Dies Halberbe, heute 110,5 ha groß, war ein Kammergut, also an die Landesherrschaft eigenhörig. Früher gehörte es nach dem Gute Bakum, durch Erbgang fiel es an Hinrich Schade. Drosten von Wildeshausen und Erbgesessener zu Meppenburg und Brockhausen. Dieser erhielt 1559 die Erlaubnis, in der Handrupper Mark auf drei Jahre eine Ziegelei zu errichten; er legte dann in Ihorst drei Bauernstellen zusammen und begründete dort das adlige Gut Ihorst. Nun vertauschte er die Averesch und Fredeweß' Stelle in Elsten gegen zwei Stellen in seiner Nähe, gegen die Arns-Borgerdings Stelle in Harpendorf und Jans-Borgerdings Stelle in Ihorst. So kamen die beiden Elster Stellen an die Landesherrschaft.

1498 bebaut Dirik Aueresch die Stelle, der Name wechselt, dann Queresch, auch einmal Hinrich im Holte; die Stelle lag also über den Esch hinaus im Holte. 1545 besamt er 4 Maltersaat und hat 51 Stück Vieh. 1652 dagegen bestellt der Wehrfester 4 Maltersaat und hat 51 Stück Vieh. 1652 dagegen bestellt der Wehrfester 4 Maltersaat Roggen und 31/2 Maltersaat Hafer, l Malter Gerste und vier Scheffel Linsaat, er hat eine Kuhweide von 10 Fuder Heu, für 6 Schweine Mast beim Hause und für 2 Schweine Mast im Elster Holz.

An Gefällen waren zu entrichten l Taler 18 Grote Herbstschatt, 2 Taler Dienstgeld, 3 Malter Roggen, 3 Malter Hafer, l fettes Schwein, l Münsterfuhr, Wagendienst mit 2 Pferden, alle 5 Jahre die Richthocken von Einhaus nach Vechta fahren, l Scheffel Roggen und 4 Scheffel Hafer an das Desumgericht. Auch der Sterbfall war zu entrichten, abgehende Kinder mussten sich freikaufen.

Am 17.12.1811 begründet Hermann Bemard Averesch mit seiner jungen Frau Catharina Maria Elisabeth Grave aus Schwichteler die 11. nachweisbare Generation. Heute Werner.

Status animarum von 1703
Name Alter
Borcherdt Averesch pater fam. 40
Anna Chatarina uxor 33
Gretike filia 15
Borcherdt filius 14
Thole filius 12
Johan Hendrich filius 9
Behrendt filius 7
Gretike famula 26
Rolff opilio 24

Status animarum von 1703
Name Alter
Leibzucht
Johan Averesch pater fam. 49
Talcke uxor 34
Borcherdt filius 12
Margreta Elisabet filia 10

Status animarum von 1703
Name Alter
in eadem domo
Werncke Meyer pater fam. 32
Elisabeth Küperß uxor 30
Werncke filius 9

Status animarum von 1703
Name Alter
Talcke dicta Meyer vidua pater fam. 52
Talcke filia 20
Hilcke filia 18
Gretike filia 14

Averesch,Elsten


Fredeweß

Das Halberbe Fredeweß, 69 ha groß, war wie Averesch zuerst an das Haus Bakum, dann an Ihorst eigenhörig und kam durch Tausch an die Landesherrschaft.

1498 betreute Wille Aueresch die Stelle. Johann Averesch hatte nur 3 Maltersaat und dem Pfluge, dabei aber 5 Pferde, 24 Kopf Rindvieh, 14 Schweine und 40 Schafe. Also einen reichen Viehbestand neben einem verhältnismäßigen kleinen Acker.

1549 hören wir auch den Namen seiner Frau, sie hieß Frede.(Frieda), ihr über 12 Jahre alter Sohn hieß Wessel. Ihr Mann muß damals gestorben sein; die Frede nahm das Ruder in die Hand; ihr Sohn war natürlich Freden Wessel, woraus beim Volke der Name Fredewessel entstand; dies um so eher, als es ja noch zwei andere Aueresch in Elsten gab. Amtlich aber heißt er noch Wessel mit Frau und zwei Kindern. 1660 aber schon Fredewessel mit Frau. Nun bleibt der Name Fredewessel, etwas später kommt dann Fredeweß.

1573 hat die Stelle 3 Malter Roggen-, 3 Malter Hafer- und l Malter Gerstenland, 2 Wiesen von 8 Fuder Heu, einen Garten von 3 Scheffelsaat Linsaat, Mast beim Hause für 10 Schweine und im Elster Holz für 2 Schweine.

Die jährlichen Gefälle sind bedeutend kleiner als bei Averesch: 4 Taler 11l/2 Grote Herbstschatt, 2 Taler Dienstgeld, 6 Scheffel Roggen, 3 Malter Hafer, l fettes Schwein, Wagendienst mit 2 Pferden, eine Münsterfuhr und alle 5 Jahre mit Averesch die Richthocken von Einhaus nach Vechta fahren. 1845 wurden diese Gefälle abgelöst.

Die Stelle hat sich vor dem 30jährigen Kriege gut gestanden: Für Gewinn und Auffahrt entrichtet Wessel Averesch 48 Taler (Wert von 8 Kühen) im Jahre 1596, als er die Grete Meyer von Repke auf den Hof holte. 1629, also im 30jährigen Kriege, bringt die Anna Osteende (Österling) aus Tenstedt sogar 240 Taler und aller Häupter vier (vier Pferde usw.) auf den Hof. Dann aber ging es mit der Stelle bergab, 1741 konnte der Anerbe das Mortuarium (Sterbegeld) für seine Eltern nicht bezahlen.

Zweimal läuft das Blut bis 1830 über die Frauenseite: 1744 freit Heribertus Debering und 1769 Heinrich Meyer auf die Stelle, beide nahmen den Namen der Frau an. Heute Hackmann.

Status animarum von 1703
Name Alter
Dierich Frede Wessell pater fam. 57
Gesche uxor 51
Hendrich Gerdt filius 26
Johan filius 21
Dierich filius 20
Anna filia 17
Gretike filia 15
Anna Chatarina filia 13
inquilina Stiencke 40

Status animarum von 1703
Name Alter
in Schuren
Stiencke vidua pater fam. 51
Werncke filius 28
Borcherdt filius 31
Johan filius 22
Wessel filius 21

Fredeweß-Hackmann,Elsten


Hempe

Das Halberbe Hempe, 72 ha groß, war frei, entrichtete an das Amtshaus einen Taler Herbstschatt und musste mit Wilken zusammen die Gerichtshocken aus Elsten nach Vechta bringen. Also stand sich diese Stelle gegenüber den anderen sehr gut, sie brauchte keine Gefälle an irgendeinen Adligen zu liefern, auch an das Amtshaus war wenig zu entrichten.

In den ältesten Schattregistern kommt der Name Hempe nicht vor, auch später hat das Amt den Namen Hempe, Wessel tho Elsten, Werneke tho Elsten und ähnlich nennt das Amt ihn. Wenn man nun die Namen des 1498er Register auflöst, bleibt nur „Mencke tho Oistendorp" übrig, ob er der Wehrfester dieser Stelle ist? Die Hempen-Stelle liegt ganz im Osten der Bauerschaft. Oder hat der Amtsschreiber den Namen Hempe nicht verstanden und dafür Mencke geschrieben?

Hempe ist altdeutscher Vorname, die zweistämmige Kürzung all der mit „Hagan, Kein" zusammengesetzten Namen u. bedeutet: „Gehege, umhegter Platz:"

Im Schadensregister des Jahres 1538, das der Burgvogt aufstellte, also ein Mann der Bauerschaft Elsten, heißt der Wehrfester aber Hempe tho Elsten; er meldet, daß die Oldenburger ihm einen Rock für l1/2 Taler geraubt hätten, aber die rohe Soldateska des Moritz von Fresenborg hätten ihm die Betten ausgeschüttet, Kisten und alles anderen Reskup im Hause zerschlagen (6 Taler) und einen „Wehr" (Widder) für 1/2 Taler geklaut.

1545 bestellt Wessel tho Elsten 5 Maltersaat und hat 59 Stück Vieh. 1549 kommt wieder der Name Hempe tho Elsten, 1562 ist Hempe tho Elsten ein „halue erue, frig" (freies Halberbe). 1665 zahlt Hempe keine Steuer, zweimal ist er im Laufe des Krieges abgebrannt, mit der Stelle steht es sehr schlecht. Einen adligen Schutzherrn hatte die Stelle nicht. 1706 heiratet die Gesina Hempen, die einzige Tochter, den Henrich Rohde, deren Sohn Heinrich lebte in kinderloser Ehe und stirbt nach 17-jähriger Ehe, die Witwe heiratet den Borchard Averesch, der den Namen Hempen annimmt, und deren Sohn Hermann Borcherd Hempen gegründet 1796 die 10. nachweisbare Generation auf der Stelle.

Status animarum von 1703
Name Alter
Roleff Hempen pater fam. 43
Berte uxor 47
Gesche filia 15
von Mintewede famulus 17

Status animarum von 1703
Name Alter
Backhuß
Siemer pater fam. 41
Gesche uxor 37
Dorothia filia 9
Gretike filia 5

Hempe


Wilken

Auch das Wilken Halberbe, 56 ha groß, war ein freies Erbe. Ans Amtshaus waren zu entrichten, l Taler 25 1/2 Grote Herbstschatt, 2 Taler Dienstgeld für den Vogten, zweimal im Jahre mußte der Wehrfester den Vögten je einen halben Tag mit 2 oder 4 Pferde dienen und die Richthocken aus Elsten mit Hempen zu sammeln nach Vechta fahren.

Wilke ist die Koseform von Wilhelm und bedeutet „williger Schützer". 1498 ist Wille tho Elsteden auf der Stelle. Auch bei ihm haben die Fresenborger gehaust, Speck und Fleisch geklaut, im Hause alles „to schanden" geschlagen, 6 Taler Schadenersatz meldet Wilke an.

1645 besamt er 3 Maltersaat Lland und hat 64 Kopf Vieh. Durch den 30jährigen Krieg kam die Stelle gut hindurch; 1662 ist Werner Wilcken „provisor ecclesiae" (Kirchenprovisor) in Cappeln. Zweimal läuft das Blut über die Frauenseite, und beide Male heiratet ein Borchers auf die Stelle, am 25.11.1823 begründet Joan Henrich Borchers, genannt Wilke, die 11. nachweisbare Generation.

Status animarum von 1703
Name Alter
Werncke Wilcken pater fam. 29
Maria uxor 31

Status animarum von 1703
Name Alter
Wigman senior viduus pater fam. 60
Herme Wigman filius 19
Wigman filius 15
Johan filius 13
Talcke filia 11
Vencke filia 9
Vencke famulus 22

Status animarum von 1703
Name Alter
Backhuß
Lucke vidua mater fam. 50
Vencke filia 25
Mencke Hendrich filius 17

Wilken



Diese drei Voll- und vier Halbereben waren die ursprünglichen Besitzer ganz Elstens. Es ist aber nicht ausgeschlossen, ja sogar sehr wahrscheinlich, daß in ältester Zeit Averesch und Fredeweß ein Vollerbe gewesen ist, ebenso Hempen und Wilken. Die letzten beiden Erbstellen waren ja frei, als freie Stellen konnten sie sich teilen. daß diese Stelle auch einmal hörig gewesen ist, das möchte man annehmen; aber hier wird der Fall so liegen wie bei Hake in Cappeln. Die Averesch - und Fredeweß - Stellen waren ursprünglich nach Bakum eigenhörig und vorher sehr wahrscheinlich nach dem Kloster Malgarten. Bei den Adligen auf Bakum durfte eine Teilung auch nicht auf unabwendbare Schwierigkeiten stoßen, besonders nicht, wenn die Gefälle vermehrt wurden. Das letztere scheint der Fall gewesen zu sein.

Diese sieben Erbstellen bilden eine Drubbelsiedlung, und das spricht für ein hohes Alter. Daß diese Besitzer von ganz Elsten keine weiteren Besitzer, keine neue Feuerstelle aufkommen ließen, das liegt auf der Hand. Aber, um 1400 -1500 wird es gewesen sein, wo sie es doch für ratsam hielten, einem ihrer abgehenden Söhne zu gestatten, eine neue Feuerstelle zu begründen; der eine sollte in ihrer Mitte wohnen und das Schmiedehandwerk kultivieren. Einen Schmied hatten sie nötig, sie wollten mit ihren Pferden nicht gern immer nach Cappeln oder Cloppenburg gehen. Zudem mussten sie einen „Tepen" (Hirten) haben, der das viele Weidevieh in der Mark etwas beaufsichtigte, der musste aber am besten in der Mark selbst wohnen. Noch wünschten sie einen Krämer und Kräuger, (Wirt), der vielleicht auch den Posten eines Unterfronen ausfüllte. So werden die drei Kötter entstanden sein.
 

Landwehr

Diese Stelle, weitab vom Dorfe, ganz in der großen Mark an der alten Landwehr errichtet, bekam deshalb auch den Namen „Elster- Landwehr". Auf dem Dingel in der Nähre der dortigen Landwehr gab es auch eine Familie Landwehr.

Der Elster Kotten war frei und hatte ans Amtshaus 44 Grote Herbstschatt und 2 Taler für den Torfdienst zu entrichten. An den Pastor in Cappeln musste der Wehrfester auf Pfingsten eine Tonne Bier und eine Gans liefern.

Auch diese Stelle erscheint erstmalig 1535 in den Registern, 1535 zahlt Hynrick upr Elsten 1 Goldgulden und einen Schrickenberger als Wiedertäufersteuer. 1545 hat er 18 Scheffelsaat Land unter dem Pflug, daneben allerhand Vieh und auch 25 Schafe. 1578 kommt dann der Name Landwer, 1660 zahlt „Elster Landwehr" als Brinksitter mit Pferden seine Steuer.

Maria Elisabeth Landwehr traut 1778 den Johann Wessel Derenkamp, die Ehe blieb kinderlos; die Eheleute nehmen des Ehemanns Bruders Tochter Anna Helena auf den Hof, die heiratet Johann Henrich Kleene, der die 9. Generation auf der Stelle begründet.

Status animarum von 1703
Name Alter
Johan Langford senior pater fam. 70
Anna uxor 80
Rolff Langford junior 37
Grete uxor 31
Anna filia 7
opilio 26

Landwehr(Klene)
 

Otten

Otten war 1750 freier Hußler und zugleich Untervogt von Elsten. Als solcher musste er die Bauerschaft Elsten bestellen und die Briefe von Dinklage nach Mömken bringen.

Der Anfang dieser Stelle ist dunkel, 1545 hat Berendt tho Elsten ein Scheffelsaat Land, dann kommt regelmäßig ein Alpher tho Elsten vor, auch einmal Alpherby den Dyke, 1651 Werneke mit Frau und 1660 Otten Werneke als Brinksitter mit Pferden. Auch 1562 war er schon ein freier Brinksitter.

Dreimal bis 1830 läuft das Blut über die Frauenseite, ein Meyer, ein Brüning und ein Siemermann heiratet auf die Stelle. Sie alle nehmen die Stelle an unter dem Namen der Frau, Siemermann begründet mit seine Frau die 9. Generation.. Otten kommt von Otto, einem altdeutschen Vornamen, der den „Besitzenden" bezeichnet.

Status animarum von 1703
Name Alter
Johan Otten pater fam. 43
Talcke uxor 41
Werncke filius 13
Talcke filia 9
Anna Chatarina filia 8
Elisabet filia 7

Otten


Sommer

Sumar ist altdeutscher Vorname, der schon im achten Jahrhundert hier vorkommt, er bedeutet „sonnig, Südseite". Er kann auch herrühren aus dem mitteldeutschen „summerer, sumberer",das ist Trommelschläger, der bei den „Sumar" (den altdeutschen Volksspielen) aufspielte. Das erstere scheint mir das richtigere zu sein.

1750 wird Sommer ein freier Pferdekötter genannt, heute 51 ha groß. Ans Amtshaus hatte die Stelle den Leibdienst, 54 Grote Herbstschatt und 2 Taler Dienstgeld zu entrichten; dann musste sie den Gerichtsroggen und -hafer in Elsten sammeln und nach Wilken bringen.

1498 finde ich diese Stelle noch nicht, aber 1535 im Januar und Oktober erscheint Sommer tho Elsten, 1562 ist Sommer ein freier Brinksitter, auch 1594 in den Jahren 1660 - 1680 nennt er sich Brinksitter mit Pferden.

Das Blut läuft über die Mannseite bis 1830, die Eheleute Theodor Stephan Sommer /Maria Bernhardina Schlotmann, getraut 1793, hatten acht Söhne und eine Tochter.

Status animarum von 1703
Name Alter
Dierich Sommer pater fam. 53
Hilcke uxor 43
Johan frater patris 41
Herme frater patris 39
Vencke Sommerß filia 19
Talcke filia 17
Herme filius 11
Dierich filius 9
Borchert filius 20
Wernike filius 5


Lübbe

Der Brinksitter Lübbe zahlte ans Amtshaus 54 Grote Herbstschatt und 2 Taler für den Torfdienst.

1535 heißt der Wehrfester der Stelle Johan by der Mersch, 1549 Borcherd by der Wisch, er ist 1562 ein freier Brinksitter, heißt 1594 Lübbe by der Wisch, 1608 wieder Lübbe by der Wisch, Brinksitter ohne Pferde, hat 1663 kein Haus, ist auch 1680 Lübbe by der Wisch, Brinksitter ohne Pferde, hat 1663 kein Haus, ist auch 1680 noch „wüst", kommt aber später wieder hoch, und der Johann Henrich Lübbe, der 1809 eine Anna Maria Gertrud Thole auf die Stelle holt, wird in den Kirchenbüchern „Colonus" genannt.

Die Stelle lag zwischen Klostermann und Sommer und ging später ein, die beiden Nachbarn erwarben größtenteils den Grund.

Die Familie Lübbe in Sevelten (Halfwäger Schmidt) stammt von dieser Stelle; ein begehende Sohn, Georg Borcherd Lübbe, heiratet eine Anna Maria Klüsener und wohnte zunächst bei Heukamp in Heure, 1814 erhielt er 18 Scheffelsaat Markengrund am Wege nach Cloppenburg. Lübbe ist altdeutscher Vorname und bedeutet „Volk".

Status animarum von 1703
Name Alter
Werncke Lübben pater fam. 45
Hilcke uxor 37
Vencke filia 14
Elisabeth senicula 83

Status animarum von 1703
Name Alter
Meyers Leibzucht
Johan Lübben 51
Triencke uxor 41
Elisabet filia 19
Anna filia 11

Status animarum von 1703
Name Alter
in eadem domo
Dierich Lübben 41
Anna uxor 35
Borchert filius 11
Werncke filius 9
Dierich filius 7


Klostermann

1562 ist Dyrick by de Mersch ein eigener Brinksitter, 1591 heißt er Johann in dem Kloster, 1660 Klostermann, er ist ein Brinksitter ohne Pferde, 1750 ist er eigenhörig an das Gut Dinklage; der Vogt nennt ihn Hußler.

Rudolf Averesch heiratet 1734 die Anna Gertrud Lückmann, ihre Eltern waren Henrich Lückmann / Helena Klostermann in Sevelten, die erstgenannten jungen Leute treten das Erbe an. Acht Generationen lassen sich bis 1830 nachweisen.

Ein Thölking, ein Bruder des ersten Thölking auf Rohen Stelle, heiratete auf die Klostermanns Stelle und nannte sich Klostermann/Thölking.

Status animarum von 1703
Name Alter
Gebbike Cloostermanß vidua mater fam. 43
Tölcke filius 21
Anna filia 14
Hellena filia 9

Klostermann-Thölking


Haarmann

Der Brinksitter Haarmann lieferte ans Amtshaus 54 Grote Herbstschatt, dem Vogt 2 Taler Dienstgeld und musste zweimal dem letzteren je einen halben Tag mit dem Spann dienen.

1545 hat Johan upr Hair nur 3 Scheffelsaat Land, 1562 ist er freier Brinksitter, 1594 zahlt der gemeine Brinksitter Harleman 1/4 Taler Ambtsstür. 1651 heißt er Haermann und ist Brinksitter mit Pferden. Rolf Henrich Haermann heiratet 1793 die Anna Catharina Fredewest, die 8. Generation steigt.

Har, haer, hair" bedeutet Anhöhe, eine mit Holz bewachsene Anhöhe. „Johan upr Hair" heißt als „Johann auf der Anhöhe".

Status animarum von 1703
Name Alter
Borchert Haarman senior pater fam. 81
Talcke uxor 83
Borchert junior pater fam. 43
Grete uxor 34
Johan Hendrich filius 15
Borchert filius 14
Grete Elisabeth filia 8
Hille famula 27


Rohe

1545 hat ein Henrich Nuttel ein Maltersaat Land und 14 Stück Vieh. 1562 ist Henrich van Nottelen ein egener (höriger) Brinksitter, 1594 tritt an seine Stelle Rhode Dirich als Hußler, 1661 Johan Rhode als Brinksitter mit Pferden. 1750 ist er hörig an das Gut Bakum und wird Hußler genannt.

Johan Henrich Rohe traut 1818 die Maria Elisabeth Hüllmann, die 11 Generation bricht an.

Die Stelle liegt westlich von Haarmann, der heutige Besitzer ist Thölking.

Rohe, Rode, Rhode ist die einstämmige Kürzung des Namens Robert, Rodebert und bedeutet „Ruhm Ehre".

Status animarum von 1703
Name Alter
Arendt Rohe senior pater fam. 67
Talcke uxor 61
Johan Rohe junior pater fam. 32
Talcke uxor 27
Hendrich senioris filius 25
Margrete Elisabeth filia 6
Talcke filia 3

Rohe-Thölking


Haneklau


Pagenstert hat diese Stelle für das Jahr 1750 nicht; warum nicht, das ist mir nicht klar.

1549 werden als Steuerzahler in Elsten genannt. Dirich Haneklauw, Wobbeke Uxor (Frau) Fehneke filia (Tochter) 1562 ist Dirich Haneklauw Brinksitter, 1594 Hußler, 1660 wird er als Brinksitter ohne Pferde bezeichnet. Ist aber später miles, eques, also Soldat, Kavallerist. An Namensformen kommen vor Haneklauw, Hanenklaw, Hanecloe, Hane Klohn, Hanekla, Hanenklauw u. a.

Nach 1700 kommt die Stelle immer mehr hoch; Töchter von Thölken, Vasken, (Sevelten) Fredeweß Stelle heiraten auf die Haneklausche Besitzung, am 25.9.1800 heiratet Johann Henrich Quadmann die Maria Anna Haneklau und nennt sich Quadmann condictus Haneklau, colonus in Elsten.

Diese Stelle lag südlich von Averesch, ist später verkauft und kam an Avereschens Stelle.

Status animarum von 1703
Name Alter
Werncke Hanelkla pater fam. 42
Hilcke uxor 32
Elisabet filia 12
Werncke filius 9
Herme senior 83

Borchers

1750 ist Borchers freier Brinksitter, heute 43 ha groß, 1535 heißt der Wehrfester Borchardt tho Elsten, er hat 1545 schon 2 Maltersaat Land und 27 Stück Vieh, ist 1562 freier Brinksitter, nennt sich auch einmal Borcherdt by der wisch, 1608 „de grote Borcherd", 1651 Borcharts, Borchert, ab 1660 nur Borchers, als Brinksitter mit Pferden.

1823 beginnen Johann Henrich Borchers und Maria Anna Wilken die 9. Generation.

Die Stelle zahlte ans Amtshaus 44 Grote Herbstschatt dem Vögten 2 Taler Dienstgeld und musste zweimal bei Gras und Stroh je einen halben Tag mit dem Spann dienen.

Burghard oder Borcherd (starker Schutz) ist altdeutscher Vorname.

Status animarum von 1703
Name Alter
Albert Borcherß pater fam. 57
Talcke uxor 47
Maria filia 19
Lücke Alheit filia 14
Johan filius 16
Johan opilio 21

Borchers


Schröer

Der Name Schröder kommt schon 1498 in Tenstedt vor, später ist er Kötter und Wirt in Cappeln, auch Unterfrone.

Ein Tole Schröder ist 1665 Brinksitter ohne Pferde in Elsten, dieser Thole stamme von Tholen Stelle und heiratete die Topeke Schröer, er nahm den Namen Schröer an. Viermal läuft das Blut über die Frauenseite, aber der Name Schröer blieb. Heute Timmen.

Schröer und Schröder ist Schneider in altdeutscher Sprache.

Status animarum von 1703
Name Alter
Otto Schröder pater fam. 47
Teische uxor 37
Mecke filius 11

Schröer-Timmen


Die Klassifizierung der Stellen, die Pagenstert für 1750 bringt, erfolgte durch den ziemlich eigenmächtig vorgehenden Vogt Georg Schade von Cappeln . Der 24jährige Vogt und die 50jährige Mutter desselben scheinen ziemlich „gerust" zu haben. Fast alle, die der Vogt Kötter, Brinksitter und Hußler nennt, sind 1562 Brinksitter, ihre Anfänge liegen bei fast allen in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Hinzu kommt noch, daß die ersten Anfänger dieser neuen Stellen durchgehends abgehende Söhne der vorhandenen Stellen waren. Das lag ja auch zu nahe. Wenn die Markgenossen schon eine neue Feuerstelle in der Mark zuließen, dann doch nicht einen Fremden, dann doch zuerst und zunächst einen ihrer eigenen Söhnen.



Schwichteler

Schwichteler, 1837 106 Einwohner zählend, hat im Norden guten Lößboden, im Süden das „Schwichtler Brauk". Im östlichen Teile desselben findet man die Reste einer Verteidigungsanlage, die Waals- oder Welsburg, eine alte Wehr- ­und Zufluchsburg, ähnlich wie die Quatmanns- und Arkeburg.

Die Deutung des Namens Schwichteler stößt auf Schwierigkeiten, 1423 Swichtelere, 1475 Swichtele, 1539 Swichteler. Wenn man die erste Schreibung zerlegen das in S - wich - te - lere, so haben wir das vorgeschlagene S, dann das Bestimmungswort „wich", dann das eingeschobene te, es folgt dann das Rundwort „lere". Das letztere vom altdeutschen „hlari" oder „hleri", bedeutet „Grasplatz am Abhange", das Bestimmungswort dürfte aus dem altsächsischen „wihasz" - „heilig, geweiht" stammen, wir hätten dann einen „Weideplatz für die heiligen Rosse", ähnlich dem Rosengarten bei Wildeshausen. Andere wollen Swichtlo als Ausgangsort nehmen, altsächsische „swith" = „kräftig, stark" und „lo" = „Wald", also „wuchtiger Wald". Diese Deutung dürfte etwas gewagt sein, denn „Schwichtel" kommt in den Akten nicht vor, auch kein „Swichtlo".

Kirche-Schwichteler
Die Schule

Als der Cappelner Pastor 1682 die Schulen in der Gemeinde aufzählt bemerkt er: „Dann unterrichtet noch ein junger Mensch in Schwichler" Über das Wer? Wie? erzählt er nichts. 1694 und 1703 hat Schwichler keine Schule. 1721 ist wieder eine Schule da. 1772 ist Joseph Brinkmann, Sohn des Bauern Rolff-Meyer zubenannt. Brinkmann Anna Gesina Averdam Lehrer in Schwichtler, erhält von jedem Kinde 22 Grote zu Weihnachten eine Gänsebrust und zu Fastnacht 12 Eier. Rechnen kann der Lehrer nicht. 1784 besucht Overberg die Schule und schreibt: „Schulgebäude brauchbar, keine Schreibbänke, Lehrer Joseph Brinkmann, 38 Jahre alt, Sohn eines Bauern, hält die Schule mit Zustimmung des Pastors, Kinder meistens 25, Schulzeit nur im Winter. Fähigkeit des Lehrers mittelmäßig, Fleiß und Aufführung werden nicht getadelt. Nordenbrock liegt von Cappeln eine Stunde, die weitesten Häuser, woraus die Kinder von Schwichteler und Middewege; die Wege sind im Winter kotig."

1834 ist Johann Hermann Menke Lehrer, hat keine Dienstwohnung, bekommt dafür auch keine Entschädigung, hat eine Wiese von 3 Scheffelsaat bei 50 Kindern eine Einnahme von plus minus 341/2 Taler und die Pröwen. Heute, wo ein Schulneubau geplant ist, sollte man ganze Arbeit machen und den Neubau in der Nähe der Kirche errichten. Wo eben die Dominikaner 1927 die schöne neu barocke Kirche erbaut haben, ist dort ein Mittelpunkt geschaffen, dem die Schule sich anschließen sollte.

Die Druhbellage der alten Stellen spricht dafür, daß Schwichtler eine der ältesten Siedungen ist. Fünf Sippen (Vollerben) werden dort dicht beieinander gesiedelt haben, eine Stelle hat sich - wahrscheinlich zur Zeit der Sachseneinwanderung - geteilt, so finden wir 1750 in Schwichtler 4 Ganzerben, 2 Halberben und eine Pferdekötter.


Grave

Das Ganzerbe Grave, 74 ha groß, war wie auch Backhaus und Brinkmann eigenhörig nach dem Gute Schwede.

Johan de Graue bezahlt 1498 für sieben Mann Steuern, er hat 1537 51 Kopf Großvieh und besamt 1545 6 Maltersaat Landes.

1528 einigen sich die Adligen Diedrich van Lutten und Johannes Doringelo in einer Erbschaftssache dahin, das Diedrich van Lutten „des Grauen erue to Swichteler" und Johannes Doringelo den Brettberg bekommt. 1542 spricht letzterer die Ansicht aus, daß er seinerzeit nicht ganz zu seinem Rechte gekommen sei, das Graven Erbe zu Schwichteler sei besser als der Brettberg.

Im 30jährigen Kriege wurde das Erbe hart mitgenommen: Das Erbhaus liegt verbrannt am Boden, Heuerleute ohne Pferde sind auf der Stelle, der eine wohnt im Spieker, der andere (Mutter und Tochter) haust in der Leibzucht. Ein Brun van Menschlage traut die Trine Grave, deren Sohn Heinrich freit die Elsche Meyer von Rolfmeyers Stelle in Mintewede, die Eheleute haben fünf Kinder, der einzige Sohn stirbt, von den Töchtern erbt die Catharina Adelheid, die den Herman Nefterholt heiratet. 1811 holt der Anerbe Johann Hermann Grave die Maria Engel Gerdesmeyer aus Sülzbühren zu sich auf den Hof, die 11. nachweisbare Generation. Sein Bruder Hermann Henrich kaufte 1830 das Stammgut Strohe.

Auf dem Hofe standen eine alte sehr wuchtige Eiche, die manch einen Ausflügler anzog. Als der Großherzog Nikolaus Friedrich Peter zur Regierung kam und von dem Riesenbaume hörte, wollte er ihn sehen. Mit seinem Adjutanten geführt vom Amtshauptmann H. von Cloppenburg geschah die Besichtigung. Als dann der Großherzog fragte, ob man dem Bauern Grave auf dem Hofe auch das Wort gönnen müsse, meinte der Amtshauptmann, das sei nicht nötig, es seien ganz „ordinöre Leute". Das hatten mehr Ohren gehört, Dr. Prof. Reinke, der als Bauer auf seinem väterlichen Erbe in Deindrup wohnte und der ein Studiengenosse vom Großherzog war, erzählte gelegentl. eines Besuches in Oldenburg dem Großherzog, daß der Bauer Grave und seine Frau hoch angesehene Leute seien und daß sie sich sehr gefreut hätten, wenn der Großherzog bei ihnen eingekehrt wäre. Unmutig war der Großherzog, sein Adjutant musste selbst beim Bauern Grave die Sache bereinigen, der Amtshauptmann H. wurde von Cloppenburg auf eine geringere Stelle versetzt.

Heintze Cascorbi leitet den Namen Grave von dem altdeutschen Vornamen Grawo ab; das kann stimmen. In Schwichtler lag die Sache nun ein klein wenig anders; Dort wohnten zwei Bauern dicht nebeneinander, beide hießen sie Johan. Das Volk nannte nun den einen „Johan de Witte", und den andern „Johan de Grau" wohl wegen der entsprechenden Farbe der Haare; aus der Zubenennung sind die beiden Familiennamen Witte und Graue entstanden, die beide noch heute vorhanden sind.

Status animarum von 1703
Name Alter
Hendrich Grave pater fam. 49
Elsche Meyerß uxor 41
Chatarina Alheit filia 12
Elseben filia 10
Wessell famulus 24

Status animarum von 1703
Name Alter
Leibzucht
Johan Gotting pater fam. 53
Hempe uxor 46
Hendrich filius 18

Grave
 
Backhaus  

Das 63 ha große Ganzerbe Backhaus hat als ersten nachweisbaren Wehrfester Dyrick Bachuiß (1498), sein Sohn Hermann besamt 1545 41/2 Maltersaat Landes und hat 43 Stück Großvieh. Wulfert mit seiner Frau Clara bringen ihre Stelle ziemlich gut über die Wirren des 30jährigen Krieges. Im Jahre 1785 freit Anna Elisabeth Backhaus auf Lübben Stelle in Tenstedt, und im nächsten Jahre holt ihre Schwester Anna Gertrud Backhaus den Johann Henrich Lübben auf Backhaus Stelle. Von den drei Töchtern stirbt die eine jung, die Anna Maria Gertrud erbt die väterliche Stelle und heiratet den Joan Casper Sündermann aus Vestrup. (l l. nachweisbare Generation), wo ihre Schwester, die Anna Maria Elisabeth Backhaus bei ihrer Tante auf Lübben Stelle erbt und den Franz Joseph Drühe aus Deindrup freit. Joan Caspar nannte sich noch Backhaus condictus Sündermann, heute hat sich der Namen Sündermann durchgesetzt. Aber die Stelle ruft nach ihren Stellennamen. Der Name Backhaus ist bei Tenstedt gedeutet.

Status animarum von 1703
Name Alter
Wulffert Backhuß pater fam. 51
Anna uxor 41
Philip filius 20
Wulffert filius 12
Wulffert senior 96

Backhaus-Schwichteler


Brinkmann  

Es scheint, daß dieses große Ganzerbe früher eine Vorrangstelle gehabt hat. Bereits 1474 erscheint ein Johann tho Swichele, 24 Jahre später ein Dirich tho Swichtele, 1535 eine Mencke tho Swichttele, er besamt 1545 51/2 Malter Land und hat 56 Kopf Großvieh. 1594 kommt dann zum ersten Male der Name Brinckmann, der Name bleibt. Johan Brinkmann und seine Frau, eine Talecke von Deinerup, bringen die Stelle gut durch die Beschwernisse des großen Krieges. Johan Hermann Rudolph Brinckmann hatte mit seiner ersten Frau, Helena Grave aus Schwichler, drei Kinder, von denen zwei jung starben; seine zweite Frau, eine Anna Elisabeth Jaspers aus Osterhausen, schenkte ihm zehn Kinder. Sechs Söhne und zwei Töchter heirateten und wünschten eine Aussteuer. In der Nacht des 4 August 1789 erklärte die staatsverfassende Versammlung zu Paris das „Recht der gleichen Verteilung des bis dahin festen und in den Geschlechtern forterbenden Grundeigentums unter die Kinder bei Erbschaften" als Staatsgrundgesetz. 1803 wurden auch wir hier dem französischen Staate einverleibt, obiges Staatsgrundgesetz galt auch für uns. Nun teilte Brinkmann seine schöne große Stelle unter die Kinder, teils fand er sie ab mit Geld, teils mit Grundbesitz.

Johann Rudolph Brinkmann, Sohn erster Ehe bekam das Erbhaus und dazu Grundbesitz. Er verlegte das Haus weiter nach Osten bis an den Weg: im Giebelbalken steht: „Joh. Rudoph Bringman/Anna Marg. Deye 1813 20.8bris (20. Oktober)" Auch der Meister hat sich verewigt: BHH (Bernhard Henrich Havickhorst?).

Heute Kurre durch Heirat.

Es heirateten noch.

1791 Anna Maria Elisabeth Brinkmann auf Vasken Hof in Nordenbrock als zweite Frau;

1800 Herm. Henr. Caspar die M. Ang. Havickhorst, später Diekmann, heute verkauft.

1801 J. Henrich die A.M. El. Joans, später Middendorf, 1879 an J. Witte verkauft;

1804 Otto Henrich die Cath. Hoppe, 1837 durch Kauf an J. Witte;

1811 Joan Caspar die Cath. Österling, heute Spille;

1813 Maria Gertrud den J. Jos. Havickhorst, heute Stukenborg;

1817 J. Jos. die Cath. M. Backhaus, er ist Schuster und wohnt später in Schwede.

Johann Caspar und auch Johann Rudolph werden in den Registern „Colonus proprietarius" genannt, (Bauer-Eigner).

Rätselhaft bleibt es, daß 1594 so ganz unvermittelt der Name Brinkmann auftaucht; wenn seine Vorfahren Johan Dirich, Mencke „up Brincke" geheißen hätten, könnte man das verstehen; wenngleich auch hier der Name unberechtigt ist, denn „uupn Brincke" wohnten die anderen Bauern ja auch.

Status animarum von 1703
Name Alter
Johan Brinckman pater fam. 49
Anna uxor 32
Jürgen filius 18
Andreas filius 6
Behrendt famulus 24

Status animarum von 1703
Name Alter
Werncke Buschenhencken pater fam. 61
Vencke uxor 47
inquilina Gesche


Stüve

Das Ganzerbe Stüve heute 65 ha Groß, war eigenhörig an das Gut Strohe. Der Gutsherr war, besonders in letzter Zeit arg verschuldet; so hatten seine Eigenbehörigen kaum etwas zu lachen. 1498 wohnt auf der Leibzucht der Vater Gerd Stuue, auf der Stelle sein Sohn Hinerk Stuue, 51/2 Maltersaat Eschland und 29 Stück Großvieh nennt er sein eigen. 1608 hat die Stelle 75 Schafe. 1660 sind nur zwei Kinder auf der Stelle, das Haus ist niedergebrannt, die beiden Kinder wohnen im Spieker, 1663 hat ihre Wohnung nur ein Fack (2Meter lang). Das Ganzerbe zahlt 12, sein Heuermann aber 18 Schilling Steuern. 1665 heißt es: ...... wüst gelegen vnndt wirt itzo wider erbowet." Der Bau kam nicht hoch, umso mehr, da die schlimmste Zeit ja noch kam. 1674 meldet das Register: „ ... toto anno decubuit" (das ganze Jahr bettlägerig), und 1674 heißt es wieder: „ vacat" (wüst). Erst ab 1680 arbeite Berendt Stueffen mit seiner Frau Clara Bachuiz die Stelle empor. 1809 freit Johann Henrich Josef Stüve die Maria Angela Averdam und damit beginnt die 11. nachweisbare Generation.

Heute Rosenbaum (Vaske) durch Heirat.

Stüve ist altdeutsche Vorname; Heitze Cascorbi leite ihn ab von dem mittelhochdeutschen „stif', das ist „fest, aufrecht wacker"; die jetzigen Familiennamen „Stüve, Stüve, Stieve, Steiff u. ä. sollen alle davon herrühren. Auch in Spreda und Endel kommt der Name vor.

Status animarum von 1703
Name Alter
Johan Stuve pater fam. 61
Vencke uxor 52
Johan filius 14
Vencke filia 24

Status animarum von 1703
Name Alter
Behrendt Stuve pater fam. 49
Clara uxor 39
Johan filius 21
Wulffert filius 12

Stueve


Averdam

Das Halberbe Averdam, heute 70 ha groß, war an die Probstei in Wildeshausen eigenhörig. Es hatte jährlich dahin zu liefern 10 Scheffel Roggen und 20 Scheffel Hafer. Ans Amtshaus in Vechta musste die Stelle außerdem noch entrichten 2 Taler 101/2 Grote Herbstschatt, 2 Taler für den Torfdienst, eine Münsterfuhr, dann musste der Wehrfester die Gerichtshocken nach Vechta bringen.

Henrik Auerdam ist 1498 auf der Stelle, 1529 muß er l Malter Roggen und zwei Malter Hafer nach Wildeshausen liefern. 1545 besamt Jürgen Auerdam 5 Malter und hat 45 Kopf Großvieh. 1565 gibt er ans Amtshaus auch ein Herbstrind.

Das Blut läuft immer über die Mannsseite, die 14. Generation dürfte heute als Wehrfester die Stelle innehaben.

Averdam bedeutet hier wie auch in Schledehausen „über den Damm" hinaus; und bei beiden stimmt das ja auch.

Die Bewohner dieser Stelle waren auch leibeigen. So wird „Grete seligen Hinrick Averdams Tochter" vom Wildeshäuser Probst Segebade Klüver freigelassen, wo sie, weil der Vater gestorben, einen Dienst hat annehmen müssen (1534).

Status animarum von 1703
Name Alter
Jürgen Averdam pater fam. 70
Margareta uxor 46
Hendrich filius 34
Johan Wigman filius 29
Bochert filius 16
Gesche filia 38
Johan opilio 17

Averdam-Schwichtler


Witte

Das Halberbe Witte, 71 ha groß, war frei, es zahlte ans Amtshaus in Cloppenburg für den pflichtigen Wagendienst 4 Malter Hafer.

1498 Dyrick de Witte, 1545 de Wittesche, sie besamt 3 Malter und hat 10 Stück Großvieh. In den Jahren 1660 bis 1680, also in der schweren Zeit, entrichtet Witte immer seine vollen Steuern. 1713 läuft einmal das Blut über die Frauenseite. 1820 freit Johannes Bernard Witte die Bernardina Mömke und legt damit den Grund zur 10 Generation.

Witte, de Witte , nach der Farbe des Haares oder des Gesichtes so benannt. Eigentümlich ist es, daß der Vormund auch hier ein „s" vorschlägt und nicht Witten, sondern „Switten" sagt.

Status animarum von 1703
Name Alter
Dierich Witte pater fam. 49
Margreta Magdalena uxor 36
Margarita filia 11
Chatarina Alheit filia 9

Status animarum von 1703
Name Alter
Wigbert Witte pater fam. 37
Sibilla uxor 31
Dierich filius 10

Bergmann

1535 begründet ein von Graven Stelle abgehender Sohn, Gerdt de Graue, südlich der Graven Stelle eine neue Siedlung. Sein Sohn nennt sich Johan de Graue, auch „Johan up den Berg" (by den Berge). Beide Namen laufen nebeneinander her. 1608 erscheint dann erstmalig Berchman. Nach dem 30jährigen Kriege ist Symer Bergman der Wehrfester. Die von den Heerwegen vollends abseits gelegene Stelle scheint von den Kriegsstrubeln wenig heimgesucht zu sein. 1803 beziehen Herrn Dirk Vorwerk zubenannt Bermann /Catharina Nagel die Stelle; sein Sohn Dirk Henrich heiratet nach Langförden (heute noch Bergmann), auf einer zweiten Stelle neben der ersten wohnen um dieselbe Zeit Joan Henrich Bergmann/Elisabeth Simers.

Bergmann ist der „Mann upn Berge", eine Mißbildung, denn eine Angela Bergmann ist ja ein Widerspruch in sich, die Angela ist doch kein Mann.

Beide Stellen sind später verkauft, heute Meinerding und Bert, zwei ehemals Bakumer Familien (Überhaupt hatte Schwichtler in früherer Zeit viel Verbindung mit Bakum, in einigermaßen trockener Jahreszeit war der Weg durch Bruch nach der Bakumer Kirche um vieles kürzer als nach der Cappeler Kirche.

Status animarum von 1703
Name Alter
Johan Berkman pater fam. 52
Hempe uxor 61
Siemer filius 32
Venke famula 20
Catharina famula 19

 Vaske-Schwichtler
Hoppe-Nieske,Schwichler

Nordenbrock

Nordenbrock wird 1322 „Nordbroke" genannt, der Name bedeutet das nördliche Brok, eine Bezeichnung, die als Ganzes aufgenommen, nur Sinn hat, wenn man als Ausgangspunkt Bakum nimmt: Von Bakum aus liegt das Brok im Norden.

Diese Siedlung scheint jünger als Schwichteler zu sein, errichtet zu einer Zeit, als die Sicherheit gegen feindliche Übergriffe seitens der Menschen und besonders seitens der wilden Tiere ziemlich gegeben war. War diese Sicherheit nicht vorhanden, wie konnte sich da ein Jans so ganz allein und weit in die unbewohnte Mark vorgeschoben ansiedeln?

In Norenbrok lagen 1750 nur drei Ganzerben.
 

Vaske

Das Ganzerbe Vaske, 58 ha groß, war eigenhörig an das Gut Dinklage, von dem es sich 1851 freikaufte.

1498 heißt der Wehrfester Dirick Stallman, 1535 Dirick Nordenbrock; diesem raubt die plündernde Soldateska 9 Molt Hafer und noch anderes für 20 Taler, Moritz von Fresenborg noch für 9 Taler Ware. 1545 bestellt er 4 Maltersaat Land und hat 36 Kopf Großvieh. Es erbt sein Sohn Fasteke, Fasteke ist die Koseform des alten deutschen Vornamens Fastrad(der schnell Ratende) einen Namens, der um 900 hier in der Gegend mehr vorkommt. Alle drei Stellen in Nordenbrok hatten ja denselben Familiennamen und unterschieden sich nur durch den Vornamen. Nun entschied sich das Volk dafür, unterschiedliche Namen zu finden, diesen Hof nannte es schlichtweg Fasteke; in den amtlichen Registern natürlich blieb der "Fasteke to Nordenbrok", erst ab 1651 erscheint nur der Name Vasquen, Festeke und daraus wurde später ein Vaske. Der Name muß bleiben, aber Faske gechrieben werden.

Durch den Großen Krieg kommt die Stelle leidlich hindurch, zwar wird der Bauer 1665 "senex et valetudinaruis" (alt und genesend) genannt, auch seine Frau als alt bezeichnet, sein Erbe nur als Halberbe aufgeführt, aber eine Steuerermßigung greift nicht Platz. Er hatte drei Frauen, eine Bachus, eine Stüven und eine Otten Tochter. In der nachfolgenden Generation sehen wir eine Jans und in der folgenden eine Graven Tochter auf dem Erbe. Das Blut läuft bis 1830 immer über die Mannsseite. Johan Henrich Vasken traut 1817 die Catherina Maria Rolfmeyer, und damit läuft die 11. Generation an.

Status animarum von 1703
Name Alter
Vasche Vaschen pater fam. 69
Anna uxor 49
Johan Vaschen filius 36
Johan Dierich filius 10
Anna filia 17
Maria filia 19
Christina filia 14
Lucke filia 7
Anna Vaschen 49

Status animarum von 1703
Name Alter
Johan pater fam. 51
Anna uxor 50
Anna senicula 79
Johan filius 16
Anna Chatrina filia 19
inquilina Lucke 79


Johanns

Das 52 ha gorße Johanns Erbe war eigenhörig an das Gut Südholz-Querheim, mit 650 Taler hat die Stelle sich bereits 1685 freigekauft. An die Klosterkammer Osnabrück war eine Sackzehnte (20 Scheffel Roggen und 30 Scheffel Hafer) zu liefern.

1498 ist Hinnerk Nordenbrok auf der Stelle, für fünf Mann zahlt er Steuern. 10 Molt Hafer lassen die raublustigen Soldaten 1538 mitgehen. 18 Taler Schadensersatz berechnete Jans dafür. Auch er hat 4 Malter Land unter dem Pflug und 34 Stück Großvieh im Stalle (1545).Ab 1578 betreut Johan Nordenbrock die Stelle, und wie bei Vasken, son nennt das Volk ihn nur "Johanns" oder noch kürzer "Jans". In und nach dem 30-jährigen Kriege betreute ein Andreas to Nordenbrok die Stelle. Er war eine markante Person, der sich durchsetzte. Das Volk nannte ihn Dreiß oder Dreß, und nun entstand ein zweiter Beiname: Dreß oder Dreiß. Allmählich aber kommt der name Jans wieder. Dreß brachte die Stelle ziemlich gut durch den großen Krieg: zwar heißt es 1669: "daß mans ist sehr ohngesond", aber volle Steuer wird entrichtet. 1763 heiratet eine Maria Luzia Hoppe auf die Stelle, die 11. Generation.

Johann ist hebräischer Vorname und bedeutet Gnadenkind. Auch in den Emsteker Registern kommt diese Stelle vor, aber immer als "Nordenbrock". Vielleicht wäre dieser Name vorzuziehen.

Status animarum von 1703
Name Alter
Hindrich Johanß pater fam. 52
Triencke uxor 37

Status animarum von 1703
Name Alter
Andreas senior pater fam. 72
Margarita uxor 57
Johan Hendrich filius 7
Anna Gerdrut filia 10
Chartrina Gesche filia 3
Johan Herme filius senior 31
Gerdt filius 28
Margarita filia 24

Status animarum von 1703
Name Alter
Leibzucht
Andreas Johanß pater fam. 51
Greteke uxor 36
Andreas filius 11
Trinke Gesche filia 4

Status animarum von 1703
Name Alter
in eadem domo
Adolff 49
Anna uxor 36


Hoppe


Das Ganzerbe Hoppe, 55 ha groß, lieferte an seinen Gutsherrn, die Herren von Dinklage, jährlich 1 Malter Roggen und ein Malter Hafer, 1856 ist diese Verpflichtung abgelöst. An die Vikarie hatte die Stelle dieselben Gefälle zu entrichten: auch sie sind gelöst.

In der Hovetschattinge des Jahres 1498 erscheint hinerk Hoppe, sein Sohn heiß Wibbold, dessen Sohn Johan, ihn nehmen die räubernden Soldaten hat mit. 1545 hat er 4 Maltersaat Land in Kultur und 39 Stück Großvierh. Von der 3. bis zur 8. Generation heißt der Wehrfester immer Johan.

1805 heiratet Johann Henrich Hoppe die Anna Maria Vaschen vom Nachbarhofe, die 10. Generation.

Der Name Hoppe kommt viel vor, im Norden unseres Heimatlandes heißt er Hobbie. Schöne altdeutsche Vornamen waren Hugibald, Hugibert, Hugiman, Huwin u. a., von diesen Namen bildeten das Volk in zweistämmiger Kürzung Hubo, Hubbe, Hobbe, Hoppe. In altdeutscher Mythologie sitzen auf Odins Schultern 2 Raben, Hugin (Verstand) und Munin (Erinnerung); da haben wir die Bedeutung: Hoppe ist "Verstand, denkender Geist".

Nach dem Staatskalender hatte Nordenbrok im Jahre 1837 62 Einwohner; als zu Nordenbrok gehörig führt er das "Bührerbruch" besonders auf.

Status animarum von 1703
Name Alter
Johan Hoppen senior pater fam. 79
Wubke uxor 69
Johan Hoppen junior pater fam. 41
Lücke uxor 33
Wübbelt senior filius 39
Johan Hendrich filius 9
Anna Margrete filia 7
Anna Chatrina filia 5
Johan famulus 25
Hellena famula 19

Status animarum von 1703
Name Alter
Leibzucht
Johan Hindrich Brinckman pater fam. 41
Anna Maargreta Hoppen uxor 37
Johan filius 8
Johan Dierich filius 3
inquilina Anna Hoppen vidua 43

Mintewede
 

Mintewede (1258), Mynthewede, Mintewede hat als Grundwort "...wede", das ist Wald. Das Bestimmungswort läßt sich einwandfrei nicht deuten, wahrscheinlich liegt "munte, münte" zugrunde; das bedeutet Schutz. In unserm Worte Vormund ist der Sinn des Wortes noch festgehalten. Es kann aber auch unser altsächsisches "mande, mende" als Ursprung haben, der Sinn ist "Gemeinschaft". Also wäre Mintewede ein "Schutzwald" oder ein "Gemeinschaftswald", beide Deutungen haben Sinn.

Mintewede hat guten Lößboden; um 1750 zählte es vier Ganzerben, einen Pferdekötter und einen Brinksitter. 1837 hatte es 86 Einwohner.

Rolfmeyer


Die Wehrfesterin Grete de Meygersche zahlt 1498 für fünf Personen Steuern; 1535 im Oktober muß ihr Sohn Wichmann drei Goldgulden, fünf Schrikenberger an Steuern entrichten, die drei Goldgulden (heute etwa 1200 DM) waren für die Stelle, die fünf Schrickenberger waren für fünf "Bensten". Heinrich Meyer hatte einen Sohn Tebbe, der mujß ein etwas loses Handgelenk gehabt haben, in den Jahren 1565-1580 findet man ihn immer wieder auf den Kirmessen im Kämpfen verwickelt. Als nun ein gewisser Henrich X. aus dem Nachbardorfe "Meyer Hinrichs sonne Tebbe tho mintewedde vor enen doof  gescholten" hatte, da wird dieser Übertäter in eine Strafe von sechs Goldgulden genommen, so schwer wurde diese Übeltat geahndet. Wenn dagegen Tebbe mal wieder einem Rivalen das Maß genommen, ihn "geloidwendeth" hatte, mußte er mit 9 Schillingen, 7 Deit als Strafe antreten. Also das "lose Maul" stand zur "losen Hand" in einem Verhältnis wie 18 zu 1.

Im 30jährigen Kriege hieß der Wehrfester Roleff Meyger; da es ja noch einen Meyer in Mintewede gab, nannte man ihn und die Stelle Rolfmeyer, seinen Nachbarn aber Freckmeyer. Gegen Ende des Krieges ist Rolf umgekommen oder gestorben; als zweiter Mann tritt ein Dietrich von Osterhausen auf. Dieser Meyer Dietrich mit Frau wohnen aber als Heuermann auf der Stelle, sie hatten also das Gewinn nicht entrichten können; sie zahlen für die große Stelle nur Heuermannstaxe als Steuer, nämlich 18 Schillinge. Auch sein Sohn, der "grote Wessel", wird als "conductor" (Heuermann) bezeichnet. Dann aber geht es mit der Stelle merklich bergauf. 1729 heiratet die Anna Margaretha Rolfmeyer den Henrich Schwegmann aus Dinklage. Dirk Henrich Rolfmeyer begründet am 17.5.1817 mit der ihm angetrauten Maria Elisabeth Rolfes aus Cappeln die 10. Generation.

Durch Kauf ging später die schöne Stelle in den Besitz des Theodor Meyer aus Ankum über, der Kaufpreis betrug 100.000 Mark. Heute Ahrens (Sudenteich).

Die 83 ha große Stelle, ein Ganzerbe war hörig an Daren und ist 1842 freigekauft.

Status animarum von 1703
Name Alter
Otto Meyer pater fam. 51
Gretike uxor 31
Otto filius 6
Gerdt filius 36
Wessell filius 30
Herbert famulus 30
Chatrina famuls 19

Status animarum von 1703
Name Alter
Berendt pater fam. 51
Talcke uxor 47
Anna Margareta filia 14
Talcke filia 11
Dierich filius 6

 Rolfmeyer


Freckmeyer

Bereits 1258 verpfändet der Graf Heinrich von Oldenburg die Vogtei über dieses Ganzerbe, heute 74 ha groß, das Kapitel und den Dekan in Wildeshausen.

1525 gibt Frederik Meyger 2 Malter Roggen an Wildeshausen. 1545 bestätigt, der päpstliche Notarius Johannes Meyer alias Minteweden ein Schatzverzeichnis der Alexanderkirche zu Wildeshausen. Dieser Geistliche dürfte von Freckmeyers Stelle stammen; später wurde er Pfarrer der Kirche in Westerstede bei Wardenburg, die aber schon bald infolge der Reformation zugunsten Wardenburgs einging.

Um 1750 bestanden die gutsherrlichen Gefälle in 2 Malter, 2 Scheffel Roggen, l Feistschwein von 100 Pfund und 5 Talern für Abrahams Kuh. An das Amtshaus in Vechta waren zu liefern 9 Schilling Herbstschat, l/3 Herbstrind, l Mairind, 2 Taler für den Torfdienst, Wagendienst mit 2 Pferden und l Münsterfuhr.

In de Mitte der 80er Jahre wurde bei dem Einebenen eines Hügels eine Grabstätte mit Knochenresten, Asche, Urnen, einem Steinbeil und mehreren Spinnwirteln offen gelegt. Die Jugend der benachbarten Schulen bestaunten damals diese Stätte als ein „Germanengrab", während ein Knecht des Hofes wegen der Menge der angehäuften Feldsteine, die mit gebrannten Ton verklebt waren, zunächst meinte, daß hier ein Schmied gewohnt hätte, der eine feste Unterlage für seinen schweren Amboß habe schaffen wollen. Als dann das Steinbeil und die Urnen zutage kamen, änderte auch er sein Ansicht und meinte nun auch, daß es ein Germanengrab sein könnte.

Ein Germanengrab war es, Steinbeil und Urnen erhärten es, daß zu einer Zeit als der König David auf Erden weilte, auch hier schon Kultur herrschte.

1498 ist Johan Meyger der Betreuer dieser Stelle, sein Sohn Meyer Frederick besamt 1545 12 Maltersaat Roggen und hat 84 Stück Großvieh und 60 Schafe; auf 210 Goldgulden (etwa 85.000 Mark in heutiger Währung) ist die mit hohen Abgaben belastete Stelle geschätzt.

Im 30jährigen Kriege hat der Besitzer Johan Meier um seinen Besitz gekämpft, am Rande des „groten Hofs" lag ein sumpfiger Grund, darin legte er eine kleine „Festung", brand- und angriffssicher an; dahin brachte er Frau und Kinder, seine Wertsachen und auch Lebensmittel, wenn die „Kriegsdromete" durch das Dorf hallte. Diese kleinen Festungen nannte man „Lehms" oder „Leims", sie waren von außen mit einer dicken Schicht Lehm bekleidet, damit sie nicht Feuer fingen. Als man später den Grund ebnete, fand man dort planmäßig eingelassene Eichenpfähle, die am oberen Ende angebrannt waren; die Wiese heiß noch bis auf den heutigen Tag „Laims Wiske",

In Cappeln gab es sechs Bauernstellen, die alle den Namen Meyer trugen, in Mintewede allein zwei,. Was Wunder, wenn das Volk da unterschied; so nannte es diesen Hof Frerkmeyer nach dem Vornamen Frederik, und dieser Name sollte wiederkommen, aber Frerkmeyer und nicht Freckmeyer. In Mintewede hieß der Hof auch einfach „de Meyerhof'. Das kommt auch im folgenden „Däunken" zum Vorschein; Der Bekannte Pingstvaogel (Pirol, Viezbohnenvaogel, auch Wiegelvaogel genannt) besitzt ja den schönen eigenartigen Ruf, den man in L. deutet: „Wi sünd rike Lüe!", worauf dann das Weibchen antwortet: „Schitt uck!" In Minterwedde ruft das Männchen : „AI Lü plant Vietsbohnen!" und das Weibchen folgt dann: „Meyers noch nich!".

Frerich Meyer, der 1696 die Stelle antrat (seine Mutter war eine Talke von der Eweßlage in Schwege), hatte 10 Kinder, drei der Söhne wurden Geistlicher: Heinrich starb 1754 als Pastor von Lindern, Joseph 1758 als Pastor von Emstek und Dechant des Kreises Cloppenburg (er gab auch 300 Taler, um die „grote Wiske" zu roden und in Stand zu setzten) und Friedrich der 1753 als Kaplan in Cloppenburg starb.

Ihr jüngster Bruder Jakob heiratet die C. M. Strotmann vom Nachbarshofe und wohnte in Meyers Heuerhause; deren Sohn Johan, 1753 geboren, meist „Jakob sien Jan" genannt, hatte von der Großmutter Talent und Tatkraft geerbt; er war zuerst ein Hollandgänger, dann ein Buisgänger und zuletzt Schiffer auf weiter Fahrt, der häufig „ünner dei Sünne" durchgekommen ist (den Äquator passiert hat), der dann, als Napoleon die Kontinentalsperre verhängte, ein gewiegter und erfolgreicher Schmuggler wurde und dem gewaltigen Korsen arg in Handwerk fuschte.

1826 traute die einzige Tochter Margaretha Elisabeth Frerkmeyer den Johann Heinrich Ording aus Märschendorf, der sich aber Frerkmeyer nannte; deren Enkelin Maria Theresia heiratete den Wilhelm Stenkhoff, dessen hohen Verdienste um die Landwirtschaft anlässlich seines Todes (1928) in der Münsterländischen Tageszeitung gewürdigt wurden.

Möge die nachweisbar 15. Generation im Sinne der Voreltern die Stelle weiter betreuen!

Status animarum von 1703
Name Alter
Johan Meyer senior pater fam. 79
Talcke uxor 67
Frerich junior viduus pater fam. 43
Johan Meyer filius 7
Hendrich filius 6
Chatarina filia 2
Herme senoris filius 37
Johan filius 33
Jacob filius 28
Jurgen filius 25
Werncke filius 20
Chatrina Margreta famula 21
Maria famula 18

Status animarum von 1703
Name Alter
Lucke vidua mater fam. 52
Margreta filia 28
Lucke filia 26
Hendrich filius 9

Status animarum von 1703
Name Alter
in Schaffstall
Talcke filia 24
Christina filia 21

Status animarum von 1703
Name Alter
Leibzucht
Johan Luckman pater fam. 49
Vencke uxor 37
Herme filius 12
Dierich filius 9
Margreta filia 7

Freckmeyer-Stenkhoff


Buschenhenken

Auch diese 42 ha große Ganzerbe war eigenhörig nach Wildeshausen, die gutsherrlichen Gefälle betrugen l Malter Roggen und drei Malter l Scheffel Hafer.

1498 ist Hinnerek Bußken der Wehrfester der Stelle, das Wildeshäuser Copiar nennt ihn 1539 Boßke Henke, auf der Stelle sind 1545 und auch 1608 fünf Pferde und 17 bzw. 11 Stück Großvieh. 1621 ist Johann Buschen Kirchenprovisor, sein Name steht auf der mittleren Glocke, die damals gegossen wurde. Der Krieg bringt die Stelle ganz herunter, 1665 stirbt der Mann, zwei Jahre später nun heißt es „ .. sunt duos pauperes puilli"" (es sind zwei arme kleine Kinder). Die Steuer wird ermäßigt oder ganz erlassen, nur 20 Scheffelsaat Land wird beackert. Dazu komme als weitere Last noch Schulden aus dem Kriege. 1718 freit Georg Hake auf die Stelle, es geht mit der Stelle aufwärts, 1802 heiratet Georg Joseph Buschenhenke die Maria Catharina Rolfmeyer, die 10. nach weisbare Generation. Als dann der Ehemann nach 10 Jahren stirbt, zieht Johan Gerhard Hake als zweiter Mann auf die Stelle.

Der Name kann leicht zu Missdeutungen führen; das „Buschen" hat mit Busch nichts zu tun, es hätte ja auch keinen Sinn; Henke Busche! Wie liegt die Sache hier? Die Koseform des Alten schönen deutschen Vornamens Burchard ist Busseke, sein Sohn Henrich oder Henke war nun ganz von selbst Busseken Henke oder Busßken Henke; also unser Buschenhenke ist aus zwei Vornamen entstanden aus Burghard (starke Wehr) und Henrich (Heimatfürst).

Status animarum von 1703
Name Alter
Wessell Buschenhencken pater fam. 57
Margareta uxor 49
Borchert frater Wesselß filius 40
Dierich filius 10
Anna filia 8
Hempe filia 6
Margrete filia 5
Maria filia 15
Maria filia 10
Christina filia 7

Status animarum von 1703
Name Alter
Backhuß
Johan Langfordt pater fam. 57
Hempe uxor 49
Dierich filius 20

Buschenhenke


Strotmann

Das Ganzerbe Strotmann, 49 ha groß, war eigenhörig nach dem Gute Quernheim, später nach Dinklage und ist 1843 abgelöst.

1498 verwaltet Herman Borchardes die Stelle, auf der Leibzucht wohnt Grete Strotmann. Also Borchardes Strotmann ist tot, seine Frau Hempe steht der Stelle vor. Ihr Sohn Bernd Strotman hat 1537 4 Pferde und 20 Stück Großvieh. 1545 heißen die Zahlen 5 und 25 und 20 Schafe; 1608 hat sich der Viehbestand verringert. Der 30jährige Krieg brachte die Stelle ganz an den Ruin. 1663 heißt es: „vacat" (wüst), auch die Leibzucht ist ppr (arm). 1665 wohnt der Wehrfester in Frerich Meyers Leibzucht. 1669 ist er „viehlos", 1674 auch. Erst ab 1680 kommt er wieder hoch. 1695 hertratet ein Herman Brinckmann aus Schwichteler auf die Stelle, langsam, aber beständig geht es mit der Stelle aufwärts. 1805 heiratet Johan Gerd Joseph Strotmann die Bernardina Vorwerk, die 12. Generation.

Heute durch Heirat Ording. Aber der Stellenname, der der Stelle mehr als 1000 Jahre annex war, sollte wiederkommen.

Der Name Strotmann ist nicht leicht zu deuten. Man kann zu „strod"" denken; „strod, straut", ist sumpfiges, meist mit Erlengebüsch bestandenes Gelände. Dann hätte es 1498 heißen müssen „Grete ton strode" und nicht Grete Strotman. Wie Hermann, German, Baldman, Werman u. a. ist Strotman altdeutscher Vorname und bedeutet der „Draufgänger).

Status animarum von 1703
Name Alter
Hendrich Strootman pater fam. 59
Lücke uxor 49
Herme junior pater fam. 39
Lucke uxor 35
Wessell filius 30
Anna filia 26
Christina filia 19
Hendrich filius 3
Maria filia 6
Margreta filia 5


Bergemester

Dieser Pferdekotten ist für die Zeit unter diesen Namen nicht nachzuweisen. 1660 taucht der Name Bergemester oder Burgemester auf. Dabei muß der Kotten älter sein.

Schon 1498 findet man in Mintewede einen Wessel Strotmann, der Eigenbesitz hat. 1535 zahlt sein Sohn Hinrich Strotman Köttertaxe, hat 1545 14 Scheffelsaat Land in Arbeit, hat 3 Pferde und 14 Kopf sonstiges Großvieh. 1562 wird Arendt Strotman ein freier Kötter genannt. Nun wechselt der Name in Siemerman, auch manchmal Swermann um. Ab 1660 heißt der Wehrfester dann Brinksitter Johan Bergemester, er selbst nennt sich 1669 Pferdekötter. Dieser Johan hatte zwei Töchter, Anna heiratet den Borchard Witte und erhält die Stelle, Margaretha traut den Wessel Buschenhenken. Die Ehe Witte/Bergmester war kinderlos, die Stelle vererbt dann später an Siemermann. 1771 ist Johann Henrich Siemermann condictus Bergemester auf der Stelle. Mit seiner Frau, einer Gertrud Mollman, hat er keine Kinder, so erbt der Sohn seines Bruders, ein Jürgen Anton Siemermann der sich auch „zubenannt Bergemester „ nennt,. Die Stelle war frei; so versteht man, daß sie auch in der Namensgebung frei ist, der Name ändert sich immer wieder.

Die Bedeutung des Namens Bergemester ist unklar, wahrscheinlich war der Johan Bergemester, der nach den 30jährigen Kriege hier auftaucht und in der Gemeinde neben dem Vogt Schade eine führende Rolle spielte, ein höherer Militär, der hier aus dem Kriege kam und auf der verwaisten Stelle seine Wohnung fand.

An das Amtshaus in Vechta musste die Stelle entrichten: 9 Grote Knechtegeld, demselben zweimal bei Grase und Stroh mit zwei Pferden einen ganzen Tag dienen und die Gerichtshocken von Schwichteler nach Vechta fahren.

Heute durch Heirat Timme.

Status animarum von 1703
Name Alter
Borchert Bürgermeister pater fam. 67
Anna uxor 51
Johan filius 31
Borchert filius 27
Dierich filius 21
Hempe filia 26
Margreta filia 20


Schomaker

Schomaker ist 1750 als Brinksitter einrangiert, kommt aber schon 1535 vor. Damals zahlte die Schomakersche an Steuer eine Köttertaxe. 1545 hat sie 18 Scheffelsaat Land unter dem Pfluge, hat 23 Stück Großvieh. 1562 wird Eilhard Kroemer als freier Brinksitter bezeichnet. Die Sache wird so liegen: Die eben genannte Phenneke Schomaker des Jahres 1535 hatte zwei Kinder: Hermann heiratet und zieht ins Dorf Cappeln, die Tochter Phenneke traut den Eilhard Kroemer, sie halten die Stelle Schomaker. 1608 sind beide Familien noch da, Schmoaker in Mintewede und Schomaker am Kirchhof in Cappeln.

1651 aber ist nur die in Mintewede anzutreffen als Brinksitter ohne Pferde, Diesem Henrich Schomaker muß der Krieg übel mitgespielt haben, er ist immer ppr (arm), hat 1669 nur noch eine Kuh und ein Kalb. Dabei war er Untervogt in Mintewede. Da heiratet die Anna Schomaker den Fridericus Meyer von Freckmeyers Stelle in Mintewede, er wird wohl eine gute Aussteuer mitgebracht haben, mit der Stelle geht es jetzt aufwärts. Eine Enkelin dieser Eheleute traut 1804 den Johan Bernard Henrich Stüve, deren Tochter heiratet 1828 den Joseph Jansen, der als „Jansen zubenannt Schomaker" in den Listen erscheint. Heute Jansen.

Der Name Schomaker weist auf den Handwerker hin, der erste wird ein Schumacher gewesen sein.

An das Amtshaus in Vechta musste die Stelle zahlen: 261/2 Herbstschat, Als Untervogt der Bauerschaften Mintewedde Schwichteler und Nordenbrok musste er die Briefe nach Tenstedt und Deindrup bringen und die Richthocken aus Nordenbrock nach Vechta fahren.

Schomaker

Für nachstehede Familien fehlt noch die Zuordnung:

Status animarum von 1703
Name Alter
Hendrich Johanß pater fam. 51
Vencke uxor 41
Johan Hendrich filius 6
Dierich filius 3
Anna Gesche filia 10
Anna Margreta filia 8
Vencke senicula 86

Status animarum von 1703
Name Alter
Vencke vidua mater fam. 56
Johan Hendrich filius 29
Margrete filia 18
Anna Christina filia 12
Maria filia 9

Status animarum von 1703
Name Alter
in eadem domo
Anna vidua mater fam. 49
Johan Hendrich filius 12
Johan filius 10
Anna Maria filia 9




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